Was diese Frau so alles treibt: Sie irrt in einer Netflix-Serie durch Freiburg, wird auf Instagram zu Sophie Scholl und spielt demnächst die Hauptrolle in einem verstörenden Kinodrama. Wir haben die viel beschäftigte Luna Wedler zum Zoom-Interview getroffen.
Stuttgart/Berlin - Luna Wedler wird auf Instagram zu Sophie Scholl. Sie ist in der Serie „Biohackers“ wieder als Studentin Mia Versuchskaninchen skrupelloser Forscher. Und in „Jes suis Karl“ spielt sie Maxi, deren Familie Opfer eines Terroranschlags wird. Die 21-Jährige, die 2018 durch die Komödie „Das schönste Mädchen der Welt“ bekannt wurde, liebt es als Schauspielerin anspruchsvoll.
Frau Wedler, in „Biohackers“ spielen Sie Mia, die keine guten Erfahrungen mit Substanzen macht, die ihr in den Arm gespritzt werden. Sind Sie eigentlich schon gegen Corona geimpft?
Ja, ich habe inzwischen sogar schon die zweite Impfung hinter mir und bin froh, dass wir Jüngeren in der Schweiz uns schnell impfen lassen konnten. Aber ich verstehe, wenn Leute ein mulmiges Gefühl haben, weil der Impfstoff neu und noch nicht so lange erforscht ist. Aber da vertraue ich tatsächlich den Experten und der Wissenschaft.
Nicht allen fällt es leicht, zwischen Realität und Fiktion zu unterscheiden. Die erste „Biohackers“-Staffel war zunächst verschoben worden, um Menschen in der Hochphase der Pandemie nicht zu verunsichern.
Eigentlich ist das ja das Schöne an Filmen und Serien, dass man sich einfühlen kann und dass das bei uns so etwas auslöst. Aber natürlich ist es wichtig zu wissen, was erfunden und was echt ist.
Apropos erfunden oder echt: Die Serie „Biohackers“ erzählt von Wissenschaftlern, die mit menschlichem Erbgut herumexperimentieren. Ist das wirklich Science-Fiction?
Vielleicht sitzt gerade jemand in seiner Garage und forscht heimlich genau an so etwas herum. Als ich mich in das Thema eingearbeitet habe, bekam ich schon ein bisschen Angst angesichts der Sachen, die auf dem Gebiet legal und illegal gemacht werden. Die Frage ist: Wie sehr dürfen wir der Natur ins Handwerk pfuschen? Was ist moralisch vertretbar?
Die zweite Staffel von „Biohackers“ hat einen nicht mehr so leichten Ton wie die erste. Auch weil Mia nach ihrer Entführung das Gedächtnis verloren hat.
Die Serie wird viel erwachsener. Es gibt mehr Thriller, mehr Mystery, mehr Drama, mehr Crime. Aber das war auch eine Riesenherausforderung für mich. Mia begleitet mich zwar seit zwei Jahren, aber wie spiele ich jemanden, der wieder von null anfangen muss, der drei verlorene Monate aufarbeiten muss? Wir begeben uns mit Mia auf die Reise zurück zu ihr, bei der sie herausfinden will, wer sie war oder wer sie ist.
Außerdem spielen Sie im Kinodrama „Je suis Karl“, das im September startet, eine Frau, die nach einem Terroranschlag radikalisiert wird, und beim Instagram-Projekt „Ich bin Sophie Scholl“ haben Sie die Rolle der Sophie Scholl übernommen. Langweilig war es Ihnen während des Lockdowns nicht, oder?
Nein, ich hatte echt Glück. Es läuft seit ein paar Jahren einfach sehr gut für mich.
Macht es einen Unterschied, eine Netflix-Serie, einen Kinofilm oder ein Instagram-Experiment zu drehen?
Das sind zwar unterschiedliche Formate, aber schlussendlich bin ich immer Schauspielerin: Ich spiele eine Rolle, und wir erzählen eine Geschichte – ob das jetzt im Film, in einer Serie oder in diesem ganz spannenden neuen Instagram-Format ist.
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In „Ich bin Sophie Scholl“ spielen Sie nicht nur eine historische Person. Die Geschichte wird, um den Instagram-Konventionen zu entsprechen, auch in Videoschnipseln im Hochformat erzählt. Ist das das Format der Zukunft?
