Hier wurden einmal Filter hergestellt, in den kommenden 18 Monaten sollen die alten Gebäude von Mann+Hummel aber nach und nach leer geräumt werden. Foto: Simon Granville

Mann + Hummel hat den größeren Teil seines alten Firmengeländes in der Ludwigsburger Weststadt veräußert. Wer hat das Areal gekauft und was ist dort geplant?

Dass Mann + Hummel große Teile seines Standorts in Ludwigsburg aufgibt, war für viele der Beschäftigten ein Schock. Sie hatten lange gehofft, dass es doch noch anders kommt, im Frühjahr 2021 herrschte aber endgültig Gewissheit: Ende dieses Jahres ist Schluss mit der Produktion am Firmensitz. „Auch für die Stadt war das schmerzhaft“, sagt Matthias Knecht rückblickend.

 

Der Oberbürgermeister dürfte noch ein bisschen früher gewusst haben als die breite Öffentlichkeit, was Mann + Hummel vorhat. Denn der Filterhersteller war relativ früh auf die Stadt zugekommen, um zu erörtern, wie es mit dem größten Teil des Geländes weitergehen soll. Die Stadt hätte sicherlich gerne zugegriffen, „aber bei solchen Größenordnungen stoßen wir einfach an unsere Grenzen“, sagt Knecht. Gekauft hat es ein Großinvestor: 180 Millionen Euro – wegen steigender Baupreise und anderen Faktoren am Ende voraussichtlich sogar etwas mehr – gibt Patron Capital für das Projekt aus. Die Inbright Development GmbH aus Berlin entwickelt es nun für den Kapitalgeber, der es anschließend wieder veräußern möchte.

Mindestens 1500 neue Arbeitsplätze

Auf einer Fläche von rund 50 000 Quadratmetern – acht Hallen, die ältesten mehr als 70 Jahre alt – soll ein moderner Industriepark entstehen. Welche Unternehmen dort einziehen, steht noch nicht fest. Was Stadt und Geldgeber nicht wollen aber schon: kein Logistikfirmen, keine Lagerhallen, auch keinen Einzelhandel. Grob umrissen wird der Mietermix mit dem Schlagwort „Industrie 4.0“. Laut Johannes Nöldeke, Geschäftsführer von Inbright, sei „von Forschung und Entwicklung über eine leichte Fertigung bis hin zu Bildschirmarbeitsplätzen in Labornähe“ alles denkbar. Vor allem sei Flexibilität gefragt – auch bei der Konzeption der Flächen. Heißt: nur weil ein Mieter in drei bis fünf Jahren – so ist der grobe Rahmen – einzieht, muss er dann nicht für immer bleiben.

Interessenten gebe es bereits, so Nöldeke. Insgesamt sollen auf 80 000 Quadratmeter mindestens 1500 neue Arbeitsplätze entstehen, vorausgesetzt es finden sich genügend und vor allem die richtigen Mieter. Matthias Knecht und Baubürgermeisterin Andrea Schwarz hoffen, dass das „Vorbildgewerbegebiet Weststadt“ noch einmal aufgewertet und weiter in Richtung zukunftsweisende Technologien transformiert wird. Wobei Schwarz betont, dass es nicht ganz einfach sei, die verschiedenen Interessen – Industrie auf der einen, Wohnhäuser in direkter Nachbarschaft auf der anderen Seite – unter einen Hut zu bekommen.

Was bleibt erhalten, was wird abgerissen?

Dabei habe man gemeinsam Lösungen gefunden, so soll das Gelände beispielsweise geöffnet und die Wege in die Weststadt dadurch kürzer werden. Knecht betonte bei der Vorstellung des Projekts am Mittwoch, wie dringend die Stadt nach Gewerbeflächen suche, er sprach von einer „Notlage“. Dass Inbright sich – wie die Verwaltungsspitze – das Thema Nachhaltigkeit auf die Fahnen geschrieben habe, freue ihn umso mehr.

Nöldeke verspricht, dass besonders CO2- und ressourcenschonend geplant und gebaut werden soll. Fünf Büros prüfen derzeit gleichzeitig, was auf dem Gelände möglich ist – vor allem welche der alten Gebäude nur modernisiert, nicht aber komplett abgerissen werden müssen. Dass der Investor lieber viel erhalten möchte, das bedingen schon die derzeitigen Baupreise. Fest steht deshalb bereits, dass das Gebäude an der Schlieffenstraße mit seinem charakteristischen Dach, das Zähnen gleicht, stehen bleiben wird. Die Konstruktion sei so massiv, in der Halle stecke so viel „graue Energie“, dass ein Abriss sowohl aus wirtschaftlicher als auch ökologischer Sicht „total dämlich“ sei, so Johannes Nöldeke. Er verspricht, dass vor allem „grüne Mietverträge“ abgeschlossen werden. Dabei werde etwa darauf geachtet, wie die Mieter ihre Energie beziehen, sogar, welche Reinigungsmittel sie verwenden.

Mann + Hummel hat die Hallen erst einmal zurück gemietet

Ein weiterer Fokus bei den Planungen liegt auf der Gestaltung der Außenbereiche. Momentan ist das Gelände nahezu komplett versiegelt. „Mit der Entsiegelung von Industrieflächen ist das aber immer so eine Sache“, sagt Nöldeke. „Wo ein Laster fährt, braucht es eben Asphalt.“ Deshalb sollen vor allem die Dachflächen begrünt werden. Im Herbst will man soweit sein, weitere Anträge bei der Stadt zu stellen und letztlich auch den Bauantrag auf den Weg zu bringen.

Mann + Hummel hat das Gelände bereits Anfang des Jahres verkauft, darf es mit einem sogenannten Rückmietvertrag aber noch mindestens zwei Jahre nutzen. Viele der alten Anlagen und Maschinen sind aber bereits verschwunden.

Das Geld für die Modernisierung kommt aus England

Mann + Hummel
 Von der Schließung des Werks in Ludwigsburg zum Jahresende 2022 sind 400 Beschäftigte betroffen. Bekannt geworden waren die Pläne bereits vor zwei Jahren. Anschließend gab es immer wieder Proteste von Seiten der Belegschaft und der Gewerkschaften.

Investor
 Patron Capital aus London verwaltet 4,3 Milliarden Euro. Das Geld ist auf mehrere Fonds und sogenannte Co-Investment-Pools verteilt. Zu den Investoren gehören Staatsfonds, Unis oder Privatpersonen. Die Inbright Development GmbH ist quasi der operative Arm des Fonds und kümmert sich um die Projekte in Deutschland. Sie konzentriert sich auf das „Light Industrial“-Segment.