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Das Management hat per Videobotschaft für die gemeinsame Zukunft mit Mahle geworben.

Stuttgart - Die Pläne sind seit Monaten bekannt. Dennoch legt der Kühlerspezialist Behr Wert darauf, seine 16.000 Beschäftigten umfassend über den Einstieg des benachbarten Kolbenherstellers Mahle zu informieren. Am Montag haben die Führungskräfte ihre Abteilungen unterrichtet, gestern stellte Behr zudem eine Videoansprache ins Intranet - für die Kollegen in Japan sogar mit japanischen Untertiteln.

Darin kommt neben dem Behr-Management auch Mahle-Chef Heinz Junker zu Wort, die Chefs in Bild und Ton zu erleben sei "einfach noch mal was anderes für die Leute", sagt eine Behr-Sprecherin. Sie ist mit der Resonanz zufrieden: "Insgesamt gehen unsere Mitarbeiter mit einem positiven Gefühl in die Ferien."

Über Sparprogramm bei Behr gehen Meinungen auseinander

Andere Erfahrungen macht seit Wochen der Behr-Betriebsvorsitzende Thomas Wörner. Die Stimmung in der Belegschaft sei gedrückt, sagt er, weniger wegen der Übernahme durch Mahle, sondern wegen eines generellen Gefühls, ungerecht behandelt zu werden. Trotz monatelangem Widerstands der Arbeitnehmer gab Behr Mitte Juli bekannt, seine Ölkühler-Produktion in Stuttgart Ende September zu schließen. Nur wenige Tage später verkündete Behr-Chef Markus Flik die Halbjahresergebnisse - und brachte damit einige zum Staunen.

Denn "nach dem schlechtesten Jahr der Firmengeschichte" mit 235 Millionen Euro Verlust kündigte Flik schon für dieses Jahr wieder Gewinne an. Bereits von Januar bis Juni wirtschaftete der Kühlerhersteller profitabel, bei einem um 45 Prozent höheren Umsatz als im Vorjahreszeitraum. Das ist zwar erfreulich - für die 220 von der Schließung betroffenen Stuttgarter Kollegen sei die plötzliche Euphorie aber wie "ein Schlag ins Gesicht" gewesen, sagt Wörner. "Den Widerspruch zwischen Wachstum und Restrukturierungsmaßnahmen können viele nicht fassen."

Nicht nur in der Produktion: 4500 Behr-Beschäftigte in Deutschland bekommen in den nächsten vier Jahren schlechtestenfalls nur ein halbes Weihnachtsgeld. Auch über diesen Teil des Sparprogramms gingen die Meinungen angesichts besserer Geschäfte auseinander, sagt Wörner. Dass das Unternehmen nach wie vor nicht gesund sei, wisse man natürlich.

Der Einstieg von Mahle löst keinen Jubel aus

Dennoch hätte sich der Betriebsrat gewünscht, die Firmenleitung hätte dessen Alternativkonzept für die Stuttgarter Produktion nicht "rigoros abgelehnt". Die vom Unternehmen angebotenen 150 freien Arbeitsplätze an anderen Standorten existieren aus Wörners Sicht größtenteils nur auf dem Papier: Auf 35 Stellen in Mühlacker bei Pforzheim "haben sich mindestens dreimal so viele Beschäftigte" beworben, sagt der Betriebsratschef. Bereits der Standort im 250 Kilometer entfernten Neustadt an der Donau sei für die meisten Beschäftigten aber zu weit. Alternativ können sie für drei Jahre in eine Transfergesellschaft wechseln.

In dieser Situation löst der Einstieg von Mahle mit zunächst 19,9 Prozent und einer späteren Mehrheit in der Behr-Belegschaft keinen Jubel aus. Zwar sei man froh, dass die mittelbare Gefahr abgewendet ist und es finanziell bald aufwärtsgehe - Ende 2009 hatte der Autozulieferer über 500 Millionen Euro Schulden und nur noch eine Eigenkapitalquote von 13 Prozent. Zugleich weckt das Nachbarschaftsbündnis aber weitere Ängste, etwa dass der neue Eigner in ein paar Jahren doppelte IT- und Verwaltungsstellen streicht. Diese Sorge ist auch der Behr-Sprecherin schon zu Ohren gekommen.

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