So etwas wird es künftig bestimmt öfter geben. Ich glaube aber nicht, dass Instagram das neue Kino wird. Instagram eignet sich allerdings gut, um in Echtzeit ein Leben beziehungsweise eine Geschichte zu erzählen. „Ich bin Sophie Scholl“ hat aber auch viel mehr Arbeit gemacht – verglichen mit einem normalen Dreh. Allein zehn Leute kümmern sich um den Instagram-Account. Und dann die Vorbereitung: Wir bilden ja das Leben von Sophie Scholl in Echtzeit ab. Wenn man eine historische Figur für so ein Projekt zurückholt, sollte alles stimmen – auch das kleinste Detail am Set. Wir haben unheimlich gründlich recherchiert. Schließlich haben wir es hier mit dem Internet zu tun – und das ist eine echt gefährliche Welt. Es genügt eine Kleinigkeit, und es geht ein Riesenshitstorm los.
Gibt es Gemeinsamkeiten zwischen Mia Akerlund aus „Biohackers“, Maxi Baier aus „Je suis Karl“ und Sophie Scholl?
Sophie Scholl würde ich ungern mit den anderen beiden vergleichen, weil sie etwas ganz Besonderes war. Maxi und Mia ist aber gemeinsam, dass sie Kämpferinnen sind, dass sie nicht aufgeben, dass sie Getriebene sind. Das gilt natürlich auch für Sophie Scholl. Sie haben alle eine ziemliche Energie, eine große Wucht. Maxi etwa wird zwar ausgenutzt, ich sehe sie aber nicht als Opfer: Sie ist wütend, sie stellt Fragen, und als ihre Fragen nicht beantwortet werden, geht sie raus in die Welt, um sich die Antworten selbst zu holen.
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Fiel Ihnen eine der Figuren leichter als die anderen?
Nein, keine Rolle ist leicht für mich. Ich gehe da immer ziemlich tief rein, weil ich mich selbst auch fordern möchte, was manchmal auch ein bisschen schädlich für mich ist. Aber es ist spannend, über Grenzen zu gehen, in eine fremde Welt einzutauchen. Ich suche mir keine Rollen aus, die leicht sind. Das wäre doch langweilig.
Mias Gegenpart in „Biohackers“ ist die Wissenschaftlerin Tanja Lorenz, die von Jessica Schwarz dargestellt wird: Zwei Frauen spielen die Hauptrollen in einem Thriller.
Vor ein paar Jahren hätte man solche Rollen bestimmt noch mit Männern besetzt. Es ist wunderbar, dass es endlich auch solche Frauenfiguren in Thrillern gibt. Zwischen den beiden gibt es auch eine besondere Spannung, weil Lorenz Mia irgendwie als ihr Wunderkind betrachtet und fast so etwas wie mütterliche Gefühle entwickelt. Ich glaube nicht, dass es diese Spannung zwischen Männern gegeben hätte.
Gibt es heute bessere Rollen für Frauen als noch vor ein paar Jahren?
Es sind immer noch zu wenige, aber es ist einiges passiert. Ich wurde in eine Generation hineingeboren, die von all dem profitiert, was sich Frauen in den Generationen zuvor erkämpfen mussten. Was ich mache, hätte meine Mutter nie machen können, und meine Oma hätte davon noch nicht einmal zu träumen gewagt. Es ist allerhöchste Zeit für diesen Wandel.
Luna Wedler bei Netflix, auf Instagram und im Kino
Person
Luna Wedler wurde 1999 in Zürich geboren. Ihr Filmdebüt gab sie 2015 in Niklaus Hilbers Film „Amateur Teens“. Berühmt wurde sie in der Hauptrolle der romantischen Komödie „Das schönste Mädchen der Welt“ (2018).
Serie
Die zweite Staffel der deutschen Netflix-Serie „Biohackers“ startet am Freitag, 9. Juli. Neben Wedler spielen in dem Thriller von Christian Ditter Jessica Schwarz und Thomas Kretschmann Hauptrollen.
Instagram
@ichbinsophiescholl heißt der Instagram-Kanal des Sophie-Scholl-Projekts von SWR und BR. Anlässlich des 100. Geburtstags von Sophie Scholl holt das Instagram-Projekt die Widerstandskämpferin ins Hier und Jetzt und erzählt in nachempfundener Echtzeit die letzten zehn Monate von Sophie Scholls Leben nach.
Kino
Das Drama „Je suis Karl“ feierte in diesem Jahr auf der Berlinale Premiere. Der Film von Christian Schwochow, der an der Ludwigsburger Filmakademie studiert hat, erzählt von Maxi Baier, deren Familie Opfer eines Terroranschlags in Berlin wird und die sich daraufhin der Organisation von Karl (Jannis Niewöhner) anschließt, der eine europäische Revolution anführen möchte. Der Film kommt am 16. September ins Kino.