Die häufigsten männlichen Kunden, die Röcke kaufen, sind keineswegs Homosexuelle. Foto: dapd

Schon die alten Römer trugen Röcke – seit der Französischen Revolution ist der Rock für den Mann aber überhaupt nicht en vogue. Schade eigentlich, findet der Designer Robert Landinger.

München - Er galt als Haute Couture: der Männerrock, den Jean-Paul Gaultier in den 80er Jahren auf den Laufsteg brachte. Aber bis heute ist er in der Branche, in der doch jeder alles darf, ein einsames Kleidungsstück. Zwar taucht er in den Kollektionen einiger Designer auf – Marc Jacobs trägt ihn, bei H&M gab es schon mal einen –, aber massentauglich ist der Männerrock nicht geworden. Dagegen setzt sich der Münchner Designer Robert Landinger zur Wehr, der für den Rock für alle kämpft.

Schließlich war nicht die Hose, sondern der Rock zuerst da. Schon auf jungsteinzeitlichen Felsmalereien seien Männer beim Jagen mit einer Art Rock abgebildet, weiß die Erlanger Modesoziologin Aida Bosch zu berichten. „Noch bei den Römern trugen Frauen wie Männer die Toga oder die kürzere Tunika.“ Auch heute sind lange Gewänder und Röcke in vielen Regionen der Welt noch Teil traditioneller Männerkleidung. Dennoch setzte sich in Europa die Männerhose durch – vom Schottenkilt und der Fustanella in Griechenland und Albanien mal abgesehen. Und festgezurrt wurde das Äußere des Mannes seit der Französischen Revolution – gipfelnd im Anzug. „Damit wollte sich das Bürgertum vom Prunk, dem verschwenderischen Lebensstil des Adels absetzen“, erklärt Bosch. Streng und dunkel war dieser Anzug. „Er symbolisierte Arbeitsamkeit, Fleiß und Anstand. Diese bürgerliche Macht wirkt bis heute nach.“

„Der Rock macht den Mann nicht unmännlich“

Doch das gleichförmige Aussehen von Jacke wie Hose war dem Münchner Robert Landinger zu langweilig. 1999 schneiderte er zusammen mit seiner Ehefrau Doreen Anders seinen ersten Männerrock, testete ihn anfangs zu Hause, später beim Einkaufen und bei Kneipenbesuchen. Dass er ausgelacht wurde, hielt ihn nicht ab. Landinger wurde zum Überzeugungsträger, der nicht nur in seinem Modelabel AndersLandinger selbst gefertigte Männerröcke anbietet. Er trägt auch selbst ständig Röcke. Und der 43-Jährige räumt mit einem Klischee auf. Nicht Homosexuelle zählen zu seinen häufigsten Kunden, sondern Bräutigame und Trauzeugen. „Sie fragen danach, weil sie zwar klassisch und festlich gekleidet sein wollen, aber den gängigen Anzug langweilig finden und ihn mit dem Rock aufpeppen wollen.“

„Der Rock macht den Mann nicht unmännlich“, findet Landinger. Wobei seine Modelle dezenter sind als die des Vorreiters Gaultier. „Bei uns schreit nicht jeder Männerrock von Ferne schon ,Ich bin ein Rock!‘.“ Bodenlang, geschlossen und schmal geschnitten sind die meisten seiner Varianten. Dazu kommen schlichter Schnitt, Praktisches wie Druckknöpfe, Klettverschlüsse oder Karabiner und robuste Stoffe. Noch ist der Männerrock ein exotisches Kleidungsstück, resümiert Bosch. Das gelte auch in der Modebranche, in der Mann nach wie vor Hosen trägt. Aber: „Die Mode strebt immer nach Neuem, nach dem, was vor kurzem noch kulturell abgelehnt wurde.“ Was der Durchschnittsbürger eben noch als hässlich empfunden habe, habe in der Mode gute Chancen, durch Designer veredelt, zum Erfolg zu werden. Erst in avantgardistischen Gruppen, dann als Massengeschmack. So könnte eines der letzten modischen Tabus gebrochen werden. Landinger ist skeptisch: „Männer sind Modemuffel, ihnen fehlt die Courage.“ Er glaube nicht, dass bald genauso viele Männer Röcke anziehen wie Frauen.

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