Feuergefecht im Pizza-Restaurant: Tommy Angelo verteidigt sich gegen befeindete Mafiosi. Foto: 2k Entertainment

Finstere Gangster, schöne Autos und rauchende Maschinenpistolen: Mafia 1 gilt als eines der besten Computerspiele aller Zeiten. Wir haben die Neuauflage „Mafia: Definitive Edition“ getestet.

Stuttgart - Schüsse fallen, Reifen quietschen. Das Taxi schlingert über die regennassen Straßen von Lost Heaven – dahinter zwei Wagen mit Gangstern, die mich und meine Fahrgäste mit ihren Colts aufs Korn nehmen. Davonfahren ist zwecklos: Ihre Autos sind wesentlich schneller als unsere alte Mühle, die zudem schon aus dem letzten Einschussloch pfeift. Da hilft nur eines: Ab über eine Baustelle voller Hindernisse. Einer der Verfolger kracht in einen Stapel Holzpaletten – bleibt noch einer, den wir loswerden müssen.

Das Spiel Mafia, das 2002 erschienen war, hat in meinem Herzen einen besonderen Platz. Damals mein erstes Actionspiel, ließ es mich und andere Fans eintauchen in eine Welt die USA der 1930er-Jahre. Prohibition, Bandenkriege, korrupte Polizisten und jede Menge Anspielungen auf Filmklassiker wie Der Pate oder Goodfellas inklusive. Nun hat das Spiel vom Entwickler 2k Games eine Neuauflage bekommen, die wir noch vor dem Release als PC-Version anspielen durften.

Filmreife Story und liebevoll gestaltete Spielwelt

Die Grundpfeiler des Spiels sind gleich geblieben: Der Spieler übernimmt die Kontrolle über Tommy Angelo. In der fiktiven Stadt Lost Heaven arbeitet der eigentlich als unbescholtener Taxifahrer – bis er Paulie und Sam trifft. Die beiden Gangster werden verfolgt und kapern das Taxi inklusive Fahrer. Bald findet sich Tommy mittendrin in einem Geflecht aus Verbrechen, Loyalität und Verrat.

Nach und nach arbeitet sich der Spieler in den Rängen des Salieri-Clans hoch – auf Handlangertätigkeiten wie Autos eines feindlichen Clans zu zerstören, folgen bald Aufgaben wie Schutzgeldeintreiben, Rennautos sabotieren – und irgendwann Schwerverbrechen. Lupara, Tommy-Gun und andere stilechte Bewaffnungen werden zum ständigen Begleiter. Bis zum hollywoodreifen Finale, das hier nicht verraten werden soll.

Auch die Autos in Mafia profitieren von der neuen Grafik

Das Magazin Gamestar nennt Mafia 1 auch heute noch „eines der besten Spiele aller Zeiten“. Die Stärken des Originals wie auch des Remakes liegen in unter anderem seiner absolut filmreifen Story und der Atmosphäre in der virtuellen US-Großstadt. Das inzwischen 18 Jahre alte Original hatte jedoch seine Wehwechen: Die Grafik wirkte schon damals eher kantig und besonders dank der hakeligen Steuerung wollte an manchen Stellen kein rechter Spielfluss aufkommen.

Das hat sich mit der neuen Version geändert: Die Autos der dargestellten Ära – ein wesentlicher Teil des Spiels – sehen mit ihren Kurven und den glänzenden Lack- und Chromdetails wesentlich echter und schöner aus, und Lost Heaven wirkt mit den neuen Grafikeffekten wesentlich realistischer und detailreicher.

Mafia: Definitive Edition spielt sich flüssiger als das Original

Auch die Steuerung ist viel zeitgemäßer: Schleichen, boxen, schießen und in Deckung gehen, funktionieren nun viel intuitiver. Die neuen Animationen der Gesichtszüge wirken absolut lebensecht – toll, dass die Entwickler die Videosequenzen und Dialoge zwischen den Levels ebenfalls ausgebaut haben. Die ohnehin schon gut gezeichneten Charaktere gewinnen durch die zusätzlichen Gespräche an Tiefe. Was viele Action-Liebhaber freuen dürfte: Viele Missionen verlaufen weniger langatmig als in der Urversion.

