Dem Angeklagten wird vorgeworfen, seine Frau erstickt zu haben. Foto: Werner Kuhnle

Im Totschlags-Prozess um die tote Feuerwehrfrau aus Marbach (Kreis Ludwigsburg) am Landgericht Heilbronn berichten Zeugen von Ungereimtheiten und Drohungen.

Der Mann, der am neunten Tag im Prozess um die tote Feuerwehrfrau aus Marbach auf dem Zeugenstuhl am Landgericht Heilbronn Platz nimmt, ist ein Mann mit großem Erfahrungsschatz. Der 41-jährige Kriminaloberkommissar des Kriminaldauerdienstes aus Leonberg war am frühen Morgen des 6. August vergangenes Jahr in den Eisenachweg nach Marbach gerufen worden, nachdem bekannt geworden war, dass bei einem Löscheinsatz eine tote Frau im Keller des Hauses gefunden worden war. „Es war auch am Morgen gegen 6.15 Uhr immer noch viel Trubel“, berichtete der Beamte.

 

Was Kriminaltechniker aus Krähenfüßen ableiten

Er habe „ein komisches Bauchgefühl“ gehabt, als er mitbekommen habe, dass die Tote nur mit Slip und BH bekleidet gewesen und selbst Mitglied der Feuerwehr war. Nach Rücksprache mit der Kriminaltechnik habe er eine erste kriminalpolizeiliche Leichenschau vorgenommen. „Mir sind keine Anzeichen für Gewalteinwirkung aufgefallen. Aber die Frau hatte keine Krähenfüße an den Augen, die entstehen, wenn man die Augen zukneift, weil man in einen verrauchten Raum kommt“, schilderte der Kommissar eine weitere Auffälligkeit. Die Gesamtumstände seien einfach „nicht ganz schlüssig“ gewesen.

Das „komische Gefühl“ habe sich noch einmal verstärkt, als er bei einer Befragung von der Mutter der Toten erfahren habe, jene habe sich von ihrem Mann trennen wollen – just nach einem Jugendzeltlager, das an diesem Wochenende stattgefunden hatte. Zuvor habe es, so die Mutter, nie körperliche Auseinandersetzungen gegeben, nur verbalen Streit. Er habe seine Erkenntnisse weitergegeben und am Abend in der Nachtschicht erfahren, dass der Ehemann festgenommen wurde.

Seit Ende Februar muss sich ein 29-jähriger Mann wegen Totschlags an seiner Ehefrau vor dem Landgericht Heilbronn verantworten. Beide waren Mitglied bei der Freiwilligen Feuerwehr, allerdings in unterschiedlichen Ortsgruppen. Nach den Ermittlungen der Staatsanwaltschaft ist der Angeklagte mit seiner Frau in der Nacht zum 6. August 2023 wegen der Trennung in Streit geraten und hat sie dann getötet. Er soll sie ohnmächtig geschlagen und anschließend erstickt haben.

Danach habe er sie in den Keller getragen und ein Feuer entzündet, um die Tat zu verschleiern. Er habe sich nicht darum gekümmert, in was für eine Lebensgefahr er die größtenteils schlafenden 38 Hausbewohner brachte. Der Schaden wird auf 150000 Euro geschätzt. Die Anklage lautet auf Totschlag, versuchten Mord in 38 Fällen und besonders schwere Brandstiftung.

Den Ex-Freund erfasst eine „große innere Leere“

Am neunten Prozesstag sagte zudem der Ex-Freund der Feuerwehrfrau aus, der an dem Einsatz beteiligt war. Er erklärte, der Angeklagte sei ihm vor dem Haus begegnet und habe ihnen den Weg durch die Tiefgarage als kürzesten Weg eröffnet. Er sei hektisch gewesen und habe erzählt, dass er seine Frau suche, sie habe noch Wäsche waschen wollen. „Das habe ich nicht verstanden. Wer wäscht morgens um 4 Uhr Wäsche?“, führte der 35-Jährige weiter aus. Als Einsatzkräfte die Feuerwehrkameradin geborgen hatten, habe ihn „eine große innere Leere“ erfasst.

Er sei mit der 28-Jährigen auch nach der Trennung befreundet gewesen, von Freunden habe er gehört, dass es in der Ehe mit dem Angeklagten krisele. Er habe den Angeklagten als „komische Persönlichkeit“ empfunden. Von Dritten habe er einmal gehört, dass dieser gesagt haben solle, wenn es in seiner Ehe so weitergehe, fahre er mit allen in einem Auto gegen einen Baum.

Der Prozess wird in der kommenden Woche fortgesetzt, das Urteil soll im Juli verkündet werden.