Der Anfang vom Ende: Im Januar 2018 startete eine Großaktion gegen die kalabrische Mafia. Foto: dpa/Carabinieri

Der einstige Stuttgarter Promi-Wirt Mario L. bleibt als verurteilter Mafioso in Italien in Haft. Das Oberste Kassationsgericht in Rom hat seine Revision verworfen. Wie auch die eines bekannten Fellbachers.

Es soll ja manchen italienischen Gastwirt geben, der bei ganz bestimmten Bezugsquellen zu überteuerten Preisen einkaufen muss – ob das künftig vorbei ist, das gilt unter Experten als eher zweifelhaft. Eine gewisse Genugtuung aber dürfte der jüngste Spruch des höchsten Gerichts Italiens wohl auslösen: Die Mafia-Urteile vom Oktober 2019 gegen zwei im Raum Stuttgart bekannte Gastronomen sind nun rechtskräftig.

 

Nach übereinstimmenden italienischen Medienberichten hat der Kassationsgerichtshof in Rom unter anderem das Urteil gegen den heute 68-jährigen Mario L. bestätigt. Er wurde unter anderem wegen Mitgliedschaft in einer mafiösen Vereinigung in zweiter Instanz zu einer Haftstrafe von acht Jahren und acht Monaten verurteilt. In erster Instanz waren es noch zehn Jahre acht Monate gewesen. Eine Revision wurde vom Kassationsgericht am 5. Juni für unzulässig erklärt.

Eine brisante Affäre für die CDU

In den 1990er Jahren hatte Mario L. die baden-württembergische CDU in Bedrängnis gebracht – eine brisante politische Affäre. Der damalige Weilimdorfer Promiwirt Mario L. war Duzfreund und Gönner des damaligen CDU-Fraktionschefs Günther Oettinger, ehe der Italiener in Verdacht geriet, ein führendes Mafiamitglied der kalabrischen ’Ndrangheta zu sein, Drogengeschäfte und Geldwäsche zu organisieren. Oettinger musste sich distanzieren, wurde später dann doch baden-württembergischer Ministerpräsident und EU-Kommissar.

Mario L. war zunächst nicht wirklich zu fassen. Von den schwerwiegenden Vorwürfen blieb zunächst nur der Vorwurf der Steuerhinterziehung übrig. Dafür gab es eine Bewährungsstrafe. Mafia-Ermittlungen in Italien zwischen 1995 und 1999 endeten sogar mit einem Freispruch. Es wurde still um ihn, derweil aber der Verdacht immer drängender wurde, dass er eine wesentliche Rolle im Farao-Marincola-Clan spielen könnte, der knapp 150 Pizzerien in Süddeutschland unter seiner Kontrolle hat.

Auch ein Fellbacher bleibt hinter Gittern

Dann startete die Staatsanwaltschaft im süditalienischen Catanzaro die Operation „Stige“ (italienisch für den Unterweltfluss Styx) und nahm Anfang 2018 insgesamt 169 Verdächtige fest. Mario L., der bis dahin mehrere Lokale im Rems-Murr-Kreis betrieben hatte und gerade ein weiteres in Schwaikheim betreiben wollte, kam hinter Gitter – und blieb es diesmal auch.

Dies gilt auch für einen italienischen Vereinswirt aus Fellbach, der bei der Operation Styx ebenfalls mit dem Vorwurf einer hochrangigen Mafiamitgliedschaft festgenommen worden war. Der heute 54-Jährige, der Ermittlungsakten zufolge Teile des Fischmarkts im Raum Stuttgart kontrolliert und Falschgeld organisiert haben soll, war zu einer Haftstrafe von acht Jahren verurteilt worden. Auch daran sei nichts zu rütteln, stellten die obersten Richter in Rom nunmehr fest.