Mehr Sonne, mehr Regen – so macht sich der Klimawandel bemerkbar. In manchen Jahren blüht alles früher, Obst und Gemüse sind schneller reif. Foto: dpa-Zentralbild

Trockenheit, dann sintflutartige Regenfälle: Die auch durch die Erderwärmung bedingten häufigeren Wetterextreme machen Gartenpflanzen zu schaffen. Bei unserer Telefonaktion gab es Tipps, wie Hobbygärtner gegensteuern können.

Stuttgart - Hier sind die Tipps, wie Hobbygärtner den extremen Wetterumschwüngen beikommen können.

1. Schädlinge richtig bekämpfen

Blattläuse sind häufige und lästige Gartenbewohner Foto: Current Biology
An jungen Trieben laben sich die Blattläuse, und die Weiße Fliege stürzt sich auf den Grünkohl – mit Schädlingen haben Hobbygärtner in diesem Jahr häufig zu kämpfen. Experten wie Harald Schäfer vom Landesverband der Gartenfreunde machen dafür unter anderem auch die veränderten Temperaturen verantwortlich, die die Gartenpflanzen in Stress bringen – und somit anfälliger für Schädlinge machen. Der Grünkohl beispielsweise ist natürlicherweise ein maritimes Klima gewohnt. Hierzulande dagegen gerät er immer mehr in Hitzestress. Kein Wunder also, dass die Weiße Fliege ein leichtes Spiel hat. Ihr beikommen können Hobbygärtner mit Produkten, die auf Kaliseife oder Rapsöl basieren, sagt Harald Schäfer. „Wichtig ist, die Pflanze frühmorgens damit tropfnass zu spritzen.“ Noch besser aber ist es, den Grünkohl aus dem Garten zu verbannen – und vielleicht auf weniger klimaempfindliche Arten wie beispielsweise den Kohlrabi zu setzen. Zeigen sich Blattläuse an den Stielen und Blättern, ist der Zuckerstoffwechsel der Pflanze gestört, sagt Harald Schäfer. Die Pflanze hat dann Probleme, den Zucker in Stärke umzuwandeln, zieht dabei sehr viel Wasser – und bildet somit für Läuse eine perfekte Nahrungsquelle: „Die müssen nur noch die jungen Triebe anstechen, schon fließt ihnen das Zuckerwasser geradewegs entgegen“, so der Experte Schäfer. Auch bei der Bekämpfung dieser Schädlinge können natürliche Pflanzenschutzmittel helfen. Allerdings wendet Schäfer diese nur ungern an: „Denn sie machen auch Nützlinge wie Marienkäfer oder Florfliegen kaputt, deren Hauptnahrungsquelle Blattläuse sind.“ Stattdessen greift Schäfer lieber zum Gartenschlauch: Denn auch ein gezielter Wasserstrahl hilft gegen die lästigen Läuse.

2. Empfindliches umpflanzen

Hortensien haben unter den klimatischen Bedingungen zu leiden Foto: dpa-tmn
Mehr Sonne, mehr Regen – so macht sich der Klimawandel bemerkbar. In manchen Jahren blüht alles früher, Obst und Gemüse sind schneller reif. Doch die schleichende Klimaveränderung verträgt nicht jede Pflanze: Bohnen beispielsweise, die viel Feuchtigkeit brauchen, kommen mit den klimatischen Bedingungen im Sommer immer schlechter zurecht. Auch Rhododendren und Hortensien lassen an allzu sonnigen Plätzen eher die Blätter hängen. Das Gleiche gilt für Stauden wie Himbeeren, Brombeeren und Weiße Johannisbeeren sowie bei den Ziergehölzen für den Blumenhartriegel. Generell rät Schäfer zum Verzicht auf bewässerungsintensive Kulturen wie Rasen oder Koniferen. „Man kann sagen, dass davon so ziemlich alle Pflanzen betroffen sind, bei denen im Pflanzenkatalog unter dem Punkt „Boden“ die Worte „frisch bis feucht“ stehen. Hier hilft nur noch eines: umpflanzen. „Südlagen sollten gemieden werden“, sagt Schäfer. Besser sind Nordlagen, die teils morgens und abends dennoch etwas Sonne abbekommen. Dafür gedeihen nun andere Pflanzen besser: Für den Gemüsegarten empfiehlt Schäfer Tomaten und Paprika oder gar Melonen. Beim Obst eignen sich Kiwis, Kaki-Früchte oder die Indianerbanane Paw-Paw. „Grundsätzlich gilt es, robuste, trockenheitsverträgliche und wärmeresistente Sorten zu wählen“, sagt Schäfer. Oder aber man bindet verstärkt andere Nutzpflanzen ein, die mit der Wärme besser klarkommen.

