Die „Sarotti-Mohr“-Embleme haben Ende 2018 bis Frühling 2019 für hitzige Debatten über Alltagsrassismus gesorgt. Foto: dpa/Uwe Anspach

Die einen raten zu Verzicht, die anderen wollen liebgewonnene Traditionen nicht aufgeben: An der „Sarotti-Mohr“-Dekoration in einem Mannheimer Kultur-Zentrum scheiden sich die Geister. Die Betreiber versuchen einen Mittelweg zu finden. Wie sieht der wohl aus?

Mannheim - Das Mannheimer Kulturzentrum Capitol lüftet am Mittwoch (13.00 Uhr) das Geheimnis der umgestalteten Sarotti-Werbung in seinem Foyer. Die zwei „Sarotti-Mohr“-Embleme haben Ende 2018 bis Frühling 2019 für hitzige Debatten über Alltagsrassismus gesorgt. Auch im Internet häuften sich Kommentare: Den einen war die Kritik an der Darstellung der kleinen schwarzen Kerle mit Pluderhose, Schnabelschuhen und Tablett zu viel der „political correctness“. Andere forderten, das aus ihrer Sicht kolonialrassistische Symbol zu entfernen.

Die Capitol-Betreiber hatten sich nach sechs Veranstaltungen zum Thema „Kein Platz für Rassismus“ die Aufgabe auferlegt, der über 100 Jahre alten Werbefigur eine neue Bedeutung zu geben. Der zeitliche Ablauf zeugt davon, wie sehr um einen antidiskriminierenden Touch gerungen worden sein muss: Erst erschien es dem Capitol möglich, bereits im vergangenen Sommer die veränderten Bildnisse zu präsentieren. Daraus wurde Herbst, dann Jahresanfang. Jetzt lädt man die Öffentlichkeit ein zum Thema „Aktionstage Kein Platz für Rassismus & Vorstellung der Umgestaltung der Sarotti Werbeanlage“.

Ziel: Haltung der Werbefiguren verändern

Ziel der Umgestaltung war, die Haltung der Werbefiguren zu verändern. „Sie soll zum Symbol für unseren Wunsch werden, mit unseren Gästen dauerhaft im Gespräch zu bleiben“, erklärten die Betreiber.

Die Initiative Schwarzer Menschen in Deutschland bezweifelt, dass die Darstellung umgedeutet werden kann. „Aus unserer Sicht ist ein Beibehalten einer so belastenden Figur wie der Sarotti M* kein geeignetes Mittel, sich mit rassistischen Bildern und Vorstellungen auseinanderzusetzen“, sagt Sprecher Tahir Della. Der einfachste Wege sei, den „Mohr“ endlich zu entsorgen. Das gelte auch für zahlreiche Bezeichnungen von Straßen, Cafés und Apotheken mit diesem Wort.

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