Marc Albrecht (Mitte) hat mit seinen Mitstreitern der Band „13“ im Probenraumzentrum Rooms4Music eine Heimat gefunden. Foto: privat

Für junge Bands, die mit ihren Auftritten noch kein richtiges Geld verdienen, ist es mühsam, in Stuttgart geeignete Probenräume zu finden. Oft sind die Jugendhäuser eine Anlaufstelle, aber sie können nicht alles auffangen.

S-Mitte - Vor allem junge Nachwuchsbands, die nicht über ein großes Budget verfügen, haben in Stuttgart immer wieder das gleiche Problem: Sie finden nur sehr schwer einen Proberaum. Auch Marc Albrecht hat sich mit seiner Band „13“ lange umgesehen, bis er fündig wurde. „Ich habe lange nach Keller- und Lagerräumen geschaut“, erzählt er. Auch in Industriegebieten habe er sich auf die Suche gemacht. Viele Angebote seien schlicht zu teuer gewesen. „Für einen Keller in Ludwigsburg mit 15 Quadratmetern sollte ich 290 Euro kalt bezahlen“, ergänzt er.

Auch im Ausschuss für Kultur und Medien des Stuttgarter Gemeinderates wurde das Thema diskutiert. Das Proberaumzentrum der Musikinitiative Rock (M.I.R.), das Kulturamt der Stadt Stuttgart gefördert wird, reicht für den Bedarf nicht aus. Darüber hinaus bieten zwar auch verschiedene Stuttgarter Jugendhäuser Räume an, doch die Nachfrage übersteigt das Angebot. Vor einigen Jahren haben deshalb die M.I.R., das Popbüro, die Wirtschaftsförderung Region Stuttgart sowie die Stuttgarter Jugendhaus-Gesellschaft gemeinsam mit einer Plakataktion geworben – auch dies ohne großen Erfolg. Gabriel Bulik, hauptamtlicher Mitarbeiter bei der M.I.R., kennt das Problem seit Jahren. Im eigenen Zentrum in Feuerbach vermietet er 19 Proberäume, die sich Bands mitunter auch teilen. Die Wartelisten sind lang. „Überall hört man ,Not, Not’“, sagt der 57-Jährige. Dass dieses Problem bei der Stadt nicht unbekannt ist, weiß er ebenfalls. Vor allem in der jüngeren Vergangenheit habe sich nicht viel bewegt, die gemeinsame Plakataktion von M.I.R. und Popbüro sei größtenteils versandet. Jedoch: „Ganz so massiv wie früher sind die Anfragen nicht mehr.“

Oft sind die Konditionen schlecht

Vor allem an bezahlbaren Unterkünften mangelt es in der Stuttgarter Innenstadt. „Die etablierten Bands verfügen natürlich über das notwendige Geld, um sich auch teurere Unterkünfte leisten zu können“, sagt Bulik. Schwer sei es deshalb für Anfänger und Nachwuchsbands, die mit ihrer Musik nicht viel Geld verdienen. Die Jugendhäuser könnten in diesem Bereich nicht alles auffangen. Laut Bulik sind zwar in der Realität einige Zentren vorhanden, in denen Jugendliche mit ihren Bands proben können, doch oft leider nur auf dem Papier. „Bei einigen sind die Konditionen einfach schlecht“, ergänzt er. So sei die sanitäre Situation vor Ort oft mangelhaft. „Viele verfügen nicht einmal über Toiletten oder fließendes Wasser“, sagt Bulik. Ebenso die Uhrzeiten: Teilweise seien die Zeiten, an denen die Bands in manchen Unterkünften proben dürften, so eingeschränkt, dass sie faktisch kaum die Gelegenheit dazu haben. Gerade Nachwuchsbands richteten ihre Probezeiten nach Schule, Studium und Beruf aus.

All die heimatlosen Bands in der Landeshauptstadt kann die Musikinitiative Rock natürlich nicht auffangen. Eine Alternative dazu ist deshalb das Proberaumzentrum „Rooms4Music“ von Klaus Forster in Weilimdorf. Viele Bands haben dort eine Bleibe gefunden. Um die 100 sind es, die sich auf 88 Räume und insgesamt rund 3500 Quadratmeter verteilen. Forster hat das Zentrum aus der eigenen Not heraus gegründet. Er habe selbst einen Proberaum in Ludwigsburg gehabt. „Die Zustände waren eher so naja“, erzählt er. „Das muss besser gehen“, habe er sich dann gedacht. Lange habe er gesucht und sei dann in Weilimdorf fündig geworden. Kurzerhand hat er gleich mehrere Räume gemietet, sich im Laufe der letzten drei Jahre stetig vergrößert.

Ideale Infrastruktur

In der Branche bezeichnen viele Forsters Zentrum aber als zu teuer. Marc Albrecht hat dort 2010 mit seiner Band einen Raum gefunden. „Ich finde für das, was ich dort kriege, ist die Miete angemessen“, sagt er. Die Infrastruktur sei ideal dort, Forster bemühe sich sehr um die Bands und helfe ihnen auch mit Auftritten und Interviews und kümmere sich sonst auch viel. „Wir haben hier nicht nur ein Raum mit nix“, sagt er. „Es ist Luxus.“ Allerdings müsse eine Band sich darüber im Klaren sein, dass dies etwas kostet und nicht für umsonst gibt, findet Albrecht.

Proberäume in Stuttgart

Allgemein Auf der Homepage der Stadt Stuttgart findet sich eine allgemeine Übersicht unter www.stuttgart.de/item/show/155454. Das Popbüro Stuttgart hat zudem unter der Internetadresse www.popbuero.de eine Liste erstellt, wo es in Stuttgart Proberäume gibt.

Musikinitiative Rock (MIR)
Die MIR organisiert regelmäßig Veranstaltungen und betreibt ein Proberaumzentrum. Weitere Informationen stehen unter www.mir-stuttgart.de.

Rooms4Music
Klaus Forster unterhält das Proberaumzentrum in Weilimdorf. Gleichzeitig ist sein Ziel, Bands und Musiker in Stuttgart zu fördern. Näheres findet sich unter der Adresse www.proberaeume.de.

Jugendhäuser
Die Stuttgarter Jugendhausgesellschaft stellt jungen Bands ein breites Angebot zur Verfügung wie Proberäume, Werkstätten, oder auch Aufnahmestudios. Weitere Informationen stehen im Internet unter www.jugendhaus.net.

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