An der S-Bahn-Station befindet sich noch eine Flüchtlingsunterkunft – insgesamt bietet sich ein ziemlich tristes Bild. Foto: factum/Granville

Die Gemeinde hat für die Gestaltung des Areals 600 000 Euro im Etat vorgesehen. Richtig beginnen will man jedoch erst, wenn klar ist, ob und in welcher Höhe ein Zuschuss fließt. Das 40 Ar große Gelände hat einst der Bahn gehört, die das Grundstück an einen Investor veräußern wollte. Allerdings hatte Magstadt etwas gegen das geplante Bauvorhaben.

Magstadt - Auf einem riesigen, geschotterten Platz parken kreuz und quer Autos. An Geländern sind Fahrräder angekettet. In unmittelbarer Nähe stehen Wohncontainer für Flüchtlinge – ein ziemlich tristes Szenario. Nein, man befindet sich nicht irgendwo in der Pampa, sondern mitten in Magstadt. Und zwar vor der ­S-Bahn-Station, an der die S 60 hält. Sie wurde bereits im Dezember 2012 eröffnet. Seitdem hat sich dort nichts mehr getan. Das soll bald anders werden.

Preispoker um das Bahngrundstück

Im vergangenen Jahr hat die Gemeinde das Grundstück von der Bahn erworben. „Die Kaufverhandlungen haben zwölf Jahre gedauert“, sagt Hans-Ulrich Merz, der Magstadter Bürgermeister. Die Bahn habe das Gelände an einen Investor verkaufen wollen. Es sollte ein großes Wohn- und Geschäftshaus errichtet werden. Doch die Gemeinde lehnte das Unterfangen mit dem Hinweis auf den Bebauungsplan ab. „Das Projekt war für uns überdimensioniert. Wir sind doch hier nicht Frankfurt“, erläutert Merz. Danach pokerte die Bahn mit der Gemeinde um den Preis, über den man sich lange nicht einig wurde. Über die Summe, die schließlich nach Magstadt floss, schweigen beide Seiten.

Nun möchte Merz in die detaillierte Planung einsteigen, um das rund 40 Ar große Areal neu zu gestalten. Vor einiger Zeit arbeitete der Verband der Region Stuttgart an einem einheitlichen Konzept für Park-and-Ride-Parkplätze an strategisch wichtigen Stationen. „Zwischendurch ist das Ganze aber wieder eingeschlafen“, sagt Merz. Schließlich stellten die Parkplatzplaner fest, dass der Magstadter S-Bahn-Haltepunkt von Autofahrern doch nicht so häufig frequentiert wird. „Viele steigen auf den Bus um, der von dort aus durch Magstadt fährt und über Maichingen wieder zurück zum Bahnhof“, sagt Merz. In der Regel stellen auf dem Schotterplatz 20 bis 40 Pendler ihr Auto ab. Der Magstadter Haltepunkt wurde nicht als regional bedeutsam betrachtet. Also hat Merz nun freie Hand, selbst einen P&R-Platz zu schaffen.

Hoffnung auf einen Zuschuss

Unklar ist, ob und in welcher Höhe Magstadt einen Zuschuss für die Neugestaltung erwarten darf. „Bevor wir beginnen, müssen wir wissen, wie viel uns das kosten wird. „Wir hoffen auf eine Unterstützung aus dem Topf des Gemeindeverkehrsfinanzierungsgesetzes“, sagt der Schultes. So schnell wie möglich möchte er vom Stuttgarter Regierungspräsidium eine Antwort haben. Seit Jahren hat Magstadt 600 000 Euro zur Seite gelegt, die nun erneut im Etat auftauchen.

Im ersten Schritt sollen zumindest Parkmarkierungen angebracht werden. Angedacht sind Holzpfosten oder gespannte Bänder. Markiert werden sollen zunächst 21 Autostellplätze. Später soll der Kiosk von der gegenüberliegenden Straßenseite auf das Gelände ziehen, damit sich die Reisenden nur wenige Schritte von dem S-Bahn-Halt entfernt mit dem Nötigsten versorgen können. Erst wenn die Flüchtlings-Container wieder abgebaut werden, kann das Areal in einem weiteren Schritt noch besser genutzt werden. Fast 80 Menschen leben dort derzeit in einer eher provisorischen Unterkunft des Landkreises, die in ein paar Jahren wieder geschlossen werden soll. Erst wenn die Container vollständig verschwunden sind, ist die Gemeinde in der Lage, den Platz fertigzustellen.

Ein Biergarten und Toiletten

In dem Konzept, dem der Gemeinrat in seiner jüngsten Sitzung zustimmte, sind letztlich 67 Parkplätze vorgesehen. Auch für Busse sollen Extra-Flächen ausgewiesen werden. Die Lastwagen, die bisweilen auf dem Platz abgestellt wurden, will man mit einem Durchfahrverbot verbannen. Dafür sollen Radfahrer ihre Drahtesel ordentlich abstellen können. Merz denkt auch an Toilettenanlagen und an einen Biergarten, in dem es sich vor der S-Bahn-Station gut verweilen lässt.

Lieber S-Bahn als Intercity

Anschluss:
Johannes Buchter macht sich Sorgen, dass Gäufelden und Bondorf den Anschluss verlieren: Im Entwurf für den neuen Regionalverkehrsplan ist die bisher geplante Verlängerung der S-Bahn-Linie S 1 von Herrenberg bis nach Bondorf nämlich wieder gestrichen. Gäufeldens Bürgermeister forderte im Verkehrsausschuss des Kreistags deshalb Unterstützung für diesen S-Bahn-Anschluss gegenüber dem Verband Region Stuttgart ein. Beide Kommunen würden noch im Nahverkehrsbereich um Stuttgart liegen und in den Verkehrsverbund VVS einzahlen. „Die ­S-Bahn ist sehr leistungsfähig und sehr schnell“, sagte er. Ein Fernverkehrssystem passe nicht auf kurze Distanzen.

Alternative:
Demnächst soll nämlich der Intercity Pendler und Schüler aus Bondorf nach Herrenberg oder Stuttgart bringen. Weil eine von zwei Regionalbahnverbindungen wegfällt, dient der IC als Ersatz – bis Stuttgart 21 fertig gebaut ist. Was danach kommt, ist offen. Daher will Johannes Buchter die S-Bahn nicht vorzeitig aufgeben. (kat)

Hat Ihnen der Artikel gefallen? Jetzt teilen: