Schwimmbäder sind ein knappes Gut in Stuttgart. Doch sie sind auch teuer. Foto: dpa

2019, spätestens 2020, möchte die Stadt das neue Sporthallenbad im Neckarpark eröffnen. Es soll das Stadtbad Cannstatt überflüssig machen. Doch jetzt wachsen die Bedenken.

Stuttgart - Die Pläne der Stadtverwaltung für die Bäderlandschaft in den Neckarbezirken stoßen auf Bedenken. Nach der CDU im Cannstatter Bezirksbeirat ist jetzt auch der Vorsitzende des Sportkreises Stuttgart, der CDU-Stadtrat Fred-Jürgen Stradinger, auf Distanz zur angepeilten Schließung des Stadtbades Cannstatt gegangen. Die steht in direktem Zusammenhang mit dem Neubau des großen Sporthallenbads im Neckarpark.

Der Verzicht auf die fällige Sanierung und die Schließung des Stadtbads sind bisher zentrale Bestandteile der Bäderplanung gewesen, für die bis Ende Juli der Finanzbürgermeister Michael Föll (CDU) zuständig war. Er wollte Ausgaben für das Stadtbad sowie für die ebenfalls dringliche Sanierung der Traglufthalle über dem 50-Meter-Schwimmbecken im Inselbad Untertürkheim vermeiden und das Geld lieber in den Bau des Sporthallenbads stecken – und sich von den beiden „Energieschleudern“ trennen. Der Gemeinderat trug diesen Kurs mit.

Endlich soll eine neue 50-Meter-Becken entstehen

An der Mercedesstraße, nicht weit von der Hanns-Martin-Schleyer-Halle, soll Stuttgart endlich ein 50-Meter-Becken unter einem festen Dach für Schwimmsportler und Schulsport und in freien Zeiten auch für andere Schwimmer erhalten. Doch inzwischen gibt es im Bezirksbeirat, in Teilen der Bevölkerung sowie beim Sportkreis Zweifel, ob die Kapazität insgesamt ausreichen wird.

Das Stadtbad werde aus seiner Sicht länger gebraucht als bis zur Eröffnung des Sporthallenbads, sagte der Sportkreisvorsitzende Stradinger dieser Zeitung. Er betrachte den Neubau nicht als Ersatz, sondern als „additives“, also zusätzliches Bad. Stradinger: „Ich sehe das Stadtbad noch lang nicht als geschlossen an. Wir werden noch heilfroh darüber sein.“ Er begründet es mit der Knappheit der Wasserflächen.

Die Schulen hätten Schwierigkeiten, für ihren Schwimmunterricht ausreichend Belegungszeiten zu finden. Außerdem gingen die Bemühungen des neuerdings für den Sport zuständigen Bürgermeisters Martin Schairer (CDU) dahin, der wachsenden Zahl von Nichtschwimmern in Stuttgart entgegenzuwirken und die Schwimmfähigkeit der Stuttgarter stärker zu fördern.

Den Schulen fehlen Belegungszeiten in Bädern

Was da mit einem „Schwimm-Gipfel“ aller Beteiligten Anfang 2017 in die Wege geleitet werden soll, „unterstützen wir vom Sportkreis voll und ganz“, sagte Stradinger. Man müsse die Belegungspläne aller Bäder anschauen, ehe man sich über die Schließung des Cannstatter Bads Gedanken machen könne. Dieses sei durch insgesamt zehn Vereine und die Schulen gut ausgelastet.

Finanzbürgermeister verteidigt die bisherigen Pläne

Michael Föll hält dagegen. Im neuen Bad werde neben dem teilbaren 50-Meter-Becken ja auch ein 25-Meter-Becken gebaut, weil das Stadtbad wegfalle. Das wüssten die Leute offenbar nicht. Nach Fölls Rechnung wird man künftig „das Zweieinhalbfache der jetzigen Beckenfläche im Stadtbad“ haben. Letzteres werde nicht mehr gebraucht. Bäder seien mit Investitions- und Betriebskosten „erheblichster Art“ verbunden. Überkapazitäten müsse man vermeiden. Im Moment erscheine das Angebot auch knapper als es sei, weil man mit Schadensfällen und mit Sanierungsfällen zu tun habe. „Das ist aber befristet“, sagt Föll.

Wann der Neubau fertig wird, ist unklar. Zuletzt war ein Termin noch im Jahr 2019 geplant gewesen. Dann kam das Jahr 2020 ins Gespräch. Man rechnet mit Kosten von 28,8 Millionen Euro – ohne Gelände. Ende 2015 entschieden die Stadträte, keine zusätzlichen 2,3 Millionen Euro auszugeben, um zehn statt acht Bahnen im großen Becken zu bekommen. Diesen Verzicht betrauere man bis heute, sagt Stradinger. Mit acht Bahnen, beteuerte die Verwaltung Ende 2015 aber, würden auch die Anforderungen für nationale Schwimm- und Wasserballwettbewerbe erfüllt – doch internationale Veranstaltungen wird es nicht geben. Die Schwimmsportlobby hatte in letzter Minute zehn Bahnen gewünscht – zu spät.

Weit weniger Zuschüsse als gedacht

Wie überhaupt manches sehr spät in die Gänge gekommen war. Im Frühjahr 2014 stellte sich heraus, dass der Deutsche Schwimmverband (DSV) mehr auf ein Vorhaben in Rostock schielte, das Sporthallenbad kaum mehr im Blick und sich beim Bund auch nicht für Zuschüsse verwendet hatte. Das hatte auch Folgen beim Land. Föll hatte aber längst mit 9,4 Millionen Euro Fördermitteln kalkuliert. Bei einer Krisensitzung im März 2014 herrschte blankes Entsetzen über die schlechte Vorbereitung, die vor allem dem DSV angekreidet wurde. Der Vorsitzende des Landesausschusses für Leistungssport, der das Land vor Förderungen berät, hielt den Beteiligten Verkennung der Realitäten vor. Bei Bund und Land seien maximal je 500 000 Euro zu holen, keinesfalls 4,7 Millionen, sagte Jörg Schwenk.

Am 11. März 2014 versuchten Föll und die damalige Bäderchefin bei einer Krisenrunde den DSV in die Pflicht zu nehmen. Der befürwortete die Förderung dann auch. Bis heute ist aber ungewiss, wie viel Geld es geben wird. Das sei noch nicht ausverhandelt, sagt Föll. Man brauche erst genauere Pläne und Kostenangaben. Außerdem ist bis 2017 in der Schwebe, wie die Neuordnung der deutschen Olympiastützpunkte und die Zukunft des Bundestützpunktes für den Wasserballsport in Stuttgart aussehen werden.

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