Szenen wie diese aus der Vergangenheit sind derzeit rund ums Clara-Zetkin-Haus nicht denkbar. Aber ein bisschen etwas findet zumindest statt. Foto: /Ulrich Stolte

Anders als 2020 gibt es eine Veranstaltung zum Tag der Arbeit im Clara-Zetkin-Haus in Stuttgart-Sillenbuch, allerdings nur im abgespeckten Rahmen. Auch der Gewerkschaftsbund rechnet bei seiner Kundgebung in Stuttgart mit weniger Teilnehmern.

Sillenbuch/Stuttgart - Was waren das für Zeiten, als es am 1. Mai im und um das Sillenbucher Clara-Zetkin-Haus nur so brummte vor Publikum. Ein Fest und ein Treffen all jener, die mit vielem nicht einverstanden sind, was die Koalitionsregierungen der Bundesländer, des Bundes oder internationaler Vereinigungen so beschließen. Und ein Fest und Treffen all jener, die mit diesen Kritikern nicht gerade konform sind, die hier aber doch mal die Gelegenheit wahrgenommen haben, deren Argumente kennenzulernen und den Austausch zu pflegen. Da sind auch durchaus Redner aufgetreten, die nicht unbedingt den Konsens gesucht haben, aber da ist eben die Namensgeberin dieses Hauses eine Verpflichtung.

Erlaubt sind die Treffen nur im Freien

Die 1.-Mai-Veranstaltung in diesem Jahr bleibt allerdings vieles schuldig: Nur im Freien darf die Veranstaltung stattfinden. Und dort müssen sich die Leute entsprechend der Hygieneregeln gut verteilen. Das Gelände ist freilich sehr weitläufig, da können ruhig mehr als 100 Teilnehmer kommen. Eine Anmeldung ist nicht erforderlich, wie bei Kundgebungen eben üblich. Die Veranstaltung selbst ist begrenzt auf die Zeit von 13 bis 18 Uhr, es werden auch keine Redner von außerhalb verpflichtet.

Doch der Vereinsvorsitzende Günther Klein wird sicherlich Worte finden für die aktuelle schwierige gesellschaftliche und politische Situation. Er wolle sowohl jene ansprechen, die aus oppositionellen Positionen heraus agieren als auch jene, die sich generell Sorgen machen um den aktuellen Zustand dieser Gesellschaft, sag er. „Auch in diesem schwierigen Pandemiezeiten muss man drängende gesellschaftliche Fragen thematisieren können. Es geht da aber auch um Themen wie die Tarifverhandlungen in diesem Jahr.“ Musik gibt es an diesem Nachmittag von Valentina und ihrer Gruppe Peaceful Peas, den regelmäßigen Waldheim-Besuchern ein guter Begriff.

Die Veranstaltung wurde zwar geschrumpft, doch ist es mehr als im vergangenen Jahr, als überhaupt keine Veranstaltung zum 1. Mai möglich war. Was noch zu erwähnen wäre: Für Speis und Trank ist gesorgt, auf Tische und Stühle muss allerdings verzichtet werden, das erlauben die Pandemieregeln nicht.

Gewerkschaftsbund im Stadtgarten

In einer Zwickmühle befindet sich zudem der Deutsche Gewerkschaftsbund DGB: Auch für ihn ist der 1. Mai, der Tag der Arbeit, ein wichtiges Datum, um in einem internationalen Kontext auf die Nöte der arbeitenden Bevölkerung aufmerksam zu machen, meist öffentlichkeitswirksam mit großen Demonstrationszügen in den Städten. Aber wie soll das jetzt funktionieren in diesen Zeiten?

In Stuttgart gibt es auf jeden Fall eine Kundgebung mit einem Demozug. Dieser DGB-Demozug startet um 10 Uhr im Stadtgarten, wo er auch enden wird. Die Kundgebung ist für 11.30 Uhr terminiert am selben Ort. Als Hauptrednerin ist Sylvia Bühler eingeladen. Die gebürtige Mannheimerin ist im Verdi-Bundesvorstand unter anderem für Bildung und Gesundheit zuständig. Hinzu kommen noch diverse Grußworte. „Einerseits wollen wir natürlich, dass möglichst viele Leute kommen. Gleichzeitig empfehlen wir aber allen, die aktuell Probleme damit haben, an so einer Veranstaltung teilzunehmen: Bleibt besser zu Hause, vor allem, wenn man zu einer Risikogruppe gehört“, sagt der DGB-Regionalsekretär Peter Schadt. „Das ist ein Spagat, mit dem wir nun leben müssen.“ Beim Amt für öffentliche Ordnung sind jedenfalls 2000 Teilnehmer angemeldet. „Das wird nach unserer Einschätzung die maximale Teilnehmerzahl sein“, so Schadt. Das wäre dann ein Drittel weniger als früher. Die Wetterprognose ist übrigens auch nicht gerade günstig für dieses Wochenende.

Übertragungen im Internet

Wer sich entschließt, lieber zu Hause zu bleiben, der muss nicht ohne Botschaften zum Tag der Arbeit auskommen. Im Netz gibt es Angebote, auch Live-Übertragungen. Inzwischen ist das Angebot derart groß, dass der DGB eine Konzentration auf wenige Veranstaltungen beschlossen hat. Peter Schadt verweist auf die Live-Übertragung der diesjährigen Hauptkundgebung in Reutlingen mit dem DGB-Landesvorsitzenden Martin Kunzmann, Beginn ist um 11 Uhr.

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