Madeline Willers will nach oben Helene 2.0

Von Uwe Bogen 

Sängerin Madeline Willers mit ihrem Förderer Gotthilf Fischer Foto: Vietense
Sängerin Madeline Willers mit ihrem Förderer Gotthilf Fischer Foto: Vietense

Wenigstens beim Schlager ist die Welt noch heil. Die 21-jährige Madeline Willers wird vom großen Gotthilf Fischer bewundert und als „schwäbische Antwort auf Helene Fischer“ beworben.

Stuttgart - Wer den Thron des Showgeschäfts bestiegen hat, dürfte früher oder später als Frage dienen, die es angeblich zu beantworten gilt. „Das ist die Antwort auf XY“ heißt es dann. Helene Fischer ist Spitzenreiterin in dieser Vorbildfunktion. Die „Atemlos“-Sängerin, die selbst mal „die blonde Antwort auf Andrea Berg“ war, ist 31, Kollegin Berg 50 Jahre alt. Höchste Zeit für Produzenten, sich nach 20-Jährigen umzuschauen, die das Erbe der Ladys antreten könnten. In unseren Breiten haben sie eine Helene 2.0 gefunden, wie man Antworten heutzutage nennt.

Madeline Willers, die vor 21 Jahren in Backnang geboren ist und das Internat der Merz-Schule in Stuttgart besuchte, wird als „schwäbische Antwort auf ­Helene Fischer“ in Schlagerpostillen und Radiostationen gerühmt. Eine Ausbildung im klassischen Gesang hat sie gemacht, wo man die Endung eines Wortes betont und nicht verschluckt wie beim „Pop-Dance-Schlager“ – also in jenem Genre, das Helene Fischer dominiert.

Hörerinnen und Hörer von SWR 4 ­kennen Helene 2.0 mit ihrem Song „Uns gehört die Nacht“. Madelines Stimme ist so stark, dass wir ab sofort genau hinschauen sollten: Ist die 21-jährige Schwäbin tatsächlich mehr als ein austauschbares Schlagersternchen? Wird sie es ganz nach oben schaffen?

Gotthilf Fischer rühmt ihr Durchsetzungsvermögen

Talent reicht schon lange nicht mehr, damit eine Sängerin zur Marke wird. Da braucht es viel mehr – eine durchdachte Strategie, gute Hitschreiber, engagierte Förderer, berühmte Verehrer und möglichst klatschtauglichen Stoff, um von Medien beachtet zu werden. Einen Trumpf hat die 21-Jährige in jedem Fall: Sie schaffte es ganz ohne Castingshow, dass der volkstümliche Rock’n’Roller Andreas Gabalier
sie in sein Vorprogramm in der Stuttgarter Porsche-Arena nahm.

Madeline Willers tritt immer in schwarzer oder weißer Kleidung auf – damit man sie wiederkennt. Eifrig spielt sie auf der Klaviatur der sozialen Netzwerke. Ihre Musikvideos sind so gedreht, als renne Helene Fischer durchs Bild – also mit vielen schönen jungen Menschen, die wild durcheinander tanzen. Vorbei sind die Zeiten, da Sängerinnen fast bewegungslos vorm Mikro standen. Heutzutage müssen sie sportliche Höchstleistungen liefern. Beim Tanzen sollten sie kaum Luft bekommen, auf dass sich die Zuhörer fragen, wie man dabei noch singen kann.

Der berühmte Verehrer, der gut in die Karriere-Strategie passt, ist bei Madeleine Chor-Urvater Gotthilf Fischer. Der 88-Jährige wohnt sogar in ihrer Nähe. Fürs Foto hat er die Hand fürsorglich um das junge Ding aus Wüstenrot gelegt. „Madeleine besitzt, was man braucht, um im harten Geschäft der leichten Muse Erfolg zu haben“, sagt ­Fischer. Er meint „Talent, Disziplin und Durchsetzungsvermögen“. Obendrein kämen drei weitere Dinge hinzu: „Stimme, Aussehen und ein Song, der das Zeug zum Hit hat.“

Der Glauben ist ihr wichtig

Gotthilf Fischer drückt die Daumen. Er ist ihr künstlerischer Opa. Großeltern sind mächtig stolz, wenn es die Enkel weit bringen. Betreut wird Madeline von Hans Derer aus Winnenden, der die Karrieren von Kristina Bach, der Kelly Family und Depeche Mode in Fahrt brachte. „Blutjung, sexy und frech“ – so beschreibt er die neue Schlagerprinzessin aus seinem Stall. Madeline will nicht nur sexy sein. Stets betont sie ihren Glauben. „Wenn du glaubst, bist du nie allein“, sagt sie.

„Bis zum ­Himmel und zurück“, heißt eines ihrer Lieder. Auf diesem weiten Weg sollten ihr Helene Fischer oder Andrea Berg egal sein. Wer immer nur ­Antworten gibt, könnte es am Ende versäumen, selbst die richtigen Fragen zu stellen.

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