Die Atmosphäre des Originals wird in der Definitive Edition nicht nur erreicht, sondern übertroffen. Das liegt nicht nur an der modernen Grafikengine, sondern auch am Sounddesign: In Lost Heaven rauschen Straßenbahnen, die man benutzen kann, in den Backsteinbauten von Little Italy weinen Babys, Fußgänger unterhalten sich. Jedes Viertel hat seine ganz eigene Soundkulisse.

Neue deutsche Synchronsprecher und überarbeiteter Freie-Fahrt-Modus

Was den Ton angeht, müssen Fans sich allerdings auf neue Synchronsprecher in der deutschen Ausgabe einstellen. Diese waren im Original sehr exquisit ausgewählt – unter anderem mit Mogens von Gadow, der dem Gangsterschauspieler Joe Pesci seine Stimme leiht, aber inzwischen zu alt ist, um den chaotisch-liebenswerten Gangster Paulie zu synchronisieren.

Der Freie-Fahrt-Modus wurde überarbeitet – der Spieler kann nun zum Beispiel aus mehreren Outfits wählen, Autos umlackieren lassen und Sammelitems suchen, während er die Stadt bewundert oder sich mit anderen Gangstern Scharmützel liefert. Trotzdem bleibt ein Gefühl, dass das Potenzial der detailreichen Spielwelt noch immer nicht komplett ausgenutzt wird, um auch im Freie-Fahrt-Modus Spielspaß über längere Zeit zu garantieren.

Das Remake bietet viel mehr Einstellungsmöglichkeiten

Neu im Remake sind auch viele kleine Entdeckungen, die der Spieler machen kann, wenn er sich ein wenig umsieht. Details wie herumliegende Zeitungen mit Nachrichten zur Prohibition, aber auch Briefe lassen den Spieler noch weiter eintauchen. Aus einem Schreiben auf der Theke erfahre ich zum Beispiel, dass dem Bäcker, dem wir gerade Schutzgeld abknöpfen, auch die Bank im Nacken sitzt. Mitleid mit der armen Sau macht sich breit – aber was soll’s, auch der Gangster muss sich sein Ciabatta ja irgendwie verdienen.

Viele Spieler des Originals hatten mit dem hohen Schwierigkeitsgrad zu kämpfen – zumal beim Fehlschlagen einer Mission teils auch die Fahrt dorthin wiederholt werden musste. Die Entwickler haben dem Rechnung getragen, indem sich die Schwierigkeit in etlichen Bereichen individuell anpassen lässt. Unter anderem kann man nun einstellen, wie gefährlich die Gegner sind, wie viel Polizei in Lost Heaven patrouilliert, ob die Fahrten zum Beginn eines Levels übersprungen werden sollen – und nicht zuletzt, wie realistisch sich die Autos fahren lassen.

Apropos Autos: Weil das Autorennen damals so schwer zu gewinnen war, dass viele Spieler sich beschwerten, musste der Entwickler einen Patch nachliefern, in dem dieser Part vereinfach wurde. In der Neuauflage von Mafia schaffe ich das Rennen – mittlere Schwierigkeitsstufe – beim zweiten Versuch. Ob es an meiner nun größeren Fahrpraxis liegt oder an einem angepassten Schwierigkeitsgrad, weiß ich nicht.

Mafia: Definitive Edition ist am 25. September erscheinen und für PlayStation 4, Xbox One und PC via Steam erhältlich.

Diese Noten bekommt Mafia: Definitive Edition in unserem Test

Grafik: 4 von 5

Spielspaß: 3,5 von 5

Atmosphäre: 5 von 5

Hat Ihnen der Artikel gefallen? Jetzt teilen: