Im neuen Märklineum gibt es nicht nur eine große Modelleisenbahn, auch historisches Blechspielzeug wird ausgestellt. Foto: /Märklin

Von Anfang an begleitet Märklin die Luftfahrt mit Blechmodellen. Der Crash eines Zeppelins in Jebenhausen 1909 steigerte die Begeisterung im Filstal für die Märklinprodukte.

Göppingen - Da fliegt dir doch das Blech weg“, sang die Band Spliff 1982. In die Luft gegangen ist Märklin schon lange vorher, 1909 mit dem Modell eines Motorgleiters – aus Blech. Die Fliegerei fasziniert die Menschen von Anfang an, berühmt werden Anfang des neuen Jahrhunderts die Brüder Wilbur und Orville Wright aus den USA. An den Dünen von Kitty Hawk an der Atlantikküste unternehmen sie ihre Flugversuche, bauen auf den Erkenntnissen des 1896 abgestürzten deutschen Flugpioniers Otto Lilienthal auf. Erst mit Gleitfliegern, ab 1903 mit Motorfliegern.

Auch in Göppingen ist die Begeisterung für die Fliegerei spürbar, im Märklineum sind ganz frühe Flugmodelle aus den Jahren 1909 und 1910 zu sehen. Fliegerei ist schon damals international, der Franzose Louis Blériot schafft es als erster, über den Ärmelkanal zu fliegen, für die 35 Kilometer von Calais ins englische Dover ist er 37 Minuten in der Luft. Es lohnt sich, er gewinnt die für den ersten erfolgreichen Flug über die Meerenge ausgelobten 1000 Pfund. Das Geld kann er gut brauchen, die Haushaltskasse ist leer, Blériot hat sein Flugzeug in Eigenleistung konstruiert und selbst bezahlt.

Flug über den Ärmelkanal entfacht Euphorie

Der Preis ist auch Grundstock für Blériots nächstes Projekt, er baut und verkauft rund 800 Exemplare seines „Ärmelkanal-Fliegers“ Blériot XI und wird so der wohl erste Serienflugzeughersteller. Den gibt es auch in Göppingen, wenn auch im kleineren Maßstab. Ein Jahr nach Blériots ­Rekordflug fliegt Märklins Blériot-Maschine als Modell auf den Markt, 1999 ist sie als Metallbaukasten-Modell wieder da.

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Nicht nur Flugzeuge kommen aus dem Filstal, auch Luftschiffe, die in den frühen Jahren der Luftfahrt hochaktuell waren. In Friedrichshafen am Bodensee hat Ferdinand Graf von Zeppelin 1899 mit dem Bau von Luftschiffen begonnen. Sein fünftes Modell, die LZ 5, wird berühmt, vor allem in Göppingen: Die Luftschiffer fahren das Schiff am 31. Mai 1909 nach einer 37-stündigen-Rekordfahrt über halb Deutschland auf dem Rückweg direkt in einen Birnbaum in Jebenhausen, gleich oberhalb des Waldeckhofs. Mit Hilfe der Göppinger, auch die Feuerwehr war vorne mit dabei, wird der Zeppelin schließlich wieder flottgemacht.

Vom Unfallort geflüchtet

Irgendwann ist auch Ludwig Dürr wieder da, der Konstrukteur der LZ 5 hatte am Ruder gestanden und das Schiff in den Baum gefahren, nach der unsanften Landung war er – wohl völlig übermüdet – ausgestiegen und verschwunden. Suizid-Gerüchte machen schon die Runde, aber Dürr hatte sich etwas benommen in Göppingen in den Zug gesetzt, in Ulm etwas Ordentliches gegessen und dann geschlafen. Notdürftig repariert fliegt LZ 5 weiter an den Bodensee. Dem Jebenhäuser Birnbaum ist der Unfall nicht so gut bekommen. Den Aufprall des Luftschiffs hatte er gut überstanden, danach wird er für die luftschiffbegeisterten Filstäler zu einer Art Pilgerstätte, aus dem Birnbaumholz lassen sich auch Souvenirs herstellen.

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In Sichtweite der Jebenhäuser Anhöhe bleibt Märklin beim Blech, ein Modell des letzten großen Zeppelins, der LZ 129 „Hindenburg“, die 1937 bei der Landung in Lakehurst in der Nähe von New York verbrannte, gab es bei Ebay unlängst zu kaufen. 3500 Euro verlangte der Verkäufer, fliegen ist nicht billig.

Im Straßenbild bleiben der Zeppelin präsent

In Göppingen ist die große Zeit der Zeppeline immer noch präsent, im Reusch oberhalb des Märklin-Werks gibt es die Zeppelin-Straße und, etwas darunter, den Eckenerweg, in Faurndau die Eckenerstraße. Hugo Eckener war der Nachfolger bei Zeppelin in Friedrichshafen, Ferdinand Graf von Zeppelin starb 1917.

Die große Zeit der Luftschiffe und des fliegenden Blechspielzeugs ist heute lange vorbei, zuletzt gab es vor rund 30 Jahren Märklin-Flugzeuge als Zubehör für die Modellbahn.