Kostbare Objekte: Denis Scheck bekommt vor der Aufzeichnung von „Kunscht“ im Kunstmuseum den letzten Schliff. Foto: Lichtgut/Leif Piechowski

Woche für Woche ist der SWR im Kunstmuseum Stuttgart zu Gast. Für das Museum eine besondere Situation, weil die Moderationen von Denis Scheck zwischen den Kunstwerken gedreht werden.

Stuttgart - Natürlich sind die Besucher ein bisschen neugierig. Schließlich werden nicht jeden Tag mitten im Museum Nasen gepudert oder rollen Kameras durch die Ausstellungsräume. Wenn dann auch noch Denis Scheck erscheint, selbstverständlich wie aus dem Ei gepellt im perfekt sitzenden Anzug, mit eleganter Krawatte und Einstecktuch, dann wird auch getuschelt, dass das doch der eine ist, wie heißt er noch, der, der im Fernsehen über Literatur spricht.

Diesmal aber ist Scheck in Sachen Kunst unterwegs, oder besser gesagt in Sachen „Kunscht“. Seit Herbst vergangenen Jahres moderiert er im SWR die Kultursendung „Kunscht!“ und reist nun nicht nur einmal pro Woche zur Aufzeichnung nach Stuttgart, sondern ist nun auch jeden Mittwoch im Kunstmuseum zu Gast. Hier werden seine Moderationen gedreht, mal vor abstrakter, mal vor Konkreter Kunst, zwischen den Schimmelobjekten von Dieter Roth oder vor den Gemälden von Otto Dix oder Willi Baumeister.

Denis Scheck hat der Redaktion das Kunstmuseum als Kulisse vorgeschlagen. „Die Staatsgalerie ist der Ort meiner Kindheit“, erzählt er, das Kunstmuseum sei für ihn dagegen „ein Ort der Gegenwart.“ Das kam der Museumsdirektorin gerade recht. „Ich fand die Idee sehr schön, weil man im Hintergrund erscheint“, sagt die Direktorin Ulrike Groos. Es gebe ohnehin immer weniger Fernsehbeiträge, in denen die Kunst eine Rolle spiele. „Solche Formate sind da ganz wichtig.“

Skulpturen als Bühnenbild

Deshalb rückt nun Woche für Woche ein meist ein achtköpfiges Team im Kunstmuseum an. Die Maskenbildnerin macht den Moderator Denis Scheck mal eben im Café zurecht, die Texte für den Teleprompter werden überprüft. „Die Idee ist folgende“, erklärt Regisseur Frank Rother, „Sie stehen hier und gehen zwei Schritte vor“. „Das nennt er Idee“, sagt Denis Scheck wohlgelaunt – und nach drei Anläufen ist die Anmoderation auch schon im Kasten.

Damit nicht eine Schulklasse mitten in die Dreharbeiten platzt, erhält das Kunstmuseum vorab die Disposition, die mit dem Plan der Kunstvermittlung abgeglichen werden muss. An sich soll der Museumsbetrieb aber nicht tangiert werden.

„Das Team ist sehr behutsam“, sagt Isabel Kucher, die für die Öffentlichkeitsarbeit zuständig ist. Das muss es aber auch sein, schließlich ist ein Museum nicht irgendeine Kulisse, sondern hängen an den Wänden sensible Werte. Deshalb ist die Restauratorin Birgit Kurz auch dabei, als der Filmtross nach den ersten Einstellungen im Café nun in die Sammlung weiterzieht und Denis Scheck diesmal zwischen den Skulpturen von Tobias Rehberger stehen soll, „weil sie wie eine Art Bühnenbild sind“, wie der Regisseur sagt. Das ist nicht ganz ungefährlich. Die Skulpturen sehen aus, als seien sie massiv und aus Bronze, „aber man muss wissen“, mahnt Birgit Kurz, „dass sie federleicht sind und sehr kunstvoll.“ Wenn Denis Scheck an den auf mehreren Sockeln verteilten Kleinplastiken vorbeischlendert, sollte er nicht allzu ausladend gestikulieren.

Sorgen der Restauratorin

Trotzdem ist Birgit Kurz entspannt. Die Zeiten sind vorbei, als den Restauratoren das Herz stehen blieb, wenn im Museum gefilmt wurde. Inzwischen sind Kamera und Beleuchtung handlicher geworden. Sie kommen ohne Stromversorgung aus und es müssen auch keine dicken Kabel mehr quer durch die Säle gezogen werden. Außerdem werden heute zur Beleuchtung LED eingesetzt, die weniger Wärme abstrahlen.

Birgit Kurz kann sich aber noch an Zeiten erinnern, als sie als Restauratorin gewaltig ins Schwitzen kann, weil sich durch die Scheinwerfer die Ausstellungsräume in kürzester Zeit erhitzten. „Wärme schadet der Kunst“, erklärt Kurz. Dunkle Flächen auf Gemälden erwärmen sich stärker als helle, sodass es auf den Leinwänden zu Spannungen kommt – und Risse und Brüche entstehen können.

„Die Wärme ist heute kein Problem mehr“, sagt Birgit Kurz, „die Lichtstärke schon.“ Nicht nur Zeichnungen bleichen bei Lichteinwirkung aus, auch Gemälden kann zu viel Helligkeit zusetzen, weil lichtempfindliche Lacke ebenfalls verbleichen können. „Das Schädigungspotenzial misst sich an Dauer und Stärke“, so Kurz. Und da Farben unterschiedlich verblassen, kann eine grüne Fläche im Original blau gewesen sein, das Gelb aber verblasst sein.

In Gedanken bei der Literatur

Als das Drehteam nun weiterzieht zu den Arbeiten von Peter Holl, ist deshalb Vorsicht geboten. Die Aquarelle stammen von 2015 – und frische Farben verblassen besonders stark. „Wenn etwas schon ausgeblichen ist, tut sich nicht mehr viel“, sagt Kurz.

Für dieses Mal sind die Moderationen für „Kunscht“ auch fast schon wieder abgedreht. Während das Team die letzte Einstellung bespricht, ist Denis Scheck in Gedanken schon wieder andernorts. Er ist eben doch in erster Linie ein Mann der Literatur. Er nutze die Zeit zwischen seinen Einsätzen meist arbeitend, erzählt er, und hackt schon wieder konzentriert in seinen Laptop – während dieses Drehtags im Stuttgarter Kunstmuseum ist ein Aufsatz dran über Jane Austen.

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