Magdalena und Wolfgang Klaus heute in ihrer Stuttgarter Wohnung. Foto: Florian Gann

Der 15. Juni 1971 ist ein Tag großer Studentenproteste in Stuttgart. Am selben Abend treffen sich Wolfgang und Magdalena. Auf der Tanzfläche steigt er ihr immer auf die Füße – und sie wissen trotzdem, dass hier alles passt.

Am 15. Juni 1971 liegt vieles in der Luft, aber Romantik ist es – vorerst – eher nicht. 15 000 Studentinnen und Studenten gehen in Stuttgart auf die Straße. Sie rufen: „Holt den Hahn, den alten Gockel, runter vom Ministersockel“, und das ist wahrscheinlich nicht das Unfreundlichste, was über Kultusminister Wilhelm Hahn durch die Stadt schallt. Fünf Kilometer lang zieht sich der Demonstrationszug in einer Schleife durch die Landeshauptstadt, der Verkehr stockt, es regnet in Strömen. Es sind die größten Studierendenproteste, die Stuttgart bis dahin gesehen hat, heißt es in der Stuttgarter Zeitung damals. Zwei von diesen Studierenden sind Magdalena und Wolfgang, damals beide 21. Sie kennen sich noch nicht. Aber in wenigen Stunden werden sie sich verlieben.

 

Stuttgart ist für Magdalena die große, weite Welt

Magdalena will am Abend des Protesttages auf den Ball der Berufspädagogischen Hochschule (BPH) in einem Café in der Weißenhofsiedlung. Magdalena ist damals seit einem Jahr in Stuttgart, an der Berufspädagogischen Hochschule (BPH). Dort, wo viele Mädchen vom Land sind, wie sie heute sagt.

Magdalena kommt aus Klingenstein, und wenn sie zuhause ist, muss sie ständig in der Bäckerei und der Wirtschaft mithelfen, die die Mutter alleine führt. Im Vergleich dazu ist die Landeshauptstadt die große weite Welt. „Wie wenn man nach New York gehen würde, so war das für mich in Stuttgart“, sagt sie. Und in so einer Welt will man nichts verpassen. Am Abend des Protesttages ist der Ball der BPH in einem Café in der Weißenhofsiedlung. Magdalena kauft ein Kleid, überredet eine Freundin. Als sie aufbrechen, prasselt der Regen immer noch auf die Straßen, sie leisten sich ein Taxi.

Beim Tanzen steigt ihr Wolfgang immer auf die Füße

Auch Wolfgang, Bauingenieurs-Student und echter Stuttgarter, ist mit zwei Freunden auf dem Ball der BPH. Schon im Vorraum treffen sich die beiden Grüppchen. Wolfgang sieht Magdalena in ihrem neu gekauften Kleid, helles Beige, Paisleymuster, eng geschnitten, und er denkt sich: „Eine elegante Erscheinung.“ Wolfgang trägt noch die Klamotten von der Demo, blau gestreiftes Hemd, blaue Cordhose, brav, aber auch ein bisschen revoluzzermäßig im Vergleich zu den ganzen Anzugträgern. Diese Klamotten, sein Gang, Magdalena gefällt genau das.

Kurz danach sind die beiden auf der Tanzfläche. Wolfgang steigt Magdalena immer wieder auf die Füße. Sie haben sich gerade erst kennenlernt, und jetzt sagt er: „Ich möchte dich heiraten.“ Sie sagt heute: „Es war Liebe auf den ersten Blick.“

Auf jedem Bild drücken sie sich eng aneinander

Auf der Heimfahrt vom Ball wird das nächste Treffen vereinbart. Erst sind die Freunde dabei, dann nur noch zu zweit, diese Momente sind etwas Besonderes. Er zeigt ihr Stuttgart, man trifft sich im Schlossgarten, sie gehen ins Mineralbad Berg. Es gibt kein Foto von damals, auf dem sie sich nicht eng aneinanderdrücken. „Es war eine unheimlich schöne Studienzeit“, sollte Magdalena später in einem privaten Buch schreiben, in dem ein Kapitel dem Kennenlernen gewidmet ist. 1974, gleich nach dem Studium, wird Wolfgangs Wunsch des ersten Abends wahr: Er und Magdalena heiraten, sie sind jetzt Wolfgang und Magdalena Klaus, seit dem 15. April sind es 49 Jahre.

1977 kommt ein Sohn zur Welt, heute haben Wolfgang und Magdalena Klaus – mittlerweile 73 Jahre alt – zwei Enkel. Sie sind weit gewandert, viel gereist und wohnen mit Blick auf die Stuttgarter Innenstadt. Man merkt ihnen an, dass sie zufrieden sind. Ihr Geheimnis? „Wir haben viele gemeinsame Interessen, aber jeder hat seine Freiheiten“, sagen beide, und: „Wir stützen uns gegenseitig.“

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