Alte Äußerungen von CDU-Spitzenkandidat Manuel Hagel werden von den Grünen als sexistisch kritisiert, während die CDU von einem Manöver spricht. Was hat Hagel gesagt?
Ein acht Jahre altes Interview mit dem CDU-Politiker Manuel Hagel sorgt für Aufregung in Baden-Württemberg. Darin schildert Hagel den Besuch an einer Realschule im Wahlkreis und äußert sich unter anderem zum Aussehen einer minderjährigen Schülerin „mit rehbraunen Augen“.
Die Grünen mit der Bundestagsabgeordneten Zoe Mayer an der Spitze haben das Videomaterial aufgegriffen und in den sozialen Medien verbreitet, was zu einer hitzigen Debatte führte. Während die einen darin einen legitimen Hinweis auf Sexismus und problematische Ansichten sehen, betrachten andere dies als unsaubere Wahlkampftaktik, bei der alte Aussagen aus dem Kontext gerissen werden.
Manuel-Hagel-Zitat aus dem Video
Folgendes hat Manuel Hagel wörtlich in seinem Video von 2018 gesagt: „Also da gibt’s für 29-jährige Abgeordnete schlimmere Termine als diesen.“ Und im Anschluss dann, über eine bestimmte Schülerin: „Ich werd’s nie vergessen, die erste Frage, sie hieß Eva, braune Haare, rehbraune Augen.“ Auf Wechselseitigkeit beruhte der tiefe Eindruck allerdings wohl nicht. "Bild" hat die junge Frau über Verwandte ausfindig gemacht. Sie studiert demzufolge auswärts - und kann sich offenbar gar nicht mehr an den Hagel-Besuch an einer Realschule im Wahlkreis auf der Schwäbischen Alb erinnern.
Sexismus bei Manuel Hagel und in der Strobl-CDU?
Die Meinungen zu Hagels Aussagen sind gespalten. Einige Bürgerinnen und Bürger empfinden die Äußerungen durchaus als sexistische Stammtischparolen und völlig unzeitgemäß. Sie werfen Zweifel am Frauenbild in der CDU auf - auch vor dem Hintergrund von eklatanten Sexismus-Vorfällen bei der Polizei unter dem skandalträchtigen Innenminister Strobl - und betonen, dass solche Verallgemeinerungen über Frauen und Männer in der Politik keinen Platz haben sollten und dass Kompetenz nicht vom Geschlecht abhänge.
„Wahlkampfmanöver der Grünen“
Die CDU verteidigt ihren Spitzenkandidaten und spricht von einem „schmutzigen Wahlkampfmanöver“ der Grünen. Man solle sich lieber mit aktuellen politischen Themen und Herausforderungen auseinandersetzen, anstatt alte Interviews für Angriffe zu nutzen.
Die Diskussion um Manuel Hagels Interview zeigt jedenfalls, wie sensibel gesellschaftliche Debatten über Geschlechterrollen geworden sind und wie schnell aus archivierten Medieninhalten politische Kontroversen entstehen können.