3. Vor Frost schützen

Ein Eispanzer hat sich über die Apfelblüten gelegt Foto: dpa
Eine alte Bauernregel lautet: „Vor Nachtfrost bist du nie sicher, bis Sophie vorüber ist.“ Gemeint ist der letzte Tag der sogenannten Eisheiligen vom 11. bis 15. Mai – die „kalte Sophie“ bildet dabei das Schlusslicht. Ärgerlich für Landwirte und Hobbygärtner gleichermaßen ist es aber, wenn die Tage davor schon so warm waren, dass Obstbäume, Stauden und Co. schon Blüten getrieben haben. Denn dann sind wie in diesem Jahr besonders viele Frostschäden zu beklagen. Um zumindest das Spalierobst und kleinere Stauden in kalten Frühjahrsnächten zu schützen, rät Harald Schäfer dazu, diese mit Fliesdecken zu ummanteln. „Wichtig ist auch, den Boden vor Frostnächten ordentlich zu wässern. „Die Feuchtigkeit treibt die Bodenwärme nach oben und schützt zusätzlich.“ Zudem befreit Schäfer die Pflanzen vor Frostnächten von ihrer Mulchschicht, so dass die darunter gespeicherte Wärme zu den Pflanzen hin aufsteigen kann.

4. Richtig Gießen

Beim Gießen gilt die Faustregel: Lieber seltener, dafür intensiver. Foto: dpa-tmn
Das Wetter macht es selten so, wie Gärtner es gerne hätten. Mal regnet es viel zu wenig, so dass Gießkannen-Schleppen zum morgendlichen Sport wird. Dann wieder drohen Unwetter, und es regnet sintflutartig. „Der beste Pflanzenschutz bei diesen Wetterextremen ist eine intensive Bodenpflege“, sagt Harald Schäfer. Diese beginnt damit, dass der Boden ordentlich gemulcht werden sollte. Rasenschnitt oder anderes organisches Material verhindert Erosion oder Verschlämmung. „Am besten bedeckt man die Erde mit einer drei bis fünf Zentimeter dicken Mulchschicht“, sagt der Experte. So wird der Gasaustausch des Bodens nicht gestört, und die Mikroorganismen, die den Boden lockern und wasseraufnahmefähig machen, können sich gut vermehren.

Gleichzeitig rettet ein gemulchtes Beet die Pflanzen über den einen oder anderen heißen Tag. Was aber nicht bedeutet, dass auf Gießen verzichtet werden kann, sagt Schäfer. Insbesondere die Kübelpflanzen brauchen täglich Wasser. Anders sieht es bei den Blumen, Obst- und Gemüsepflanzen aus, die in Beeten wachsen: Hier muss laut Schäfer nicht unbedingt jeden Tag gegossen werden – „sofern man es richtig macht“. Es gilt die Faustregel: Lieber seltener, dafür intensiver. „Wer zwei- bis dreimal in der Woche zwei bis drei Kannen Wasser pro Quadratmeter verteilt, bringt seinen Garten gut durch die Hitze“, sagt Schäfer. Wichtig ist dabei auch, möglichst frühmorgens zu gießen „Wer abends den Garten wässert, darf sich am nächsten Tag nicht über Schnecken im Salat wundern.“ Denn auf feuchter Erde, die aufgrund der nächtlichen Kühle auch nicht gleich trocknet, können sich die unliebsamen Gartenbewohner besonders gut fortbewegen.

