Bei „Mama geht tanzen“ im Club Wonders sorgte eine Feuerfontäne für Verunsicherung unter den Besucherinnen. (Symbolfotos) Foto:  

Eine Feuerfontäne auf einer Champagner-Flasche verunsichert nach Crans-Montana Partygäste in einem Stuttgarter Club. Die Veranstalterin greift ein – und zieht Konsequenzen.

Seit der Brandkatastrophe im Schweizer Wintersport-Ort Crans-Montana ist die Sensibilität für Feuerinszenierungen deutlich gestiegen – auch in Stuttgart. Das zeigte sich jetzt bei der Partyreihe „Mama geht tanzen“ im Club Wonders an der Friedrichstraße. Dort sorgte eine Champagnerflasche mit Feuerfontäne am vergangenen Freitag für heftige Kritik unter den Besucherinnen.

 

Wie eine Besucherin berichtet, hatte ein Kellner die teure Flasche quer über die Tanzfläche getragen – begleitet von der in dem Club üblichen Feuer-Inszenierung. Zahlreiche Gäste reagierten irritiert. Sie empfanden die Darbietung nach der Katastrophe in einer Schweizer Bar als „befremdlich“ und „unangemessen“, berichtet eine Besucherin unserer Redaktion.

Veranstalterin Luisa Mardaus distanziert sich klar von Feuerfontänen

Feuerfontänen auf Champagnerflaschen waren bis zur Crans-Montana-Tragödie beliebt im Stuttgarter Nachtleben – wie hier im neu eröffneten Havanna-Club. Foto: Uwe Bogen

Auch die Veranstalterin der Reihe, Luisa Mardaus, distanziert sich klar von dem Vorfall. „Dieser Einsatz lief unter der Verantwortung des Wonders“, erklärt sie auf Anfrage. Als sie davon erfahren habe, habe sie den Betreiber umgehend gebeten, bei „Mama geht tanzen“ sofort auf Feuerfontänen zu verzichten.

Zwar sei ihre Forderung zunächst „auf Unverständnis“ gestoßen, letztlich aber akzeptiert und umgesetzt worden.

Feuerfontäne irritiert Gäste – Was der Club Wonders zu der Kritik sagt

Fabian Ulrich, der Geschäftsführer des Club Wonders, sagt, man habe in Abstimmung mit der Veranstalterin sofort reagiert und die Feuerfontänen eingestellt, da sich Gäste „unwohl“ gefühlt hätten.

Die Katastrophe von Crans-Montana habe auch das Team vom Wonders geschockt, woraufhin man das Sicherheitskonzept für die Location an der Friedrichstraße hinterfragt und überprüft habe. „Wir haben sehr hohe Decken, wir werden regelmäßig durch einen öffentlich bestellten Sachverständigen in Sachen Brandverhütung überprüft“, erklärt Ulrich. „Wir haben genügend Feuerlöscher und klare Hinweise auf funktionierende Notausgänge“, ergänzt er. Zudem führe der Club regelmäßig Schulungen mit den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern durch, bei denen das Sicherheitsteam einbezogen werde.

Keine Feuerfontänen mehr bei „Mama geht tanzen“

Auch habe Fabian Ulrich LED-Stäbe als Ersatz zu den Feuerfontänen getestet, doch der Effekt und die Handhabung sei im Vergleich noch nicht ausgereift genug, so seine Einschätzung. Der Gastronomie gehe es generell nicht so gut, das Clubleben sei auch Entertainment und ein Ort der Zelebration und Entfaltung, erklärt er.

Wenn sich der Wirt mit einem Showeffekt für teure Flaschen bedankt, komme dies bei den Gästen oft so gut an, dass weitere Bestellungen folgen. Sollten sich jedoch Besucher unwohl dabei fühlen, werde man darauf reagieren. Bei „Mama geht tanzen“ werde man künftig komplett auf Feuerfontänen verzichten.

Schmerzhafte Assoziationen bei Partygästen

Bei vielen Gästen von „Mama geht tanzen“ weckte die Szene schmerzhafte Assoziationen. „Gerade vor dem Hintergrund der aktuellen Berichterstattung über das tragische Ereignis, bei dem Mütter ihre Kinder verloren haben oder diese schwer verletzt auf Intensivstationen um ihr Leben kämpfen, wirkte diese Form der Zelebrierung deplatziert und unsensibel“, sagt eine Besucherin. Umso problematischer sei dies gewesen, da es sich ausdrücklich um eine Veranstaltung für Mütter handele.

Dabei gehe es nicht um eine grundsätzliche Kritik am Feiern, betont sie. Vielmehr stünden Sensibilität, Verantwortung und die Frage im Raum, ob das vielfach geforderte Umdenken in der Gastronomie auch im Alltag tatsächlich gelebt werde.

Feuerfontänen in Stuttgarter Clubs: Beinaheunfälle in der Vergangenheit

Fest steht laut der Veranstalterin Luisa Mardaus: Bei „Mama geht tanzen“ wird es künftig keine Feuerinszenierungen mehr geben. Zumal es inzwischen sichere Alternativen gibt.

Der Stuttgarter Erkan Atas, früher selbst als DJ unterwegs, gilt hier als Vorreiter. Mit seiner Firma bietet er bundesweit LED-Lichtinszenierungen ganz ohne Feuer an. Zwar seien LED-Blitzstäbe teurer als herkömmliche Feuerfontänen, die teils nur wenige Cent kosten, dafür jedoch wiederverwendbar, nachhaltiger – und vor allem sicher.

Bereits in der Vergangenheit berichteten Gäste von Beinahe-Unfällen mit Feuerfontänen in Stuttgarter Clubs. Mit den Fontänen seien versehentlich unter anderem Kleider, Haare und Tischdecken angezündet worden.