Einfach märchenhaft: Hänsel und Gretel (Vanessa Maria Looß und Jessica Eckhoff) Foto: Horst Rudel

Mit der Wiederaufnahme der Oper von der Knusperhexe wollen die Stauferfestspiele in Göppingen eine weihnachtliche Tradition begründen . Die opulente Kuchenschlacht hätte durchaus das Zeug dazu.

Göppingen - Wer sich zur Weihnachtszeit noch mehr verzaubern lassen will, als es die Festtage ohnehin schon tun, der kann sich unter anderem in der Göppinger Stadthalle märchenhaft entführen lassen. Dort singen und tanzen Hänsel und Gretel vom 27. bis zum 29. Dezember durch die Kulissen. Die Stauferfestspiele, bekannt für ihre großformatigen Operetten im Zwei-Jahres-Turnus, zeigen bereits zum zweiten Male die Operinszenierung des Märchens von Engelbert Humperdinck. Dabei setzt der Regisseur Alexander Warmbrunn auf ähnlich opulente und farbenfrohe Bilder wie beim „Vogelhändler“ oder der „Zauberflöte“.

Solisten führen mit großer Spielfreude durchs Stück

150 Mitwirkende sorgen für Betrieb auf der Bühne. Die Solisten, angefangen von Vanessa Maria Looß und Jessica Eckhoff als Hänsel und Gretel, über Kai Preussker und Ann-Katrin Naidu als Vater und Mutter, bis hin zu Fritz Spengler als grandiose Hexe oder Victoria Kunze als Sand- und Taumännchen führen mit großer Spielfreude durchs Stück.

Hinzu kommen die engagierten Laien des Festspielchors, des Kinderchors oder der Ballettensemble, die bei den Stauferfestspielen immer ein fester Bestandteil der Truppe sind. Das Festspielorchester schließlich verleiht der Oper ihren Klang. Wunderbar märchenhaft ist das Bühnenbild. Das Knusperhaus wird ganz modern als dreistöckige Torte präsentiert. Die Übergänge zwischen den Akten werden durch Animationen bereichert.

Märchenoper soll feste Einrichtung werden

„Hänsel und Gretel war die erste Oper die ich als kleiner Junge genau hier in der Stadthalle gesehen habe. Das hat mich fasziniert“, sagt Alexander Warmbrunn. „Das wollen wir mit unserer Aufführung ebenfalls erreichen. Wir wollen die Freude für das Musiktheater schon von klein auf wecken.“ Schließlich hätten die Stauferfestspiele sich selbst diesen Auftrag gegeben. „Wir betreiben Kulturarbeit als breit angelegtes Angebot“, so Warmbrunn. Deshalb wolle man die Märchenoper zu Weihnachten auch als feste Einrichtung etablieren.

Die Wiederaufnahme der Oper ist aber auch nicht ganz uneigennützig. Die Stauferfestspiele müssten mehr präsent sein. Alle zwei Jahre eine große Inszenierung auf die Bühne zu bringen reiche heute nicht mehr aus, erklären auch Markus Müller und Jochen Schellong von den Stauferfestspielen. In einer Stadt, in der die Handball-Erstligisten von Frisch Auf Göppingen die Sponsoren stark beanspruchten, sei es nicht einfach, ebenfalls Förderer zu gewinnen. „Hänsel und Gretel ist für uns ein Zuschussgeschäft. Es wäre ab er wichtig, wir würden für unsere Arbeit mehr Fördergelder bekommen“, verdeutlicht Jochen Schellong.

Festspiele sind auf der Suche nach Förderern

In Sachen Kultur sind die Festspiele bei weitem die Nummer eins im Filstal. Mit den acht Aufführungen des „Vogelhändler“ im Sommer lockten die Veranstalter mehr als 10 000 Zuschauer in die Werfthalle im Stauferpark. Die Aufführungen waren damit zu mehr als 85 Prozent ausgelastet. Der starke Zuspruch wurde aber auch für das finanzielle Auskommen benötigt. „Umso wichtiger war für uns, dass wir den Spielort auch für 2020 und darüber hinaus halten können“, so Schellong.

Die Werfthalle bietet nicht nur Platz für 1800 Zuschauer, nur dort kann auch eine 30 Meter breite Bühne bespielt werden – ein Alleinstellungsmerkmal der Stauferfestspiele. Nach dem Verkauf der Halle an die Firma Kleemann war fraglich, ob sie weiterhin genutzt werden könne. Mittlerweile ist jedoch klar, dass die Werfthalle auf unbestimmte Zeit für einzelne Messen und die Festspiele zur Verfügung steht.

Was 2020 aufgeführt wird, lässt Alexander Warmbrunn übrigens noch offen. „Es gibt mehrere Stücke zur Auswahl“, sagt er. Sicher ist jedoch, dass die Solisten der Stauferfestspiele bereits im kommenden Jahr wieder zu sehen sein werden. Eine Operngala ist als Intermezzo in Planung – und vermutlich zu Weihnachten auch wieder „Hänsel und Gretel“. Aber noch ist dieses Jahr ja nicht zu Ende.

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