Die Vision einer attraktiven Fußverbindung über den Neckar bei Hedelfingen kann real werden. Eine Leichtbaubrücke parallel zu den Otto-Hirsch-Brücken macht’s möglich.
Hedelfingen - Seit Jahrzehnten fordern die Hedelfinger und Obertürkheimer einen Spazierweg am Neckar sowie eine attraktive Fußwegverbindung zwischen den beiden Stadtbezirken. Jetzt könnte der Wunsch in Erfüllung gehen. Eine aktuelle Studie belegt, dass eine Leichtbaubrücke über den Neckar, die parallel zu den Otto-Hirsch-Brücken verläuft, technisch und finanziell sowie zeitnah machbar wäre. Die leichte, angekoppelte Grünbrücke wäre ein Mosaikstein für eine Zukunftsvision, wie die beiden Neckarvororte näher an den Fluss rücken können.
Leichtbaubrücke begeistert Bürger
Die Hedelfinger Bezirksbeiräte brachten den Stein ins Rollen. Die Idee bekam CDU-Bezirksbeirätin Petra Püchner bei einem Besuch in Belgien. Nachdem sie das innovative und spektakuläre Hafenhaus in Antwerpen gesehen hatte, fragte sie sich, ob man nicht auch für Hedelfingen im Bereich Hafen innovative Ideen und Lösungen für die Neckarüberquerungen entwickeln könnte. Ihr Vorschlag: eine Brücke in Leichtbauweise.
Die Idee zog Kreise. Im Bürgerhaushalt heimste Püchners Vorschlag die meisten Stimmen der Hedelfinger Projekte ein. Die Bezirksbeiräte von Hedelfingen und Obertürkheim begrüßten ihn ebenfalls und auch Hafenchef Carsten Strähle konnte sich solch eine Konstruktion gut vorstellen. Gemeinsam mit der Leichtbau BW GmbH in Stuttgart wurden eine Machbarkeitsstudie in Auftrag gegeben und finanziert und in Gesprächsrunden Visionen entwickelt, wie der Neckar erlebbarer gemacht werden könnte.
Machbarkeitsstudie liegt vor
Erste Ergebn isse stimmen hoffnungsfroh. „Die Leichtbaukonstruktion soll eine Ergänzung zur bestehenden Otto-Hirsch-Brücke über den Neckar sein“, sagt Professor Michael Hermann von der Str.ucture GmbH. Das Stuttgarter Ingenieurunternehmen ist ein Spezialist für innovative Tragwerkslösungen. Das Team um Hermann hat beispielsweise eine Grünbrücke in Denkendorf konzipiert, die im Rahmen der Internationalen Bauausstellung entstehen und in Leichtbauweise die A 8 überspannen soll. Eine ähnliche, leichte Stahl- und Seilnetzkonstruktion halten die Leichtbauexperten auch über dem Hedelfinger Neckarhafen für realisierbar. „Damit würden Verkehrswege entkoppelt und ein attraktiver Fußweg entstehen“, sagt Hermann. Gleichzeitig entstünde auch ein architektonisch reizvolles Element, ergänzt CDU-Bezirksbeirat Mario Graunke. Denn die Hedelfinger – dazu zählen auch Eberhard Schweizer und Jürgen Klee von den Grünen – wollen die Aufenthaltsq ualität am Neckar stärken.
B 10 überdeckeln
Deswegen haben die Bezirksbeiräte auch noch einige Wünsche ins Konzept eingespeist: Eine Art Turm könnte am rechten Ufer als Blickfang als Ende der Leichtbaubrücke an der Straße Am Mittelkai stehen. Auch für die Nutzung gibt es bereits Vorschläge: ein Café oder Bistro überm Neckar. Vom Höhencafé könnten die Besucher das Geschehen auf den Hafengeländen und auf der Wasserschifffahrtstraße beobachten. Zudem sollten die Brückenbauer auf der linken Uferseite einen Zugang an den Kai einplanen. Dort verläuft nämlich ein attraktiver Weg, der zur Hedelfinger Schleuse führt und den die Hedelfinger seit Jahren zugänglich machen wollen. Eine Wendeltreppe – so die Vorstellung der Bezirksbeiräte – könnte ans Wasser führen. Die Verantwortlichen der Leichtbau BW und von Str.ucture haben sich auch mit dem B-10-Bereich beschäftigt. „Dort könnte die Stadt die Fahrbahn überdeckeln“, so Herrmann. Die Einhausung könnte sich von der B-10-Einfahrt bis über den Friedhof hinaus ziehen. „Dadurch würde der Lärm für die Anwohner reduziert“, so Püchner. Durch die Einhausung würde auch Lebensraum wie Sport- und Parkflächen für Hedelfingen gewonnen, ohne Freiflächen versiegeln zu müssen, fügt Hermann an. „Zukunftsvisionen, die wir vielleicht im Zuge der IBA voranbringen können“, sagt Graunke.
Otto-Hirsch-Brücken sind heute hässlich
Zunächst gelte es, die Planungen für die Leichtbaubrücke über den Neckar möglichst zeitnah voranzubringen. Dabei wird der Schulterschluss mit den Stadt- und Verkehrsplanern der Stadtverwaltung gesucht. Nach der Fertigstellung der Hauptradroute von Stuttgart-Ost nach Hedelfingen soll schließlich auch ein sicherer Radweg nach Obertürkheim erfolgen. Denn selbst Oberbürgermeister Frank Nopper stimmte bei seiner Stippvisite am künftigen Kreisverkehr an der Göppinger Straße zu. „Für Fußgänger und Radler sind die Otto-Hirsch-Brücken hässlich. Das muss sich bald ändern“, waren sich Nopper und Obertürkheims Bezirksbeiräte einig.