Madonna ist zurück Foto: Universal

Madonna ist zurück. An diesem Freitag erscheint das Album „Rebel Heart“. Doch die Fachfrau in Sachen Sensationen, Skandale und neueste Modetrends ist es müde, ständig die Krawalltante zu spielen.

Stuttgart - Es ist nicht leicht, Madonna zu sein, rund um die Uhr als Alleskönnerin, Popprovokateurin, Überfrau, Sexgöttin herhalten zu müssen. „I’m only human“, ich bin auch nur ein Mensch, singt ­Madonna Louise Veronica Ciccone trotzig in der Schnulze „Joan Of Arc“. Sie erzählt ihre Leidensgeschichte, gesteht, dass jedes heimliche Foto, jedes böse Wort sie im Innersten ihrer Seele verletze, dass sie nicht immer eine Superheldin sein könne, dass es Tage gibt, an denen sie gar nicht mehr aufhören kann zu weinen.

Wenn es auf dem Album „Rebel Heart“ etwas gibt, mit dem einen Madonna überrascht, dann ihr Bekenntnis, dass sie manchmal so traurig ist, dass sie sterben möchte. Das sentimentale Pathos der von einer Akustikgitarre angetriebenen Nummer „Joan Of Arc“ ließe sich am ehesten noch als Neuigkeit auf der inzwischen 13. Platte der Superfrau des Pop vermarkten. Vorausgesetzt man ignoriert die Tatsache, dass Madonna die Rolle Märtyrerin schon ziemlich oft gespielt hat.

Auf „Rebel Heart“ kommt einem sowieso vieles vertraut vor. Und das hat nichts damit zu tun, dass die meisten Songs des Albums bereits Monate vor dem Veröffentlichungstermin illegal im Netz auftauchten, sondern liegt daran, dass die Platte voller Selbstzitate ist. Die Zeiten, in denen Madonna Trends setzte, scheinen vorbei zu sein. Der überproduzierte Dancepop auf „Rebel Heart“ setzt keine neuen Maßstäbe, wiederholt, ­variiert frühere Stilübungen Madonnas. Von gehypten Typen wie Diplo, Toby Gad, aber auch Avicii oder Kayne West hat sie sich den in ihrer bereits 33 Jahre andauernden Karriere ausführlich erprobten Mix aus Eurodance, Reggae, Disco, Pop und Elektro maßgeschneidert aufhübschen lassen. Das machen allerdings die Kolleginnen Miley Cyrus und Lady Gaga auch. Die Verwechslungsgefahr ist daher groß.

Zwar gibt es auf „Rebel Heart“ ungewohnt viele Balladen („Joan Of Arc“, „Ghosttown“, „Hold Tight“, „HeartBreakCity“). Madonna inszeniert sich nicht so provokativ und aufgesext wie auf dem Vorgängeralbum „MDNA“ aus dem Jahr 2012, sondern stellt gerne auch ihre Empfindlichkeit und Verletzlichkeit aus. Doch auch mit 56 Jahren hat Madonna die Lust auf das Böse-Mädchen-kommen-überall-hin-Spiel nicht verloren.

Kokett beichtet sie in „Devil Pray“ einmal mehr die vielen Sünden, derer sie sich schuldig gemacht hat, erklärt „Bitch“ zu ihrem Lieblingswort – zum Beispiel in „Bitch I’m Madonna“, bei dem sie Nicki Minja einen Gastauftritt spendiert –, und der Satz, „I just wanna have fun tonight“, ich will heute Nacht einfach nur Spaß haben, darf als ihre neues altes Glaubensbekenntnis herhalten. Und in „Illuminati“ schafft sie es dann sogar, ganz fies den Papst, Oprah Winfrey, Barack Obama, die Queen und Lady Gaga in einem Atemzug zu nennen. Manchmal ist es doch ganz leicht, Madonna zu sein.

Die Marek-Lieberberg-Konzertagentur bringt Madonna im Rahmen ihrer „Rebel Heart“-Tour im Herbst zweimal nach Deutschland. Am 4. November gastiert sie in Köln in der Lanxess-Arena und am 10. November in Berlin in der Mercedes-Benz-Arena (früher O2-World). Am 13. März beginnt der Vorverkauf exklusiv über die Ticketportale Eventim und Ticketmaster, am 16. März beginnt der allgemeine Vorverkauf. www. eventim.dewww.ticketmaster.de
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