So soll die Einrichtung mal aussehen, die auf Pfählen steht. . . Foto: D’Aloisio

Kinderhaus Lummerland in Gärtringen erinnert optisch an eine Ölplattform. Das liegt an ihrem außergewöhnlichen Standort. Die Gemeinde ist stolz auf ihre Entscheidung.

„Der Name Lummerland kommt nicht von ungefähr“, stellte der Gärtringer Bürgermeister Thomas Riesch beim symbolischen Spatenstich für das neue Kinderhaus südlich des Park-and-Ride-Platzes am S-Bahnhof fest.

 

Es wird zwar keine „Insel mit zwei Bergen“, wie sie im Lied über die fiktive Heimat von Michael Endes „Jim Knopf und Lukas der Lokomotivführer“ besungen wird, aber ein zweistöckiges Gebäude, das auf einer aufgeständerten Stahlbetonplattform in einem Regenüberlaufbecken entsteht. Gewissermaßen also durchaus eine Insel.

Kein besserer Standort möglich

Die Funktion des Regenüberlaufbeckens werde nicht beeinträchtigt, betonte Riesch – und dass die Gärtringer dafür bekannt seien, dass sie „auch mal ums Eck rum denken und zu innovativen Lösungen kommen“. So sei es schließlich , blickte der Rathauschef auf den Entstehungssprozess zurück, zu dieser außergewöhnlichen Bauausführung gekommen.

Eine intensive Standortsuche hatte zu dem Ergebnis geführt, dass es „keinen anderen Bauplatz, der besser geeignet ist, gibt“ als dieses Regenüberlaufbecken in Gemeindebesitz, sagte Thomas Riesch. Mit der Aufständerung „sind wir zwar bei Mehrkosten von einer guten Million Euro im Vergleich zu einem normalen Bauwerk“. Die Alternative – der Kauf eines circa 3000 Quadratmeter großen Grundstücks – hätte allerdings mit rund drei Millionen Euro zu Buche geschlagen. „Wir sparen auch noch mit dieser Lösung“, betonte der Bürgermeister.

Als „Statement in Sachen Klimaschutz und Nachhaltigkeit“ bezeichnete Architekt Fredi D’Aloisio, dessen Konstanzer Büro bei einem vorgeschalteten Wettbewerb siegreich war, das Bauvorhaben – unter anderem, weil durch die Doppelnutzung des Grundstücks Platz gespart werde.

. . . deren Gründung hier bereits in Vorbereitung ist. Foto: K. Ruess

Baubeginn für das Projekt, dessen Kosten beim Baubeschluss im Januar 2024 auf rund 12,3 Millionen Euro beziffert wurden, war bereits im Februar mit der Brunnengründung. „Jetzt geht es im nächsten Schritt in die Aufständerung“, blickt Riesch voraus. „Wir liegen voll in der Zeit, sind sogar schneller als gedacht“, zeigt sich Bauamtsleiter Friedemann Erbele mit dem bisherigen Verlauf zufrieden: „Ab der Plattform ist es nur noch ein alltäglicher Bau wie jeder andere auch“, betont er.

„Eine tolle Außenanlage“

Das Kinderhaus wird in Holzbauweise errichtet. Betreten wird das Gebäude, auf dessen Flachdach extensive Begrünung und eine Photovoltaikanlage vorgesehen sind, über einen Steg vom S-Bahn-Parkplatz aus. Platz für vier Gruppen für Kinder über drei Jahre, zwei Krippengruppen sowie eine Tapir-Gruppe wird es dort zukünftig geben. Tapir steht für Tagespflege in anderen Räumen.

Obwohl das Kinderhaus von außen vielleicht etwas an eine Ölplattform erinnert, wird „es trotzdem eine tolle Außenanlage“ geben, findet Thomas Riesch. Im Erdgeschoss eine Spielterrasse und im ersten Stock ein überdachter Spielbalkon, von dem aus unter anderem eine Rutsche nach unten führt.

Klettern an den Außenwänden

Dieser insgesamt knapp 900 Quadratmeter große Bereich mit verschiedenen Spielangeboten wird von Außenwänden eingefasst, die nicht nur Schall- und Sonnenschutz bieten, sondern auch Angebote zum Verstecken und Klettern.

Unter der Voraussetzung, dass es bei den Vergaben der weiteren Gewerke und im Bauablauf zu keinen zeitlichen Verzögerungen kommt, soll das Gebäude Ende 2026 fertiggestellt sein.