Mammutbäume in Stuttgart Das Geheimnis des Samenhändlers ist gelüftet

Von Barbara Czimmer-Gauss 

Samenplättchen und Zapfen überdimensional, aufgestellt in der Wilhelma Foto: Lichtgut/Max Kovalenko
Samenplättchen und Zapfen überdimensional, aufgestellt in der Wilhelma Foto: Lichtgut/Max Kovalenko

König Wilhelm I. ließ 1864 Samen kalifornischer Mammutbäume importieren. Wer den Auftrag ausführte und welche Zeugnisse bis heute auf den Samenhändler von damals hinweisen, ist nun dank der Veröffentlichung unserer Serie „Stuttgarter Entdeckungen“ ans Licht gekommen.

Stuttgart - Die Begeisterung von König Wilhelm I. für die größten und ältesten Mammutbäume war Mitte des 19. Jahrhunderts riesig. Deshalb ließ er Samen bestellen, woraus die königliche Bau- und Garten-Direktion 5000 Setzlinge zog, die im ganzen Land auspflanzt wurden.

Unerklärlich blieb, warum die größte Ansammlung der so genannten „Wilhelma-Saat“ nicht im botanisch-zoologischen Garten und nicht beim Schloss Rosenstein zu finden ist, sondern an der Weinsteige. Mehr als 40 Mammutbäume stehen dort in einem Park, der Wernhaldenpark heißt und aus aufgekauften, zusammengelegten Privatgärten entstanden ist. Der Stuttgarter Architekt Martin Schickler hat eine Erklärung: „Die hat der Bruder meines Urgroßvaters, Christian Schickler, dort gepflanzt.“

Christian Schickler sei Gärtner und Samenhändler gewesen, „ihm hat der König den Auftrag für den Samenkauf gegeben“, erzählt Martin Schickler. Der Christian sei mehrfach in Amerika gewesen und habe deshalb gut englisch gesprochen. Als mehr Samen als gedacht in Stuttgart ankam, habe er auf seinem Gartengrundstück an der Neuen Weinsteige mehrere Mammutbäume gepflanzt. So erklärt sich auch, dass der heutige Wernhaldenpark ehemals Schicklerscher Garten hieß.

Martin Schicklers eigener Urgroßvater und Großvater waren Schlosser. Großvater Eugen, geboren 1900, betrieb die königliche Schlosserei in der Pfarrstraße 15 und übergab das Erbe an Martin Schicklers Vater. Auch der diente dem Land, er baute zahlreiche Gewächshäuser für die Wilhelma.

Mammutbäume faszinieren mehr Leute, als gedacht. Hans Jürgen Gräser schreibt, er habe von zwei Exemplaren an der Gutbrod­straße und an der Zeppelinstraße Samen geholt und versucht, Keimlinge zu ziehen. „Ich experimentierte auf viele Arten, aber erst der Versuch von 2008 war, nach einem Trick, erfolgreich: Ich hatte den Samen vor der Aussaat einige Tage in die Gefriertruhe gelegt. Es war eine riesen Freude, die Mammutbaum-Babys wachsen zu sehen!“ Die Setzlinge zogen mit der Familie Gräser um nach Schöckingen, einer von beiden existiert noch heute im Schöckinger Wald. „Den zweiten hat ein unbekannter Waldbanause ebenerdig abgeschnitten“, so Gräser.

Knut Stalzer aus Sindelfingen berichtet von einem Mammutbaum, der auf einem Privatgrundstück stand und 2011 gefällt wurde. „Mit Glück konnte ich ein Stammstück erwerben“, schreibt er. Der Hobby-Drechsler hat das rötlich bis gelbweiße, weiche Holz vorsichtig bearbeitet, geschliffen und geölt. Entstanden sind wunderschöne Schalen, die Designerstücken in nichts nachstehen. „Leider landen viel zu viele solcher Schätze als Brennholz im Ofen, bedauert Stalzer.

Info zu Mammutbäumen

Naturdenkmale

Geschützt sind die Bäume an folgenden Stuttgarter Standorten: Herdweg 72 (Nord), Steinkopfstraße 8, Sonnenbergstraße 39, Haigst-Staffel, Mörikestraße 1, Bopserwaldstraße 81 (alle im Süden), Gutbrodstraße 101 (West), Mendelssohn-straße 108 (Sillenbuch), Möhringer Landstraße 33 sowie das Ensemble zweier Mammutbäume und einer Rotbuche in der Haeberlinstraße 15 (Vaihingen).

Die Schutzwürdigkeit bei Mammutbäumen begründet sich in der Regel aus ihrer Seltenheit und Eigenart.(czi)

 

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