Der Screenshot aus einem Video der italienischen Gendarmerie zeigt Einsatzwagen am frühen Morgen des 9. Januar 2018 bei einer Razzia gegen den ´Ndrangheta-Clan Farao-Marincola in Italien. Foto: Carabinieri//dpa

Dieses Urteil in Süditalien interessiert auch die Baden-Württemberger: Der einstige Stuttgarter Promi-Wirt Mario L. ist nach Urteil eines Strafgerichts ein Mafioso – und soll fast elf Jahre hinter Gitter.

Stuttgart/Catanzaro - Dieses Urteil aus Süditalien interessiert auch die Baden-Württemberger: Der einstige Stuttgarter Promi-Wirt Mario L. ist von einem italienischen Strafgericht wegen Mitgliedschaft in der kalabrischen Mafia ’Ndrangheta zu einer Haftstrafe von zehn Jahren und acht Monaten verurteilt worden. Er galt als „auswärtiger Arm“ des Farao-Marincola-Clans und soll Gastwirte erpresst haben, nur Wein und Lebensmittel dieses Clans zu überhöhten Preisen zu kaufen, berichtet die italienische Nachrichtenagentur Ansa. Die Staatsanwaltschaft hatte 14 Jahre Haft gefordert.

Mario L. und seine Komplizen sollen zeitweise fast 150 Pizzerien in Süddeutschland unter ihrer Kontrolle gehabt haben. Bei dem Prozess in Catanzaro in Kalabrien wurden laut Agentur am Mittwoch 66 Angeklagte zu Haftstrafen zwischen acht Monaten und 20 Jahren verurteilt. Unter ihnen ist auch der frühere Bürgermeister der Küstenstadt Ciro Marina. Aufgeflogen war die Organisation Anfang 2018 bei einer länderübergreifenden Razzia namens Operation Stige (italienisch für den Unterweltfluss Styx). Damals gab es 169 Festnahmen.

Prominentester Ex-Stammgast: Günther Oettinger

Die ’Ndrangheta in Kalabrien gilt als die mächtigste der italienischen Mafiaorganisationen. In Deutschland machte sie erstmals Schlagzeilen, als im August 2007 vor einer Pizzeria in Duisburg sechs Menschen erschossen wurden.

Die Mafia-Vorwürfe gegen den Promi-Wirt Mario L. sind nicht neu. Schon einmal, 1995, war er bei der sogenannten „Operation Galassia“ unter dem Vorwurf der Mitgliedschaft der ’Ndrangheta inhaftiert worden. Ihm wurde vorgeworfen, Geldwäsche für die Mafia betrieben zu haben. 1999 wurde er aber freigesprochen.

Bekannt wurde Mario L. vor allem 1993, als in Verbindung mit den Mafiavorwürfen sein prominentester Stammgast in Weilimdorf bekannt wurde: der damalige CDU-Landesfraktionschef Günther Oettinger, später Ministerpräsident und EU-Kommissar. Diese Stuttgarter Ermittlungen führten zu einer Verurteilung – allerdings nur zu einer Bewährungsstrafe wegen Steuerhinterziehung.

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