Dietmar Kübler ist stolz auf seine 100-jährige Familientradition. Foto: /Meinke

Wenn an diesem Freitag der Nürtinger Maientag beginnt, fällt den Schaustellern ein Stein vom Herzen. Sie mussten um den Vergnügungspark bangen und hatten reichlich Mehrarbeit zu stemmen.

Dramatische Stunden haben die Schausteller des Nürtinger Maientags in den vergangenen Tagen erlebt. Als am Sonntagabend der Pegel des Neckars immer weiter stieg und der Festplatz in Nürtingen-Oberensingen überflutet zu werden drohte, mussten die zehn Schaustellerfamilien die Reißleine ziehen und ihre Fahrgeschäfte samt den Fuhrpark in Sicherheit bringen.

 

Bereits mit dem Aufbau begonnen

„Es hätte uns die Existenz kosten können“, ist der Schausteller Dietmar Kübler überzeugt, der zusammen mit seiner Familie seit 2019 für den Nürtinger Maientag die Organisation seitens der Beschicker übernommen hat. „Wir hatten schon mit dem Aufbau begonnen und den Neckar die ganze Zeit beobachtet mit einem eigenen provisorischen Pegel“, beschreibt der Unternehmer die bedrohliche Hochwasserlage am Wochenende. Der Betreiber von Küblers Hüttenzauber hat den mit 50 Betrieben aus Deutschland und den Niederlanden größten Vergnügungspark in der Geschichte des Nürtinger Maientags auf die Beine gestellt, der an diesem Freitag um 16 Uhr mit verbilligten Runden auf den Fahrgeschäften beginnt.

Innerhalb kürzester Zeit musste schließlich der Festplatz geräumt werden, dazu hatte die Nürtinger Verwaltung die Schausteller aufgefordert. Eine echte Kraftanstrengung sei das gewesen, erklärt der Karlsruher Santino Thelen, der mit seiner Berg- und Talbahn „Olympia Express“ eines der größten Fahrgeschäfte vom Platz bringen musste.

„Wenn der Maientag hätte abgesagt werden müssen, wäre das für mich ein großer Verlust gewesen. Kleine Betriebe wie ich gehen dann vor die Hunde“, ergänzte Andreas Högerle, der mit seiner Wurfbude ebenfalls aus Karlsruhe stammt. Allein für die Spritkosten vom vorigen Standort in Franken bis nach Nürtingen habe er 1000 Euro gebraucht, da sein Zugfahrzeug satte 50 Liter auf 100 Kilometer schlucke.

Großes Lob für den städtischen Bauhof

„Wir haben eigentlich zweimal aufgebaut“ sind sich die Schaustellerunternehmer einig, die noch im selben Atemzug den abendlichen Einsatz der zehn betroffenen Familien und der städtischen Mitarbeiter loben: „So einen Bauhof gibt es keinen mehr“, sagt Dietmar Kübler, der auf eine 100-jährige Familientradition schauen kann und sich mit Frau Simone freut, dass der 16-jährige Sohn David am Freitag beim Festauftakt die Begrüßungsrede halten wird.

Die Nacht auf der Bundesstraße 313 werden sie wohl alle nicht mehr vergessen. Die Straße wurde in beiden Fahrtrichtungen gesperrt, um die Fahrgeschäfte auf festen Grund zu bringen. Für die Starkstromleitung mussten 200 Meter Kabel verlegt werden. Allein ihr Wohnwagen wiege fast 20 Tonnen, erklärt Kübler. Und da der Stellplatz bereits durchweicht war, habe es schweres Gerät für die Evakuierung gebraucht. Zum Glück ging alles gut, obwohl keine Zeit mehr blieb, die ausgefahrenen Seitenwände des Wagens einzufahren, weshalb nur Schrittgeschwindigkeit möglich gewesen sei.

Den unermüdlichen Einsatz von Bauhof und Schaustellern lobt auch Gabriele Frisch, die beim Nürtinger Stadtmarketing für den Maientag zuständig ist. „Wir haben Glück gehabt, dass kein Schaden entstanden ist“, erklärt die Projektleiterin, die sich an den Maientag vor elf Jahren erinnert. Beim damaligen Hochwasser schwammen eine Woche vor dem Fassanstich noch Fische auf dem Festplatz herum. Dietmar und Simone Kübler hoffen auf vier harmonische Festtage mit ihren Gästen, für die sie 1500 Plätze in Biergarten, Festzelt und dem neuen Party-Stadl vorbereitet haben. Auch ein Riesenrad, ein 80 Meter hoher Kettenflieger und vieles mehr warten auf die Besucher.