Fritz Genkinger meets die „Jungen Wilden“
Fritz Genkinger, dessen Kunst in der Marbacher Altstadt ein ganzes Museum gewidmet ist, studierte in den 50er Jahren unter anderen mit dem Meister der großformatigen gestischen Malerei, Walter Stöhrer in Karlsruhe.
Walter Stöhrer ging 1959 nach Berlin. In dieser geteilten Stadt entwickelte sich eine aufregende Kunstszene. Im Kontrast zur Abstraktion der Nachkriegsmoderne entstand kraftvolle, großformatige, meist figurative Kunst, die in den 80er Jahren unter dem Begriff „Junge Wilde“ bekannt wurde. In dieser Zeit reiste der Ingenieur und Bauunternehme Manfred Heinrich auf Anraten eines Galeristen in die Stadt um diese Kunst und deren Künstler kennenzulernen. Das erste Werk, das er dort erwarb, war ein Gemälde von Walter Stöhrer. Nach vielen weiteren Reisen und Ankäufen des Kunstmäzens entstand eine umfangreiche und einzigartige Sammlung von Werken, für die eigens ein Museum in der Nachbarschaft zum Kloster Maulbronn eingerichtet wurde, „Kunstsammlung Heinrich“.
Für den „Freundeskreis Fritz Genkinger“ lag es nahe, sich einmal mit den Zeitgenossen „ihres“ Künstlers zu befassen und das Museum zu besuchen. Wie beim Fritz Genkinger Kunsthaus in Marbach wurde auch im Schafhof in Maulbronn ein bestehendes Haus innerhalb eines vorhandenen baulichen Ensembles zu einem Museum umgebaut. Über drei Stockwerke erstreckt sich die Ausstellung, die vom Sammler Manfred Heinrich selbst arrangiert wurde. Zu jedem Kunstwerk, ja sogar zu den Künstlern hat er eine persönliche Beziehung und so entspringt die Hängung seinem persönlichen Urteil und folgt nicht einer chronologischen oder stilistischen Einordnung. Gerade das macht den Rundgang zwischen den Wänden mit den teilweise riesigen Bildern zu einem sinnlichen Erlebnis.
Fritz Genkinger schrieb in seinen Erinnerungen über seine ersten Eindrücke beim Studium in Karlsruhe, wie ihn die damals vorherrschende abstrakte Kunst irritierte. Er selbst ist seinem figurativen Stil immer, auch bei noch so unterschiedlichen Schaffensphasen, treu geblieben. Auch die Kritischen Expressionisten, Neoexpressionisten und Jungen Wilden überwanden die Abstraktion. Doch während diese teilweise hyperrealistisch, oft expressiv und roh ihre Ausdrucksmittel einsetzten ging Fritz Genkinger subtiler vor. „Ich versuche, durch das optische Äußere, durch die Malerei, den Malprozess, ins Innere, den Kern des Denkens, vorzudringen, so die geistigen Zusammenhänge zu erkennen und sichtbar zu machen. Ich will versuchen, über bloße Zustandsschilderungen hinauszukommen.“ (Zitat aus dem Lebenslauf von Fritz Genkinger) Beatrix Hellwage-Rathgeber
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