5. Nicht zu kurz mähen

Der englische rasen hat in deutschen Gärten keine Zukunft Foto: dpa-Zentralbild
Wann ein Rasen ein Rasen ist, ist höchst umstritten. Bei Naturliebhabern wie Harald Schäfer lautet die Definition folgendermaßen: „Auf einem Rasen darf es ruhig bunt und wild blühen, alles andere wäre naturfremd.“ Für andere wiederum kommt das Auftauchen von Ehrenpreis, Gundermann, Gänseblümchen und Moos einer Heimsuchung gleich. Dabei sind die Hobbygärtner daran meist selbst schuld, so der Gartenexperte: „Die Leute mähen das Gras zu kurz, sie düngen nicht und wässern es nur unzureichend.“ Daraufhin werden die Graspflanzen geschwächt, und die Unkräuter setzen sich durch. „Der Rasen braucht eine intensive Pflege“, sagt Schäfer. Das bedeutet: Möglichst bis September organisch mit Hornmehl oder Hornspänen düngen und auch regelmäßig gießen – bei extremer Trockenheit im Sommer etwa dreimal pro Woche. Wer trotz aller ökologischen Vorbehalte dennoch den Kampf mit Löwenzahn und Co. aufnehmen möchte, sollte auch häufiger, aber nicht so tief mähen.

6. Dünger umstellen

Düngung ist nicht nur in der Landwirtschaft wichtig. Foto: dpa-Zentralbild
Wenn es nicht so wächst, wie es soll, greift der Hobbygärtner gern zum Dünger. Doch dabei kann man viel falsch machen, sagt Harald Schäfer. Wichtig ist zum einen, nicht zu oft und zu viel zu düngen. „Insbesondere beim Stickstoffdünger gilt es, diesen nur bedarfsgerecht einzusetzen.“ Hintergrund ist, dass der Dünger nicht über die Sommermonate hinaus von den Pflanzen verwertet werden kann. „Danach sollte man diesen Dünger nicht mehr verwenden, sodass bis zum Winter möglichst wenig Stickstoff im Boden zurückbleibt. Das schadet sonst den Pflanzen in den kalten Monaten.“ Um eventuelle Stickstoff-Reste zu binden, empfiehlt Schäfer die Einsaat von Gründüngungspflanzen in den Herbstmonaten. „Wichtig ist auch, für ausreichend Kalium im Boden zu sorgen.“ Denn Kalium macht Pflanzen widerstandsfähiger gegen Trockenheit.

7. Pflanzenkrankheiten bekämpfen

Tomaten sind anfällig für die Endfäule Foto: dpa-Zentralbild
Wer sich auf selbst gezogene Tomaten aus dem Garten zum Abendessen freut, tut das oft vergebens. Denn derzeit klagen besonders viele Gartenbesitzer über eine heimtückische Pflanzenkrankheit: Die Tomaten zeigen an der Blütenansatzstelle einen dunkelbraunen bis grauen wässrigen Fleck. Das Gewebe verändert sich und ist kurz darauf an dieser Stelle eingetrocknet und verhärtet. Experten wie Uli Natterer vom Gartenbauverband Baden-Württemberg und Hessen sprechen dann von der Blütenendfäule. „Dabei handelt es sich um eine physiologische Störung, die bei Tomaten und auch bei Paprika durch Kalziummangel verursacht wird“, sagt Natterer. Hintergrund ist eine Stoffwechselerkrankung, deren Ursachen bisher noch nicht genau erforscht sind. Man geht aber davon aus, dass die betroffenen Pflanzen schlecht mit Kalzium versorgt sind. Um die Blütenendfäule zu bekämpfen, helfe es, auf eine gleichmäßige Wasserversorgung zu achten, sagt Natterer. „Es schadet nicht, den Boden einmal auf seine Nährstoffe hin überprüfen zu lassen“, fügt er hinzu. Wenn das nicht hilft, rät der Gartenexperte zu einem Sortenwechsel: „Häufig sind die großen fleischigen Tomaten von der Krankheit betroffen.“ Kleinere Sorten wie die Kirschtomaten seien dagegen nicht so anfällig.
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