Insbesondere durch den Motorradlärm fühlen sich die Anwohner gestört. Sie wünschen sich wirksame Maßnahmen zur Lärmreduzierung. Foto: dpa

Die Verwaltung äußert sich zur Situation an der Magstadter Straße in Stuttgart-Büsnau. Bei den lärmgeplagten Anwohnern hinterlässt die Arbeitsweise der Stadt ein Gefühl der Ohnmacht.

Büsnau - Es sei bereits viel unternommen worden, um den Motorradlärm zu reduzieren, schreibt Ordnungsbürgermeister Martin Schairer an die Anwohner, die sich durch den Krach auf der Magstadter Straße gestört fühlen. Gespräche zwischen Akteuren und Anwohnern hätten „konkrete Maßnahmen nach sich gezogen“, wie die Einrichtung einer Tempo-40-Zone und die Aufschüttung von Erdwällen in den Kurven. „Eine weitere für die Zukunft geplante Maßnahme, von der ein rein verkehrserzieherischer Effekt und damit eine Verkehrslärmminderung zu erwarten ist, ist die Aufstellung von sogenannten Lärmdisplays“, heißt es in dem Schreiben.

Man wolle die elektronischen Anzeigetafeln in Büsnau erproben. „Festzuhalten ist in diesem Kontext allerdings auch, dass damit nicht unerhebliche Anschaffungs- sowie auch Wartungskosten verbunden sind“, schreibt Schairer. Die Anschaffung eines Displays koste etwa 30 000 Euro. „Diese Gelder sind derzeit nicht im städtischen Haushalt eingestellt. Deshalb ist es wichtig, hierzu so bald wie möglich einen entsprechenden Vorstoß zu machen.“ Die Mittel müssten zum nächsten Doppelhaushalt 2019/20 angemeldet und vom Gemeinderat beschlossen werden. Schairer bittet die Anwohner um Verständnis für den „vielleicht etwas bürokratisch anmutenden Weg, doch ist nur auf diese Weise gewährleistet, dass richtig gehaushaltet werden kann und entsprechende Mittel zweckbestimmt ihre Wirkung entfalten“.

Keine der Maßnahmen hat den Lärm wirksam reduziert

Für die lärmgeplagten Anwohner hat das Schreiben der Verwaltung einen faden Beigeschmack. „Wir empfinden die Begründungen der Stadt Stuttgart als vorgeschoben, den Umgang mit der Problematik als ein reines Aussitzen.“ Gespräche allein brächten keine Lärmminderung. „Eine Reduzierung der Geschwindigkeit von Tempo 50 auf Tempo 40 ist gut. Motorradrennfahrer und Motorradposer, die sich an Tempo 50 oder 60 nicht halten, lassen sich durch diese Reduzierung leider nicht abschrecken“, sagt ein Anwohner. Ein anderer bestätigt diese Beobachtung. „Die Geschwindigkeitsreduzierung hat den Verkehrslärm wie erwartet reduziert. Leider gilt die Reduzierung nur für den ‚normalen’ Verkehr, also Pkw, Lkw, Motorradnormalfahrer.“ Ein Umdenken bei denen, die mit ihren Motorrädern die Straße rauf und wieder runter rasen, habe die Maßnahme aber nicht erreicht. „Wer 60 km/h ignoriert, ignoriert eben auch 40 km/h“, sagt der Büsnauer. Die aufgeschütteten Erdwälle bezeichnet er als einen „pfiffigen Ersatz für die gewünschten Leitplanken, um die Poser abzuhalten“.

Ein Gefühl der Ohnmacht

Das testweise Aufstellen der Lärmdisplays an der Magstadter Straße, das vermutlich nicht vor 2020 stattfinden wird, sehen die Büsnauer nicht als Maßnahme, „die Hoffnungen auf eine Lärmreduzierung in den kommenden Dekaden aufkommen lässt“. Die Bitte um weitere Gespräche zwischen Anwohnern und Verwaltung sei zudem unbeantwortet geblieben. „Insgesamt hinterlässt diese Arbeitsweise städtischer Behörden bei Bürgern ein Gefühl der Ohnmacht“, findet ein Büsnauer.

Ein Anwohner fragt, ob denn seit Aufstellen der Tempo-40-Schilder Geschwindigkeitsüberwachungen stattfanden und ob die Möglichkeit besteht, bauliche Veränderungen vorzunehmen, „analog zur Ampelsteuerung, um das Herausbeschleunigen aus der Kurve zu unterbinden?“ Aus den Reihen der Anwohner kommt der Vorschlag, Rüttelstreifen oder Schilder und Anzeigen aufzustellen, die die Fahrer darum bitten, ihren Lärm zu mindern, wenn schon die Lärmdisplays nicht kurzfristig umsetzbar sind. „Wenn wir auch nur einige der Raser damit zum Umdenken bewegen, würde das schon helfen.“

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