Der Mann mit mehrerenJobs: Lutz Meschke ist Gesellschafter bei dem Vermögensverwalter Wealthgate. Außerdem ist er als Honorarkonsul für Bosnien und Herzegowina tätig. Foto: IMAGO/Arnulf Hettrich

Der frühere Porsche-CFO berät Profisportler bei Geldanlagen und arbeitet mit vermögenden Familienunternehmen zusammen. Das könnte sich auf sein Gehalt bei der Porsche SE auswirken.

Jetzt ist bekannt, womit sich der ehemalige Porsche-Finanzchef Lutz Meschke beruflich beschäftigt: Er ist Gesellschafter bei dem Vermögensverwalter Wealthgate in Schwäbisch Hall. Und zwar seit 2018 – das hat das Unternehmen nun öffentlich gemacht.

 

Meschke habe „als ehemaliger CFO der Porsche AG große Strukturen geführt, komplexe Entscheidungen getroffen und die Verantwortung im Umgang mit bedeutendem Kapital gelebt“, schreibt Wealthgate auf der Firmenwebsite. Sein Netzwerk und seine Erfahrung solle Wealthgate in seiner Entwicklung vorantreiben. Zuerst berichtete das „Handelsblatt“.

Lutz Meschke arbeitet mit vermögende Familienunternehmen

Meschke selbst bestätigte sein Engagement bei dem Vermögensverwalter ebenfalls. „Ich stelle bei Wealthgate mein Netzwerk zur Verfügung und berate das Unternehmen in strategischen Fragen und der Entwicklung neuer Geschäftsfelder“, sagte Meschke dem „Handelsblatt“. Nach Informationen unserer Zeitung ist er als Gesellschafter unter anderem an Finanzierungsrunden junger Unternehmen beteiligt, berät Profisportler bei Kapitalfragen und arbeitet mit vermögenden Familienunternehmern zusammen.

Lutz Meschke hat, obwohl er aus dem Vorstand der Porsche SE ausgeschieden ist, weiterhin einen laufenden Vertrag bei der Porsche- und Piëch-Familienholding. Ob seine Beteiligung als Gesellschafter bei Wealthgate damit vereinbar ist, bleibt offen. Auf Anfrage unserer Zeitung wollte sich die Porsche SE nicht äußern. Fest steht: Meschke hatte sein Amt als Vorstand für Beteiligungsmanagement der Porsche Automobil Holding SE zum 9. Dezember 2025 niedergelegt. Trotz seines Ausscheidens aus dem Vorstand erhält er bis zum ursprünglichen Vertragsende am 30. Juni 2030 weiterhin seine vertraglich vereinbarte Vergütung von der Porsche SE.

Lutz Meschke gehörte bis Ende 2025 auch dem Aufsichtsrat des VfB Stuttgart an. Foto: Pressefoto Baumann

Kritik an Abfindungssumme bei der Porsche AG und Verdienst bei der Porsche SE

Diese Regelung ist umstritten. Der Finanzexperte Christian Strenger sprach gegenüber unserer Zeitung von „geplantem Nichtstun“ bei einem Topgehalt. Allein die fixe Vergütung beträgt 850.000 Euro pro Jahr, hinzu kommen unter anderem Boni sowie Beiträge zur Altersvorsorge.

Kritik am teuren Ausscheiden Meschkes war bereits laut geworden, als der Topmanager 2025 seinen Vorstandsposten bei der Porsche AG räumen musste. Die gezahlten 11,6 Millionen Euro liegen ebenso wie das weiterhin gezahlte Topgehalt bei der Porsche SE deutlich über den Empfehlungen des Corporate-Governance-Kodex. Dieser Kodex legt allgemein anerkannte Regeln guter Unternehmensführung fest, ist jedoch rechtlich nicht bindend.

Porsche SE stellt Bedingungen für Nebentätigkeit

Laut Geschäftsbericht der Porsche SE von 2025 ist es Meschke grundsätzlich erlaubt, trotz seines bestehenden Arbeitsvertrags einer Nebentätigkeit nachzugehen. Theoretisch könnte die Porsche SE davon sogar profitieren: Vergütungen aus Nebentätigkeiten werden auf seine Vergütung angerechnet – es sei denn, der Aufsichtsrat beschließt eine Ausnahme. Ob eine solche Ausnahme im Fall Meschke gilt oder ob Einnahmen bei Wealthgate angerechnet werden, dazu äußert sich das Unternehmen nicht.

Porsche SE schweigt auch zur Frage, ob sie den Vermögensverwalter Wealthgate als Wettbewerber einstuft. Meschke ist laut Geschäftsbericht „bis zur Beendigung des Dienstvertrags jeglicher Wettbewerb zur Porsche SE verboten.“

Außerdem ist Lutz Meschke seit einiger Zeit Honorarkonsul von Bosnien und Herzegowina. Die Adresse auf seiner Seite als Honorarkonsul ist dieselbe wie die Adresse der Firma Wealthgate in Schwäbisch Hall.

Ein Honorarkonsul vertritt die Interessen eines Staates im Ausland, ohne hauptberuflicher Diplomat zu sein. Zu seinen Aufgaben zählen vor allem der Aufbau und die Pflege wirtschaftlicher, kultureller und politischer Kontakte. Es handelt sich um ein nicht vergütetes Ehrenamt, das weniger Verwaltung erfordert als gute Netzwerke – und diese dürfte Meschke von seinen vielfältigen Jobs unbestritten haben.

Hinweis: In einer früheren Version des Textes hieß es, dass Lutz Meschke einen neuen Job hat. Richtig ist, dass Lutz Meschke seit 2018 Gesellschafter bei Wealthgate ist. Wir haben den Fehler korrigiert.