Chef im Krankenhaus vom Roten Kreuz in Bad Cannstatt: Professor Martin Hetzel Foto: foto@heinzheiss.de

2005 stand das Rote-Kreuz-Krankenhaus kurz vor der Insolvenz. Nun ist es die einzige Fachklinik für Lungenheilkunde in der Stadt und hat sich so in einer Nische etabliert.

Stuttgart - Der Cannstatter, so sagt man, hat einen besonders ausgeprägten Lokalpatriotismus. Das ging früher sogar so weit, dass der Cannstatter um die großen Kliniken in der Stadt am liebsten einen Bogen gemacht hat. „Ich geh’ nur in mein Rote-Kreuz-Krankenhaus“, sagten viele, „denn ich bin Cannstatter und kein Stuttgarter.“ Für sie war das Krankenhaus vom Roten Kreuz (RKK) in der Badstraße die erste und einzige Anlaufstelle.

Tempi passati. Heute ist das RKK zwar immer noch die kleinste Klinik in Stuttgart, aber die Aufgaben haben sich enorm gewandelt. Das kleine Haus in Bad Cannstatt hat wieder eine Zukunft, nachdem es vor zehn Jahren schlecht um die Klinik stand. Seit dem Jahr 2005 hat sich das Krankenhaus der Sana Kliniken AG (Haupanteilseigner) und des Landesverbandes des Roten Kreuzes spezialisiert. Einerseits, um wirtschaftlich zu überleben. Andererseits, weil die Spezialisierung auf die Lungenheilkunde (Pneumologie) eine Lücke im Stadtgebiet schließen konnte.

„Bis zum Jahr 2005 hatte keine Stuttgarter Klinik eine Hauptabteilung für Pneumologie“, erklärt Professor Martin Hetzel, der Ärztliche Direktor des RKK. In vielen Kliniken von Stuttgart, aber auch der Region ist die Lungenheilkunde lediglich ein Anhängsel, das von einem Sektionsleiter geführt werde. Ausnahme ist der Landkreis Ludwigsburg mit der Schillerhöhe in Gerlingen, die mit dem Stuttgarter Robert-Bosch-Krankenhaus zusammenarbeitet.

Immer mehr Patienten mit Raucherlunge

Dabei gewinnt die Lungenheilkunde eine immer größere Bedeutung. Professor Hetzel erklärt, warum: „Die Lungenheilkunde hat die Aufgabe, die Volkskrankheiten zu therapieren. Und diese Volkskrankheiten sind in den vergangenen 20 Jahren stark in den Vordergrund gerückt.“ Der Chefarzt des RKK spricht von der Raucherlunge und dem Lungenkrebs. War die Raucherlunge im Jahr 1990 in einer Rangliste der todbringenden Erkrankungen noch auf Platz sechs, so wird die sogenannte chronisch obstruktive Lungenerkrankung (COPD) 2020 auf Platz drei vorrücken.

Auch die Zahl der Lungenkrebserkrankungen wird in den kommenden fünf Jahren stark anwachsen. Daher werden die Pneumologen immer wichtiger, meint Hetzel. Nicht zuletzt weil die Lungenfachärzte Spezialisten in der Beatmungsmedizin seien. Hetzel: „In all diesen Bereichen sind die Lungenfachärzte besser.“

Im Rote-Kreuz-Krankenhaus, das auch eine Abteilung für Allgemeine und Innere Medizin hat, drückt sich dieser Anspruch auch in Zahlen aus: 4500 stationäre und 2000 ambulante Patienten kommen pro Jahr in die Badstraße. Noch aussagekräftiger ist das Verhältnis von Betten zu Ärzten. Hier steht es in Bad Cannstatt 90 zu 24. Das sei notwendig, denn die Behandlung von Lungenkrankheiten sind laut Hetzel zeitintensiv.

„Der Qualitätsstandard und das große Team, das bei einer Behandlung dahinter steht, erfordert einen hohen personellen Aufwand.“ In so einem Team ist auch ein Beatmungstherapeut, der Summa summarum sieben Jahre Ausbildung hinter sich hat. Darauf ist Hetzel stolz. Ebenso wie auf die Tatsache, dass sein Haus die einzige Klinik im Mittleren Neckarraum ist, die die Kriterien der Fachgesellschaft für Pneumologie bei einer Qualitätsprüfung bestanden hat.

Das Krankenhaus vom Roten Kreuz feiert am Samstag, 24. Oktober (14 Uhr), im Kleinen Kursaal das Zehnjährige der Pneumologie in Bad Cannstatt.

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