Mangas üben auf Kinder und Jugendliche eine ungebrochene Faszination aus. In Ebersbach lernen Acht- bis Dreizehnjährige, wie man Figuren im Stil der japanischen Comics zeichnet und wie man ihnen Leben einhaucht.
Konzentriert hören die Mädchen und Jungs Mark Wamsler zu, der ihnen ein paar Passagen aus seinem Buch „Zari und der Göttertau“ vorliest. Gekommen sind die Acht- bis Dreizehnjährigen zu Sonja Hollandt, die in den Räumen von „Bücher tun Gutes-family“ an diesem Tag den Fokus auf Mangas legt, Comics im japanischen Stil. Fein aufgereiht liegen rund 27 unterschiedliche Leseproben auf dem Tisch, die man wie auch in der Stadtbibliothek bei Karina Rube gratis mitnehmen darf.
Aber noch spannender ist es, wenn man die japanischen Comic-Helden selber malen kann. Auch da kommt der Autor ins Spiel, weil er als Illustrator seine Figuren alle selbst entworfen und gezeichnet hat. „Was haben wir gelernt? Denkt daran, fangt erst einmal mit leichten Strichen an“, empfiehlt Wamsler das Üben geometrischer Grundformen wie die eines Zylinders. „Zum besseren Verständnis, stellt euch einfach eine Cola-Dose vor.“ Und daraus soll ein Gesicht entstehen? Tatsächlich, es funktioniert. Dank einiger fein gezeichneter Hilfslinien klappt das prima – nach und nach kommen Augen, Ohren, Mund und Nase dazu. „Klasse, ihr macht das richtig gut“, lobt der 48-jährige Lehrer, der im Institut Eckwälden seine Schülerinnen und Schüler mit „Beziehungsarbeit fit fürs Leben“ macht. Inspiriert durch die Jugendlichen und Heranwachsenden, denkt er sich Geschichten und Figuren aus.
„Die Jungen und Mädchen sehen das Malen als Ruhepol“, berichtet Wamsler, der ihre Vorstellungskraft herauskitzelt. „So wie der Schreiner an einem Holzblock feilt, arbeitet ihr nun die Feinheiten am Kinn heraus. Frauen bekommen eine Herzform, das Männergesicht zeichnet ihr kantiger“, erklärt er und schiebt augenzwinkernd nach: „Bei Frauen soll der Hals dünner sein, nicht dass der zu klobig wie bei einer Gewichtheberin wird.“
Gibt es eine Fortsetzung?
Er erinnert an den weißen Punkt in den Augen, der diese lebendiger macht und zum Glänzen bringt, er ist für die Kinder und Jugendlichen da und spart nicht mit Lob und Tipps: „Beim Zeichnen müsst ihr geduldig sein, das ist sehr wichtig.“ Das wissen auch drei seiner Schüler, die durch viel Geduld ihr Talent ans Tageslicht brachten, berichtet er. Aus Platzgründen fand der Workshop in zwei Räumen statt. Aaron, Alya, Amelie, Ben, Ilyas, Jülide, Liya, Nana, Rania, Semih, den zwei Fabians sowie den Geschwistern Agatina und Carmelo hat es super gefallen. Letztere können ihre verwandtschaftliche Verbundenheit nicht leugnen, beide haben sich für ein Gesicht mit dunklen Masken entschieden. „Die schwarze Augenbinde ist der Charakter der Anime, die haben ganz hellblaue Augen“, verraten die 13-Jährige und ihr ein Jahr jüngerer Bruder.
Einige machten von Mark Wamslers „Wunschangebot“ Gebrauch und ließen sich vom Illustrator etwas malen. Auch einige Erwachsene schauten vorbei, etwa Steffen D’Angelo und Rudolf Hauk. Beide wissen aus beruflichen Gründen, wie angesagt mittlerweile Mangas sind. „Absolut super, die Kinder finden Geborgenheit und Gemeinschaft in entspannter Atmosphäre. Ich bin zufrieden und erstaunt, wie gut der Manga-Day angenommen wird und wie toll die von den Kindern gemalten Mangas geworden sind“, strahlt Sonja Hollandt vom Verein „Bücher tun Gutes“ und ergänzt: „Bleibt zu überlegen, ob es da eine Fortsetzung gibt.“
Die Geschichte des Mangas beginnt im Kloster
Bedeutung
Im Westen ist „Manga“ vor allem die Bezeichnung für Comics aus Japan. Inzwischen wird der Begriff aber generell für Comics verwendet, die sich am japanischen Stil orientieren. In Japan wiederum werden die meisten Comics Manga genannt.
Anfänge
Die Geschichte des Manga beginnt im 8. Jahrhundert, als buddhistische Mönche auf Bilderrollen Tiere zeichneten, die sich wie Menschen verhalten. Bis zum Ende des 19. Jahrhunderts hatten die Werke allerdings kaum etwas mit dem Manga von heute gemein. Erstmals verwendet wurde der Begriff Manga im Jahr 1814 von dem Holzschnittkünstler Katsushika Hokusai, der erstmals unter der Bezeichnung Manga (japanisch für: bunt gemischte oder kunterbunte Bilder) eine Reihe von Skizzen zeichnete.