Mit „Völlig losgelöst“ als EM-Hit kehrt ein Stück deutscher Musikgeschichte mit voller Wucht zurück. Im Interview sagt Peter Schilling, was der Hype mit ihm macht, wie der Song unweit des Neckarstadions entstand, warum er in Berlin und nicht in Stuttgart singt.
Die deutsche Fußballnation schießt „Major Tom“, den weltweiten Hit von 1982, sensationell in eine neue Umlaufbahn. Bei der Europameisterschaft ist der Song von Peter Schilling allgegenwärtig. Wir haben vor dem Viertelfinale zwischen Deutschland und Spanien mit dem Stuttgarter gesprochen.
Herr Schilling, die Fußballfans sind „völlig losgelöst“ und haben mit Ihrem Mega-Hit den perfekten EM-Song gefunden. Ganz in der Nähe des Stadions haben Sie „Major Tom“ geschrieben.
Ja genau, etwa 800 Meter Luftlinie entfernt vom damaligen Neckarstadion habe ich in der Hornbergstraße in Gaisburg gewohnt. Als die Stones 1976 im Stadion spielten, hab’ ich aus dem Fenster geschaut und zugehört. „Major Tom“ ist 1982 in dieser kleinen Wohnung entstanden. Fragmente sind schon älter, aber in drei Tagen war dann alles fertig.
42 Jahre später sind Sie dank „Völlig losgelöst“ bei TikTok der „Hotest Artist of the Week“ mit den zweithöchsten Klickzahlen. Was macht das mit einem 68-Jährigen?
Ich bin schlicht überwältigt und fasse es noch immer nicht. Bin gerade im Auge des Orkans, erlebe, wie Achtjährige auf der Straße ausflippen, wenn sie mich sehen, und gleichzeitig schreibt mir ein 88-Jähriger, er sei mein größter Fan. 300 000 haben inzwischen die Petition für „Major Tom“ als Torhymne unterschrieben. Für immer werde ich dem Maxi Mittelstädt vom VfB eng verbunden sein, weil bei seinem Traumtor zum ersten Mal das ganze Stadion „Völlig losgelöst“ gesungen hat. So ist das, wenn zwei Stuttgarter was zusammentun.
Wie haben Sie reagiert, als Sie den Stadionchor beim Spiel im Fernsehen erlebten?
Das war Gänsehaut pur, ich bin nah am Wasser gebaut.
Nun hetzen Sie von Termin zu Termin?
Hetzen ist nicht das passende Wort, ich genieße das alles sehr, ich federe völlig losgelöst von Termin zu Termin.
Für Freitag hat der DFB Sie zum Deutschland-Spiel in Ihre Heimatstadt eingeladen. Kommen Sie?
Leider nein, das bedauere ich wirklich sehr. Leider musste ich absagen. Sehr gern wär ich gekommen, daheim in Stuttgart, das wäre sehr emotional für mich geworden. Ich spiele am Freitag aber vor dem Spiel mit meiner Band am Brandenburger Tor, auch das ist für mich sehr emotional. Am Abend davor hat mich Ministerpräsident Winfried Kretschmann als Sänger bei der Stallwächterparty in Berlin engagiert.
Sie spielen auf der Fanzone in Berlin. Haben Sie auch eine Einladung für die Fanzone in Stuttgart erhalten?
Leider nein, Stuttgart hat mich nicht eingeladen. Aber glauben Sie mir, Stuttgart liegt mir immer noch sehr am Herzen. Und ich war ja bereits mit meiner Band zum Jahreswechsel auf dem Schlossplatz.
Wird es eine musikalische Fortsetzung von „Major Tom“ geben?
Eigentlich hätte ich längst neue Songs aufnehmen wollen, aber dazu komme ich gerade nicht. All das, was gerade passiert, bewegt mich sehr und gibt Impulse zu neuer Kreativität. Ich schreibe jetzt keinen Song, der wie „Major Tom“ klingt, sondern was anderes. Man entwickelt sich weiter im Leben, baut auf die Vergangenheit auf.
Wie ist Ihr Tipp für das Spiel Deutschland gegen Spanien?
4:3 für uns. Das wird ein Ritt, sehr schwer für uns. Aber die Spanier treten auch nur gegen einen Ball, und ich glaube fest an das Team der deutschen Fußballnationalmannschaft. Die Fans werden die DFB-Elf tragen. Deshalb wird sie meiner Meinung nach gewinnen.