Seite 2Märklin-Chef Sieber Wir werden das ursprüngliche Umsatzziel nicht erreichen

Von Anne Guhlich 

Ist Märklin das Testgelände, auf dem Sie für die Rolle als Nachfolger Ihres Vaters in der Simba-Dickie-Gruppe üben können?
Das wäre eine schlechte Idee. Die Aufgabe ist sehr anspruchsvoll und die Verantwortung für die Mitarbeiter und die Marke Märklin groß. Als Familienunternehmer sieht mein Vater auch darin eine große Verantwortung, sein Unternehmen erfolgreich in die nächste Generation zu führen. Daher hat er die Weichen für die Simba Dickie Group schon früh gestellt und langfristig geplant. Ich bin der älteste Sohn meines Vaters, mein Bruder ist acht Jahre jünger, und meine Schwester hat sich bisher für eine Karriere jenseits der Gruppe entschieden. In viele Aufgaben bin ich schon seit meiner Schulzeit und während der Ausbildung hineingewachsen. Mein Vater hat im Stammsitz in Fürth bereits kommuniziert, dass ich sein designierter Nachfolger bin.
Ihr Vater ist jetzt 57 Jahre alt. Meinen Sie, er wird eines Tages loslassen können?
Ich habe das Gefühl, er will es anders machen als sein eigener Vater. Mein Großvater hat seine Arbeit wirklich geliebt. Das ist großartig, hat aber auch negative Seiten. Er konnte nicht loslassen, er konnte sich nicht wirklich entspannen. Diesem Beispiel will mein Vater nicht folgen. Wir haben aber kein fixes Datum, wann eine Übergabe stattfinden soll. Das wird sich alles ergeben. Im Moment konzentriere ich mich voll und ganz auf meine Aufgabe in Göppingen.
Gefällt es Ihnen hier?
Ja. Allerdings ist Göppingen natürlich etwas kleiner als Nürnberg oder Fürth, und mein Freundeskreis ist weit entfernt.
Umso leichter fällt es Ihnen, rund um die Uhr zu arbeiten.
(Lacht) Das stimmt. Wenn ich abends platt nach Hause komme, freue ich mich nur noch auf mein Bett.
Märklin wurde 2009 vom Insolvenzverwalter Michael Pluta auf Kurs gebracht und in den vergangen Jahren von Stefan Löbich geführt. Wie wollen Sie eigene Spuren hinterlassen?
Michael Pluta und der Insolvenzgeschäftsführer Kurt Seitzinger haben einen guten Job gemacht. Allerdings sind sie keine Branchenprofis. Unsere Produktkenntnisse und Erfahrung in der Spielwarenbranche müssen wir nutzen, um den richtigen Produktmix für die Zukunft zu formen. Dort müssen wir ansetzen, und ich kann auf eine tolle Mannschaft bei Märklin bauen. Was Märklin etwa mit der Kinderlinie „My World“ begonnen hat, müssen wir optimieren.
Was heißt das?
Es fehlt noch an Spielwert. Es reicht nicht, wenn das Kind einen Kreis hat, auf dem die Eisenbahn rumfährt, aber sonst nicht viel passiert. Wir wollen den Kindern die Möglichkeit geben, ihr ganzes Zimmer mit Schienen vollzupflastern, damit sie ihre eigene kreative Welt erschaffen können. Wir denken da an Bahnhöfe, Häuschen oder vielleicht Figuren. Wir wollen das Produkt mehr zur Spielware machen und uns von der Modelleisenbahn lösen. Der Titel „My World“ (Meine Welt) trägt das Konzept ja schon im Namen. Es wurde bisher nur noch nicht konsequent umgesetzt.
Wie ist bisher das Geschäftsjahr verlaufen?
Recht stabil. Der Umsatz wird etwas höher ausfallen als 2012. Damals lagen die Umsätze bei 107 Millionen Euro.
Die Planung für 2013 sieht einen Umsatz von 112 Millionen Euro vor.
Wir werden das ursprüngliche Umsatzziel nicht erreichen. Wir haben uns im Sommer bewusst dafür entschieden, die Umsatzprognose zu senken. Hintergrund ist, dass bei Märklin in der Vergangenheit zum Jahresende hin verstärkt Rabatte an den Handel gegeben wurden, um die Planumsätze zu erreichen. Nur aufgrund dieser Rabatte hat man es geschafft, die vorgegebenen Ziele zu erreichen. Wir nehmen die Rabatte aber als sehr negativ wahr.

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