Die Strategie von Mercedes geht bisher nicht auf. Dafür gibt es gute Erklärungen, doch am Ende zählt der Erfolg. Die Modellpolitik muss sich jetzt auch in der Praxis behaupten, meint Klaus Köster.
Mit dem Wechsel von Dieter Zetsche zu Ola Källenius leitete Mercedes einen abrupten Kurswechsel ein: Weg von einer breiten Modellpalette hin zu teuren Luxusprodukten für einen erlauchten Kundenkreis. Diese Strategie, verbunden mit einem klaren Fokus auf China und einer radikalen Ausrichtung auf die E-Mobilität, bringt bislang jedoch wenig Fortschritt.
Die volle Umstellung auf die E-Mobilität ist inzwischen auf unbestimmte Zeit vertagt, und die Probleme mit der Luxusstrategie führen nun zu massiven Produktionskürzungen in der erst vier Jahre alten Factory 56 in Sindelfingen. Das speziell für China entwickelte Elektro-Luxusflaggschiff EQS verkauft sich dort kaum – ein Indiz dafür, dass die Strategie in ihren drei Kernelementen China, Elektro und Luxus bisher nicht greift.
BMW kündigt weniger an und liefert
Mercedes hat sich in seiner Strategie stärker an den Vorstellungen der Politik orientiert als der Konkurrent BMW, der weniger ankündigt und dann auch liefert. Der Rivale verfolgt einen defensiveren Ansatz und verringert so das Risiko, falsch zu liegen, das in diesen unsicheren Zeiten besonders hoch ist. Wohl auch deshalb kommt man bisher ohne größere Kurskorrekturen aus.
Bei Mercedes dagegen hört es sich zuweilen an, als gingen die Probleme auf vorübergehende Schwankungen zurück, keinesfalls aber auf die grundsätzliche Ausrichtung.
Großer Schritt beim autonomen Fahren
Eine Produktoffensive soll Mercedes nun aus der Krise führen. Mit Technologien zum autonomen Fahren hat man sich bereits an die Weltspitze gesetzt – das ist eine klare Ansage, die Mut macht. Doch erst der Erfolg der nächsten Modelle wird zeigen, ob die Strategie in Summe aufgeht. Oder ob schon wieder ein Kurswechsel fällig ist.