Mann aus Kornwestheim verurteilt Im Klinikum lautstark randaliert

Von Werner Waldner 

Nach der Fahrt im Rettungswagen tickte ein 61-Jähriger aus. Foto: dpa
Nach der Fahrt im Rettungswagen tickte ein 61-Jähriger aus. Foto: dpa

Unter Alkohol entwickelte er Bärenkräfte. Ein eher schmächtiger Mann aus Kornwestheim hat im Ludwigsburger Klinikum randaliert, als Ärzte ihn nach einem Kneipenunfall behandeln wollten. Jetzt erhielt er eine Bewährungsstrafe.

Ludwigsburg - Ganz schmächtig ist er, klein von Statur, und er spricht mit leiser Stimme. Kaum zu glauben, dass dieser 61-jährige Mann am Abend des 16. Februar im Klinikum lautstark randaliert, mit Metallstangen auf Beschäftigte eingeschlagen und mutwillig Feuermelder zerstört hat. Aber just das hat er getan. Das Amtsgericht Ludwigsburg verurteilte den Kornwestheimer nun zu einer Haftstrafe von sechs Monaten, die es zur Bewährung aussetzte.

Zudem muss er als Auflage 3000 Euro an die Kreisverkehrswacht zahlen. Dicke Rechnungen des Klinikums und der Feuerwehr Ludwigsburg – beide im vierstelligen Bereich – gilt es auch noch zu begleichen.

Der 16. Februar 2018 – ein teurer Tag für den 61-Jährigen. Mit Freunden hatte er abends in einer Gaststätte gefeiert und kräftig dem Alkohol zugesprochen. Ob’s an dem Bier- und Weingenuss oder an was auch immer lag: Der Kornwestheimer stürzte und verletzte sich am Kopf. Aus der Platzwunde strömte das Blut, und man alarmierte den Rettungsdienst, der den Kornwestheimer ins Klinikum brachte.

Zweimal büxte der Patient aus

Dort kümmerten sich die Ärzte und Pfleger um den 61-Jährigen. Aber der war überhaupt nicht willig, sich behandeln zu lassen. Zweimal büxte er aus, irrte durchs Krankenhaus, beleidigte auf der Kinderstation das Pflegepersonal. Er demolierte Feuermelder mit der Folge, dass die Feuerwehr mit sieben Fahrzeugen anrückte. Sein Weg führte ihn auch in einen Rohbau. Dort spürte ihn der Wachdienst auf. Der 61-Jährige bewaffnete sich mit einer Eisenstange und versuchte, auf einen 47-jährigen Mitarbeiter einzudreschen. Angst, sagte er vor Gericht, habe er nicht gehabt. Sein Kollege, 53 Jahre alt, fürchtete gleichfalls nicht um Leib und Leben. „Schauen Sie Ihn an und schauen Sie mich an“, meinte der kräftig gebaute Mann zur Richterin. Der 61-Jährige wurde letztlich in einen Beruhigungsraum gesperrt, wo er dann aber einen Arzt mit einer Metallstange attackierte.

Der Angeklagte weiß keine Antwort auf das Warum

Und warum das Ganze? Der Kornwestheimer weiß darauf keine Antwort, weil er keine Erinnerung an das Geschehen aus dem Februar hat. Er wisse noch, dass er bei der Feier in der Gaststätte gewesen sei, mehr aber nicht. Einer Polizeibeamtin hatte er später berichtet, dass er nervös werde und Panikattacken bekomme, wenn er ins Krankenhaus komme. Er habe durchgedreht, er sei ausgetickt – so schildern die Zeugen dem Gericht den Gemütszustand des Angeklagten. Mal sei der 61-Jährige klar bei Verstand gewesen, dann deutlich weggetreten, berichtete ein Arzt.

Der Angeklagte lässt im Gerichtssaal keine Zweifel daran aufkommen, dass er zu dem steht, was er gemacht hat. Er bittet seine Opfer um Entschuldigung und kündigt dem Gericht an, für sämtliche Sachschäden aufzukommen. Was nichts daran ändert: Das Amtsgericht verurteilt den 61-Jährigen wegen gefährlicher Körperverletzung in zwei Fällen und des Missbrauchs von Notrufen zur Bewährungsstrafe von sechs Monaten. Die Richterin attestierte dem Kornwestheimer für den Abend zwar eine verminderte Schuldfähigkeit, von einem minderschweren Fall, wie ihn Verteidiger Lars Kohler ins Gespräch gebracht hatte, wollte sie allerdings nicht ausgehen. Auch wenn niemand ernsthaft verletzt worden sei, so sei die „abstrakte Gefährlichkeit“ schon sehr hoch gewesen.

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