Die Stadt Leinfelden-Echterdingen hat an der Mäulesmühle die Komedescheuer zur Kulturscheuer umgestaltet. Drei Veranstaltungen hat es am Ex-Spielort der Kultreihe „Hannes und der Bürgermeister“ mittlerweile gegeben. Wie war die Resonanz und wie geht es weiter?
Vor einem Monat ist die Kulturscheuer Mäulesmühle als neue Spielstätte für Kleinkunst und Kultur im Siebenmühlental an den Start gegangenen. Drei Veranstaltungen hat es dort mittlerweile gegeben. „Der Poetry Slam mit Lars Ruppel hat wahre Poetiktalente auf die Bühne geholt“, sagt Kulturamtsleiterin Carolina Gleichauf. Lars Ruppel gehört zu den bekanntesten Poetry Slammern in Deutschland. Er hatte Kindern und Jugendlichen der weiterführenden Schulen seine Wortkunst näher gebracht. „Dies wollen wir in jedem Fall wieder anbieten“, sagt Gleichauf.
Mit dem Auftritt des Duos Dietlinde Ellsässer und Jakob Nacken ist Ende Oktober die schwäbische Reihe „Kraut & Riaba“ an den Start gegangen. „Wir haben gemerkt, es lohnt sich, auf niveauvolle schwäbische Kabarettkunst zu setzen“, sagt die Kulturamtsleiterin. Von der Lesung mit Ilija Trojanow hätte sie sich mehr Resonanz erhofft. „Das ist ein Autor, der das Literaturhaus in Stuttgart in der Vergangenheit gefüllt hat“, sagt sie. Und: „Das zeigt einmal mehr, dass wir uns Nischen für Leinfelden-Echterdingen suchen müssen.“
Die Vorstellung des Theaterstücks „Neinhorns“ – ein Angebot für Familien in der Kulturscheuer – ist bereits ausgebucht, wie die Vize-Amtsleiterin Dorothea Veit ergänzt. An diesem Freitag, 8. November, wird es mit dem Auftritt der Band „Rent a Toastmaster“ das erste Konzert in der Reihe Lokalhelden auf der Kulturbühne geben.
Über Jahrzehnte hinweg war an diesem Ort das schwäbische Kultkabarett-Duo „Hannes und der Bürgermeister“ aufgetreten. Die Stadt Leinfelden-Echterdingen hat die ehemalige Komedescheuer mittlerweile zur Kulturscheuer Mäulesmühle umgestaltet. Sie wollte eine Kleinkunstbühne für Kulturfans aus und um Leinfelden-Echterdingen am Eingang des Siebenmühlentals schaffen; einen alternativen Ort für besondere Formate zu kreieren – zusätzlich zur Filderhalle. Unter dem Titel „Wildwuchs“ sollen fortan Kabarettisten, junge Bands und Poetry-Slammer ein junges Publikum ins Siebenmühlental locken. Das Programm für Familien nennt sich „Spross & Sprössling“. Freunde der schwäbischen Mundart sollen weiter auf ihre Kosten kommen: „Kraut & Riaba“ heißt diese Reihe. Nicht zuletzt wird Lokalhelden – also Künstlerinnen und Künstler, Musikerinnen und Musiker aus Leinfelden-Echterdingen – eine Bühne am Ex-Spielort der Kultreihe „Hannes und der Bürgermeister“ geboten.
Die neue Linie fortsetzen
Auch in der Spielzeit 2025/2026, die in einem knappen Jahr beginnt, will das Kulturamt ihre neue programmatische Linie fortsetzen. „Weil wir dran glauben und weil wir uns unglaubwürdig machen würden, wenn wir nicht mindestens drei Spielzeiten daran festhalten würden“, wie Caroline Gleichauf im Kulturausschuss des Gemeinderates sagte. So ist beispielsweise geplant, die Sprechstation Stuttgart, die seit vielen Jahren literarische Wettstreits in der Stuttgarter Rosenau, im Wizemann und im Universum veranstaltet, auf die Bühne der Kulturscheuer ins Siebenmühletal zu holen.
Der aus der Fernsehserie „Sturm der Liebe“ bekannte Schauspieler Max Beier wird auf dieser Bühne Fragen beantworten, die so nie gestellt wurden. Beispielsweise, warum es Liebende so selten als Paar gibt. Klaus Birk, langjähriger Autor der Mäulesmühle, wird mit Höhepunkten seiner Programme an seine alte Wirkungsstätte zurückkehren. Vom Land ausgezeichnete Kabarettisten wie die Kächeles werden auftreten. Kleinere Änderungen wird es dennoch geben: Bei den Lokalhelden soll es fortan ein Auswahl- und Bewerbungsverfahren geben. Im Februar läuft zudem das Programm Open Stage an, dass es auch in der kommenden Spielzeit geben soll und sich an Laiendarsteller unterschiedlicher Disziplinen richtet, die ihr Können an einem Abend in Kurzauftritten präsentieren können.
Die Kulturscheuer sei „keine Musicalbühne und auch kein Konzerthaus“, so die Kulturamtschefin. Für größere Formate eigne sich die Filderhalle. Walter Sittler & Die Sextanten sind in der Reihe „LE lacht wieder“ mit im Boot. Pe Werner, die mit ihrem Song „Dieses Kribbeln im Bauch“ bekannt wurde, konnte für diese Halle verpflichtet werden. Weil die Filderhalle auch renoviert werde, müsse man an einigen Abenden in die Musberger Festhalle ausweichen. Dort wird beispielsweise das Ensemble Quadro Nuevo spielen, Träger der Goldenen Schallplatte.
Die Kosten des Programms für die Spielzeit 2025/2026 liegen bei 193 000 Euro. Der städtische Zuschuss beträgt rund 69 000 Euro. Die Eintrittspreise werden mit Ausnahme des Angebotes für Kinder und Jugendliche moderat steigen.
Kunsthub 2025
Talente
Im kommenden Jahr wird auch wieder der Kunstpreis „Kunsthub“ – eine Kooperation zwischen dem Kulturamt der Stadt Leinfelden-Echterdingen, der Firma MHZ Hachtel sowie dem Kulturkreis Leinfelden-Echterdingen – ausgelobt. Der Preis wird dann zum dritten Mal vergeben werden. Er richtet sich an noch nicht etablierte Künstlerinnen und Künstler, im Alter von bis zu 39 Jahren. Ziel ist es Talente zu fördern und das kulturelle Leben in der Stadt zu bereichern.
Ausstellungen
Die bisherige Gewinnerinnen des Preises waren Suah Im und Hannah J. Kohler. Suah Im zeigt gerade im Stuttgarter Kunstmuseum ihre aktuellen Werke. Hannah J. Kohler hat in der Kunsthalle Reutlingen, der Städtischen Galerie Ostfildern und der Neuen Galerie Dachau mit Ausstellungen auf sich aufmerksam gemacht.