Foto: StN

Junge Magazine kombinieren ein junges Layout mit einer alten Idee: Sie erzählen Geschichten von nebenan.

Stuttgart - Die Idee der jungen Stuttgarterin Josephine Götz scheint aufgegangen: Ihr Magazin „Päng!“, das das Lebensgefühl junger Menschen zwischen 20 und 35 treffen will, erscheint zum zweiten Mal.

Auf dem Cover sitzen drei junge Typen im Schlauchboot. Innen geht es um Tramperlebnisse zweier Studentinnen, Seifenkistenrennen, eine junge Frau, die in der Bauwagenidylle wohnt und zwei Schweizer, die ein Buch übers Klippenspringen schreiben. Außerdem wird erklärt, wie man ein Floß baut und sich Gesichtsmasken zusammenpanscht. So also sieht das Lebensgefühl von Menschen zwischen 20 und 35 aus – zumindest, wenn man „Päng!“ liest. Das ist ein Magazin, erfunden von der Stuttgarterin Josephine Götz (25), das sich an diese Zielgruppe richtet und sich in der Tradition von „Neon“ sieht, jener Zeitschrift für junge Menschen aus dem Hause Gruner + Jahr, die rund 225000 Hefte jeden Monat verkauft.

Das „Päng“-Konzept war die Bachelorarbeit

Davon sind Chefredakteurin Josephine Götz und Art-Direktorin Cathrin Gehle, die eine Art Zwei-Frau-Verlag bilden, noch weit entfernt. Aber die erste Ausgabe, die im Frühjahr deutschlandweit erschien, verkaufte sich offenbar so gut, dass die beiden weitermachten. Endgültige Verkaufszahlen habe man noch nicht, und deshalb wolle sie dazu auch noch nichts sagen, meint Götz. Nur so viel: „Dafür, dass wir quasi überhaupt kein Geld für direkte Werbung hatten, sind wir ziemlich zufrieden.“ Das „Päng“-Konzept war die Bachelorarbeit der Verlagswirtin. Mit Hilfe von Spenden, Anzeigenkunden und eines Gründungszuschusses konnte sie es auf den Markt bringen. Beim Verkauf setzt Götz vor allem auf Mund-zu-Mund-Propaganda, Facebook und den Verkauf über Länden und Messen.

Das zweite Heft, an dem 30 Autoren, Fotografen und Illustratoren mitgearbeitet haben, ist jetzt in einer Auflage von 10 000 Exemplaren für sechs Euro erschienen. Auch diesmal ist die Idee dahinter, einer Generation, die viel Zeit im Internet verbringt, zu zeigen, wie spannend und einfach schön das Leben draußen ist, wenn man etwas damit anfängt. „Für die Wirklichkeit gibt es keinen Ersatz“, heißt der Untertitel.

Lebensgefühl-Journalismus ist so etwas wie das große Ding der letzten Jahre im Magazinbereich. Als Erfinder gilt Timm Klotzek, der das „Jetzt“-Magazin der „Süddeutschen Zeitung“ für Jugendliche geleitet hat, dann ebenjenes „Neon“ erfand und zuletzt „Nido“, ein Lifestyle-Magazin für urbane, hippe Eltern. Er erfinde einfach immer ein Magazin, das zu seiner eigenen Lebenssituation passe, hat Timm Klotzek mal gesagt.

Geschichten von ganz normalen Menschen

Auch Josephine Götz hat sich überlegt, was sie selbst gern lesen würde. Keine „wahnwitzigen Erfolgsstorys“, keine „aufgezwungenen Trends“, sondern Geschichten von ganz normalen Menschen, die vielleicht etwas Außergewöhnliches machen. Im Grun­de ist es die alte Idee des Lokaljournalismus, zu der Götz und ihre Mitstreiter zurückkommen, die sie auf Geschichten aus ganz Deutschland übertragen und in ein schickes Magazinlayout verpacken. Das Heft ist auf mattes Recyclingpapier gedruckt, jede Zeile ist liebevoll gestaltet, das Titelbild hat einen Retrogelbstich, und im Inneren dominieren gute Fotos in Schnappschussoptik. Ehrlicherweise muss man sagen, dass die Qualität der Texte nicht immer ganz mit der der Gestaltung mithalten kann.

Ein ebenfalls junges, nicht weniger zeitgeistig aufgemachtes Magazin, das die Lokaljournalismusidee noch konsequenter verfolgt, ist „Muh“. Seit gut einem Jahr gibt es das Heft mit Sitz in Truchtlaching in Oberbayern. „Muh“ erscheint bundesweit, bringt aber nur Geschichten aus Bayern. In der aktuellen Ausgabe gibt es eine Fotostrecken von einer Dackelzuchtschau, aber auch eine gut recherchierte Geschichte über die Bayerischen Staatsforsten und einen Rückblick auf Olympia 1972. Man wolle auf den Trend der Rückbesinnung aufs Regionale und Lokale nicht nur aufspringen, sondern ihm auch mal auf den Grund gehen, heißt es von der Redaktion. Und das Konzept geht im Kleinen auf: „Muh“ erscheint alle drei Monate für 5,50 Euro mit einer Auflage von 17 000. Die Leserschaft ist jung.

Es sind also noch immer die alten Geschichten, die gut ankommen. Man muss sie anscheinend nur richtig verpacken.

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