Beim Online-Handel Mädchenflohmarkt hat dieser Tage die Gewerbeaufsicht eingegriffen. Foto: Lichtgut/Leif Piechowski

Am Donnerstag soll geklärt werden, ob der Mädchenflohmarkt unter Auflagen vorläufig weiterarbeiten darf. Die Mitarbeiter des Stuttgarter Online-Händlers, dessen Betrieb von der Gewerbeaufsicht eingestellt worden ist, haben die Gewerkschaft Verdi um Hilfe bei der Gründung eines Betriebsrats gebeten.

Stuttgart - Mehrere Beschäftigte des Mädchenflohmarkts in Stuttgart-Feuerbach haben diese Woche Kontakt zur Gewerkschaft Verdi aufgenommen. „Wir werden uns am Montag zu einem Erstgespräch treffen“, bestätigt Sidar Carman, Gewerkschaftssekretärin im Fachbereich Handel. „Offensichtlich geht es um Arbeitszeitverstöße, Rechtsunsicherheiten und gravierende Verstöße gegen die Arbeitssicherheit.“

Gravierende Sicherheitsmängel

Bei der Handelsplattform Mädchenflohmarkt sind nach Firmenangaben rund 150 Mitarbeiter beschäftigt, nach Angaben der Geschäftsführung zu verschiedensten Konditionen wie Minijobs, Teilzeitverträgen, als Freiberufler oder fest angestellt. Unabhängig von den Beschäftigungsformen kann laut Betriebsverfassungsgesetz ein Betriebsrat gegründet werden, wenn in dem Betrieb fünf wahlberechtigte Arbeitnehmer beschäftigt sind und drei Arbeitnehmer davon wählbar sind. Wahlberechtigt sind alle Arbeitnehmer, die das 18. Lebensjahr vollendet haben.

Die Gewerbeaufsicht hat den Betrieb des Mädchenflohmarkts am vergangenen Donnerstag wegen gravierender Verstöße gegen Sicherheitsauflagen und die Arbeitsstättenverordnung vorübergehend stillgelegt. Die Geschäftsführung räumte auf Anfrage und nun auch auf der Homepage Fehler ein: Feuerlöscher fehlten, Fluchtwege seien nicht gekennzeichnet, es gebe Stolperstellen, Notausgänge seien nicht ausreichend freigehalten und gekennzeichnet, die Brandlast sei bei derzeit 250 000 gelagerten Artikeln hoch und erfordere ein Brandschutzkonzept, die elektrischen Anlagen müssten abgesichert und die Breite der Verkehrswege eingehalten werden. Wie Thorsten Lückemeier, einer der Firmengründer, auf Anfrage mitteilt, habe die Gewerbeaufsicht ihren Kontrollbesuch für Donnerstag, 19. Dezember, angekündigt. Danach entscheidet sich, ob der Betrieb unter Auflagen vorläufig wieder freigegeben oder geschlossen wird.

Betrieb will Vorschüsse auszahlen

Anfang der Woche geriet der Online-Handel unter Verdacht, er arbeite in der Halle an der Siemensstraße trotz amtlicher Schließung weiter. Dies hat sich nicht bestätigt. „Am Dienstag haben sie (die Mitarbeiter der Gewerbeaufsicht) vor Ort Personen angetroffen, die dabei waren, erste Mängel zu beheben“, teilt Stadtsprecher Martin Thronberens auf Anfrage mit.

Die meisten Mitarbeiter – 70 bis 80 Prozent sind laut Geschäftsführer Stundenlöhner – erhalten keine Lohnfortzahlung während der Schließung. „Wenn aber jemand in Geldnot kommt, bezahlen wir einen Vorschuss entsprechend der ursprünglich geplanten Arbeitszeit“, verspricht Thorsten Lückemeier. Mit Hilfe der Gewerkschaft Verdi wollen die Mitarbeiter weitere Verbesserungen erreichen. Sie beklagen fehlende Sitzgelegenheiten, erhöhte Leistungsanforderungen, mangelhafte Belüftung, und allgemein gehe die Angst um, der Betrieb könnte nach Osteuropa verlagert werden.

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