Die jüngsten Vorhaben für neue Toilettenanlagen im Märchengarten in Ludwigsburg sind gescheitert. Was gibt es für Alternativen – und was wird aus der großen Baugrube am Spielplatz?
Kinder im Märchengarten in Ludwigsburg müssen die Beine weiterhin ein bisschen länger zusammenkneifen – oder die Windel muss noch etwas länger dichthalten. Das Vorhaben für zusätzliche Toilettenanlagen auf dem Gelände des Märchengartens, das in dieser Saison eigentlich hätte umgesetzt werden sollen, musste eingestampft werden. Wie sehen die Alternativen aus – gibt es überhaupt welche? Und was ist eigentlich mit der Baugrube am großen Spielplatz?
Aktuell befinden sich auf dem Gelände des Blühenden Barocks fünf fest installierte Toilettenanlagen: Zwei gehören zu den Restaurants – das sind die Cafeteria am Rosengarten und das Parkcafé –, sind aber für jeden frei zugänglich. Die drei anderen befinden sich bei der Kasse am Haupteingang (Schorndorfer Straße), am „Gruftweg“ (das ist der Bereich zwischen Schlosseingang und den Vogelkäfigen), sowie im Märchengarten nahe dem Imbiss, gleich neben Blühbähnle und Herzogschaukel.
Nur eine Anlage im Märchengarten
Die Anlagen sind barrierefrei, mit Ausnahme der Cafeteria, zudem verfügen alle Toiletten über Wickeltische oder sogar einen eigenen Wickelraum – mit Ausnahme der am Haupteingang.
Das heißt aber auch, dass es zwischen der Herzogschaukel ganz „unten“ im Märchengarten und Parkcafé/Gruftweg ganz „oben“ keine Möglichkeit mehr zum Austreten oder Wickeln gibt. Die Entfernung ist auf dem Papier nicht gigantisch, durch den deutlichen Höhenunterschied und die verwinkelten Wege vergeht mitunter jedoch einiges an Zeit, bis Eltern mit kleinen Kindern oder Kinderwagen den Ort der Erleichterung erreichen.
Großes Aufregerpotenzial hat das Thema bisher anscheinend nicht gehabt. „Im laufenden Betrieb liegt seitens unserer Besucherinnen und Besucher kein Wunsch auf weitere Sanitäranlagen vor“, berichtet Lea Gruber von der Pressestelle des Blüba auf Anfrage. Trotzdem war es den jüngsten Direktoren, Volker Kugel und seiner erst vor kurzem ausgeschiedenen Nachfolgerin Petra Herrling, ein wichtiges Anliegen, hier ein besseres Angebot zu schaffen. Die von beiden auf den Weg gebrachten Projekte sind jedoch gescheitert.
Noch unter Volker Kugel waren Pläne für eine Toilette am unteren Eingang des Märchengartens, hinter dem Riesen von Ludwigsburg, entstanden. Sie sollten in den Hang eingebaut werden. „Im Rahmen einer vertiefenden Prüfung wurde aus wirtschaftlichen Gründen von dem Vorhaben Abstand genommen“, so die Blüba-Sprecherin.
Petra Herrling nahm das Thema wieder auf und verkündete im vergangenen Sommer zufrieden, dass man endlich eine Lösung gefunden habe: In dem Aktionshaus, in dem die Däumelinchen-Ausstellung und der „Tumult im Märchengarten“ untergebracht sind, könnte eine Toilettenanlage eingebaut werden. Alles war genehmigt und auf den Weg gebracht. Doch auch dieses Projekt stand unter keinem guten Stern: Ein Nachbar legte Einspruch dagegen ein, berichtet Lea Gruber. Es wurde daher eingestellt.
Mobile Anlage für den Froschkönig
Und wie geht es jetzt weiter? Pläne für eine neue Festanlage innerhalb des Märchengartens stehen derzeit zumindest keine im Raum. Hoffnung gibt es trotzdem: Es ist angedacht, die „im Südgarten stehende mobile Toilettenanlage am oberen Eingang beim Froschkönig zu platzieren“, erklärt Lea Gruber. Voraussetzung ist, dass „die technischen Voraussetzungen gegeben sind“. Klarheit herrscht darüber noch nicht.
Bereits jetzt sei es zudem üblich, bei Großveranstaltungen zusätzliche temporäre Anlagen zur Verfügung zu stellen. Darüber hinaus wurden die bestehenden Anlagen vor Kurzem besichtigt, in der Folge sollen „in absehbarer Zeit“ kleinere Sanierungen erfolgen.
Ganz unabhängig davon gab es Bestrebungen, an der Wiese zwischen dem großen Spielplatz und dem Rosengarten eine sogenannte „Toilette für alle“ zu installieren. Dabei handelt es sich um Toiletten, die nicht nur barrierefrei, also für Rollstuhlfahrer nutzbar sind, sondern die selbst für Menschen mit deutlich schwereren Beeinträchtigungen geeignet sind. Die vormalige Hütte dort wurde bereits abgebaut und eine Baugrube ausgehoben.
„Allerdings wurde im Aufsichtsrat beschlossen, das Bauvorhaben nicht weiterzuverfolgen und alles wieder zurückzubauen“, heißt es auf Anfrage von der Pressestelle. Hintergrund ist, dass es im Residenzschloss Ludwigsburg bereits eine „Toilette für alle“ gibt. Diese kann nach telefonischer Anmeldung kostenlos genutzt werden. Die bereits ausgehobene Baugrube soll wieder zugeschüttet werden.