Bettina Ramminger vor dem Hospiz, wo sie ihr erfüllendes Ehrenamt gefunden hat. Foto: Sabine Ackermann​

Ambulante Kinderhospizarbeit ist nicht das leichteste Ehrenamt. Für Bettina Ramminger aus Reichenbach im Täle ist es eine erfüllende Aufgabe.​

Bei der ambulanten Hospizarbeit für Kinder und Jugendliche geht es in erster Linie um Lebensbegleitung – bei Bettina Ramminger, man nennt sie überall Tina, geht es nur um ein bisschen Zeit. Und die schenkt sie seit fünf Jahren einem ihr anfangs fremden Jugendlichen. Maik, ein Jugendlicher mit begrenzter Lebenserwartung, lernte sie mit 13 Jahren kennen. Zueinander gefunden haben sie aufgrund einer Zeitungsannonce im Jahr 2018. „Ehrenamtliche für den Kinder- und Jugendhospizdienst der Malteser gesucht. Wir benötigen Menschen, die Kindern und Jugendlichen mit lebensverkürzender Erkrankung oder deren Eltern schwerst erkrankt sind, Zeit, Entlastung und zuverlässige Unterstützung schenken.“​

 

Maik kann nicht laufen, nicht sprechen, nicht greifen

Gelesen, überlegt, angerufen. Doch es kamen auch Zweifel auf. „Ich würde es gerne machen – kann ich es auch?“, verrät Tina Ramminger, die anfangs nur ihren Mann Ingolf eingeweiht hat. Einige Wochen später fand das erste Treffen mit der Koordinatorin Karen Straubmüller und weiteren Interessierten statt. Mittlerweile ist Maik 18 Jahre alt, sitzt im Rollstuhl, kann nicht laufen, nicht sprechen, nicht greifen. „Aufgrund seiner Zerebralparese hat er viele Baustellen, doch im Kopf ist er fit“, berichtet die 54-Jährige aus Reichenbach im Täle, die seit 2021 einmal die Woche für eine Stunde zu ihm nach Hause kommt, regelmäßig und immer am Donnerstagnachmittag.​

Natürlich wird man bei so einer Herausforderung nicht ins kalte Wasser geschmissen. In einer qualifizierten Schulung, die von März bis September angesetzt ist, werden die Ehrenamtlichen sorgfältig vorbereitet. Der Kurs umfasst circa 100 Unterrichtseinheiten, die überwiegend an Wochenenden und gelegentlich an Abenden im externen Gruppenraum im stationären Hospiz stattfinden. „Wir bieten unseren Teilnehmern eine umfangreiche fachliche Begleitung, regelmäßigen Austausch und ein wertschätzendes Team“, sagt Karen Straubmüller und ergänzt: „Auch danach gibt es monatliche Gruppentreffen, da geht es um Fortbildung und Supervision.“​

Und für Tina Ramminger ist das Bedürfnis der Selbstreflexion immer präsent, sich untereinander auszutauschen, um nicht zuletzt das eigene Denken, Fühlen und Handeln zu hinterfragen, sei ihr sehr wichtig. Wichtig ist ihr auch, wenn sich Maik gut hörbar – der ganze Rollstuhl wackelt – riesig über ihr Kommen freut. Als pharmazeutisch-technische Assistentin arbeitet sie vormittags in einer Apotheke, in der Zeit besucht ihr Schützling die Bodelschwinghschule Göppingen. „Was machen wir? Wollen wir malen oder Uno und Skipbo spielen?“, fragt sie ihn und weiß genau, was er überhaupt nicht mag. „Vorlesen gefällt ihm nicht, da schüttelt er gleich den Kopf“, erzählt sie und ergänzt: „Manchmal ist auch sein jüngerer Bruder Jim oder seine Mama dabei.“​

Für Tina Ramminger sind die Begegnungen mit Maik ein fester Bestandteil ihres Lebens geworden, sie betont voller Überzeugung: „Ich gehe danach immer glücklich und zufrieden nach Hause – weil es einfach so schön war.“ Darüber hinaus bringt sie sich seit etwa zwei Jahren einmal im Monat in der Kinder- und Jugendtrauergruppe ein. Sich einst auf die Anzeige zu melden, hat sie nie bereut. „Ich hatte keinen persönlichen Schicksalsschlag. Habe zwei gesunde Söhne, die mit Mitte zwanzig aus dem Gröbsten raus sind, und mache meinen Job in der Apotheke sehr gerne“, betont die sympathische Frohnatur, die ihre Wurzeln in Köln hat. Und schiebt nach: „Ich wollte einfach etwas Sinnvolles im Ehrenamt machen.“​