Vorsichtige Annäherung: Hündin Lilli lässt sich von Sigrid und Dieter Petschky streicheln, Frauchen Rahel Knupfer (links) assistiert. Fotos: Elke Hauptmann Foto:  

Die Besuchshunde des Malteser Hilfsdienstes schenken Senioren ein Stück Lebensfreude. Für das Ehrenamt werden noch Freiwillige gesucht – auf zwei Beinen und vier Pfoten.

Hedelfingen - L illi schaut keck aus dunklen Knopfaugen. Neugierig verfolgt sie jede Bewegung des älteren Herren, der ihr zaghaft eine Hand entgegenstreckt. Sanft stupst sie mit der Schnauze dagegen, so als wolle sie den Senior ermutigen: Los, streichle mich! Behutsam fährt der Mann mit der Hand über das weiche Fell. Wieder und wieder. „Braver Hund“, murmelt er dabei leise vor sich hin. Ein Lächeln huscht über sein Gesicht.

Rahel Knupfer steht neben den beiden und beobachtet gerührt die Szene, die sich im Gemeindesaal von St. Markus in Hedelfingen zwischen Kaffee und Kuchen abspielt. „Das sind Momente, die mir unbeschreiblich viel geben.“ Seit zweieinhalb Jahren engagiert sich die Cannstatterin ehrenamtlich beim Malteser Hilfsdienst. Zusammen mit Lilli, einem zehn Jahre alten Harzer Fuchs, bildet sie ein Besuchshundeteam – eins von insgesamt sieben in Stuttgart, die in Einrichtungen für Senioren und Menschen mit Behinderung, in Schulen und Kindergärten, aber auch in Privathaushalte gehen. Die Aufgabe des vierbeinigen Helfers dabei ist: Kuscheln.

„Hunde berühren Herz und Seele und bringen Freude ins Leben älterer, kranker und einsamer Menschen“, sagt Debora Brasse, die bei den Maltesern für die ehrenamtlichen sozialen Dienste verantwortlich ist. Die Tiere würden oft mit Leichtigkeit schaffen, was Menschen nicht vermögen. Das sieht man: Während Lilli gekrault wird, kommt Knupfer mit den Gästen ins Gespräch. Natürlich über Hunde, aber auch über das Leben. Die Bankangestellte ist immer wieder aufs Neue erstaunt, was die Begegnung mit Lilli bei den Senioren auslöst: „Selbst Demenzkranke, die kaum mehr sprechen und eher lethargisch sind, öffnen sich und wollen Lilli streicheln“, weiß Knupfer aus eigenem Erleben. Regelmäßig ist sie mit ihrer Hündin im Hospiz St. Martin zu Besuch.

Vor sechs Jahren aus dem Tierheim geholt

Dabei habe es anfänglich gar nicht danach ausgesehen, dass Lilli für dieses Ehrenamt geeignet ist, erinnert sich Hundetrainer Dieter Hamm. Knupfer hatte die Hündin vor sechs Jahren aus dem Tierheim geholt. „Sie war ein Wildfang, hat sich überhaupt nicht mit anderen Hunden vertragen und war auch nicht gerade familientauglich“, erzählt sie. Beide hätten aber hart gearbeitet – heute zeigt sich Lilli bei ihren Besuchen gutmütig wie ein Lämmchen und folgt aufs Wort.

Gestreichelt zu werden, gefällt ihr ganz offensichtlich: Alle vier Pfoten von sich gestreckt, liegt sie dem älteren Herren nun zu Füßen. „Ohne entsprechende Vorbereitung geht es aber nicht“, betont Hamm, der die Ausbildung von Besuchshunden bei den Maltesern 2007 ins Leben gerufen hat. Er gibt den Helfern auf zwei und vier Pfoten in gut 30 Trainingsstunden über mehrere Monate hinweg den nötigen Feinschliff. Dabei werden zum Beispiel der Grundgehorsam oder die Geräuschunempfindlichkeit des Tieres trainiert. Grun dsätzlich könne sich jeder Hundehalter – außer er be sitzt einen sogenannten Kampfhund – für diesen Freiwilligendienst melden. Aber nicht jeder Hund tauge auch als Kuscheltier, räumt Hamm ein. Weshalb ein Eignungstest Pflicht sei. Der Hund dürfe weder aggressiv noch ängstlich agieren und sollte mindestens 15 Monate und höchstens acht Jahre alt sein. Die Rasse sei völlig egal. „Vom Chihuahua, über Windhund bis zum Neufundländer hatten wir alles schon dabei.“ Etwa vier Kurse pro Jahr bietet Hamm in der Region an, die Teilnehmerzahl ist jeweils auf maximal 15 begrenzt. „Die Nachfrage ist groß.“

Dringend Verstärkung gesucht

Darüber freut sich Brasse sehr, denn die in Wangen ansässigen Maltester brauchen dringend Verstärkung von Menschen, die bereit sind, sich mit ihrem Vierbeiner ehrenamtlich zu engagieren. „Wir haben so viele Anfragen von Einrichtungen, dass wir gar nicht alle Wünsche erfüllen können.“ Toll wäre es, wenn die Besuchshunde einmal die Woche in eine feste Einrichtung kommen, sodass die Bewohner eine Beziehung zum Tier aufbauen können, sagt sie. Die Mensch-Hund-Teams werden deshalb auch möglichst wohnortnah eingesetzt.

Vielleicht kommen Rahel Knupfer und Lilli bald mal wieder nach Hedelfingen. Den Gemeindemitgliedern gefällt der von Pfarrer Andreas Gälle organisierte Nachmittag mit Tiersegnung. Mit Begeisterung schauen die Senioren Lilli dabei zu, wie sie auch noch einige Kunststücke präsentiert.

Hat Ihnen der Artikel gefallen? Jetzt teilen: