Michael Bonin wird die Geschicke als Geschäftsführer der Barock Volleys weiter ehrenamtlich lenken, sucht aber in anderen Bereichen nach hauptamtlichen Lösungen. Foto: Anselm Berg

Der Bundesligist Barock Volleys Ludwigsburg hat sich als Aufsteiger etabliert – wird aber überwiegend ehrenamtlich geführt. Das will Geschäftsführer Michael Bonin ändern.

Manchmal überholt der sportliche Erfolg die bestehenden Strukturen eines Sportvereins. So etwas ähnliches ist in den vergangenen Jahren auch bei den Barock Volleys Ludwigsburg passiert. Die Volleyball-Männer haben in nur drei Jahren den Sprung in die Beletage gefunden. Bis auf einige Ausnahmen wird das Umfeld der Mannschaft aber ehrenamtlich geführt. Einer der maßgeblichen freiwilligen Helfer ist Michael Bonin, seit September Geschäftsführer der neu gegründeten Barock Volleys Management GmbH. „Jetzt ist der Punkt erreicht, dass wir für die kommende Saison den Einstieg in Hauptamtlichkeit finden müssen, um das Ehrenamt zu entlasten“, sagt Michael Bonin.

 

Damit soll das Umfeld zum sportlichen Erfolg der Mannschaft von Coach Hasse Mattila aufschließen. Denn der Aufsteiger hat sich bislang als die positive Überraschung in der Volleyball-Bundesliga (VBL) entpuppt – mit Platz sechs mit sieben Siegen. „Wir werden nicht mehr unterschätzt und keiner denkt, das ist der Aufsteiger, den hauen wir weg“, sagt der 52-Jährige. Es läuft bei den Volleys. Und da konnte man am vergangenen Wochenende auch die Niederlage gegen den Zweiten TB Düren verkraften. Allemal ein Dämpferchen vor dem letzten Duell in diesem Jahr an diesem Samstag (19.30 Uhr) in der Innenstadtsporthalle gegen den TV Warnemünde. Der Vorletzte hat am vergangenen Spieltag überraschend die Baden Volleys des SSC Karlsruhe geschlagen. Dennoch traut Michael Bonin seiner Mannschaft einen Sieg zu.

Suche nach einem hauptamtlichen Sportmanager läuft

Michael Bonin ist allerdings hin- und hergerissen, wie er den Höhenflug einordnen soll. Da sei Freude, weil die Situation nicht vorhersehbar war. „Aber es ist auch sehr kräftezehrend für alle Verantwortlichen mit einer englischen Woche nach der anderen“, sagt der Geschäftsführer und verweist auf den ständigen Wechsel zwischen drei Hallen, dem für alle ungewohnten Neuland und der Intensität, die in der höchsten Spielklasse gefordert ist.

Er will vor allem die vielen Ehrenamtlichen – allen voran Sebastian Schiegl, der das Sponsoring und die Kommunikation verantwortet und dessen Frau, die an den Heimspieltagen 30 Volunteers koordiniert – mittelfristig entlasten. „Sie alle geben sehr viel Energie. Das kostet Kraft“, sagt Bonin. Deshalb arbeite man an mehr Hauptamtlichkeit, damit nicht nur die Mannschaft stabil durch die Bundesligasaison komme. „Uns schwebt deshalb ein hauptamtlicher Sportmanager vor, der sich um alle Belange rund um das Team kümmert“, sagt Michael Bonin.

Auch der ständige Wechsel zwischen den Standorten ist nicht zielführend. Gespräche mit der Stadt für eine andere Lösung laufen. Der Blick geht also schon in die kommende Runde, die, wenn nicht ein ungeahnter Einbruch über die Mannschaft hinwegfegt, im Oberhaus weitergehen wird. Die Volleys sind nah dran, ihr Motto „Gekommen, um zu bleiben“ mit Leben zu erfüllen. Vielleicht sind sogar die Playoffs drin. Diese Planungssicherheit hatte man in der vergangenen Saison nicht, als man sich erst auf der Zielgeraden erstmals für die Bundesliga qualifizierte.

Parallelen zwischen Labor und Profisport

In seinem Engagement als ehrenamtlicher Geschäftsführer sieht der Humangenetiker Bonin durchaus Parallelen zur Leitung seines Laborunternehmens in Neu-Isenburg, in dem 15 Mitarbeitende tätig sind. „Auch hier sind die Menschen die wichtigste Ressource, und es kommt wie im Sport auf jeden Einzelnen an“, sagt Bonin, der ein Gespür dafür entwickelt hat, wo die Spieler der Schuh drückt.

Michael Bonin teilt seinen Enthusiasmus für den Volleyballsport mit Sohn und Kapitän Ben-Simon (Mitte). Foto: Baumann

Dass er das Ohr ganz nah an der Mannschaft hat, liegt auch daran, dass sein Sohn Ben-Simon Kapitän des Teams ist. „Natürlich habe ich eine große Nähe zum gesamten Team und einen besonderen Blick auf den Sohn. Das wird auch nie aufhören“, sagt Michael Bonin. Vater und Sohn haben kürzlich einen besonderen Moment erlebt, als man den langjährigen Primus VfB Friedrichshafen mit 3:1 besiegte. In Friedrichshafen war der gebürtige Rottenburger ausgebildet worden, hatte Abitur und den ersten Schritt zum Profi gemacht. Jetzt also der Sieg gegen den VfB. „Da ist was zusammengewachsen. Die Jungs kämpfen füreinander. Und jeder Sieg macht es leichter“, sagt Michael Bonin. Auch in der Stadt und im Umland registriert er ein gesteigertes Interesse an den Volleys – sei es in zunehmenden Zuschauerzahlen oder beim Trikotverkauf.

Durchschnaufen im Ferienhaus in Finnland

Er wird mit seinem Team weiter daran arbeiten, Ludwigsburg als Volleyballstandort mit nationaler Strahlkraft zu etablieren. „Jetzt müssen wir aber alle erst einmal durchschnaufen“, sagt Michael Bonin und verrät auch wo er mit der Familie hinfahren wird: ins Ferienhäuschen nach Finnland.