Lukas Rosengrün hat in Hohenheim und Stuttgart studiert – unter anderem Windenergie. Foto: Judith A. Sägesser

Lukas Rosengrün war in der Energiebranche, bevor er Bürgermeister von Ehningen wurde. Im Streit um einen Windpark gibt er sich gelassen. Das hat mit einer Eigenschaft zu tun, die der 40-Jährige seine Stärke nennt.

Lukas Rosengrün ist für den Windpark zwischen Ehningen, Böblingen und Holzgerlingen. „Natürlich. Ich bin bei der Energiewende aufgeschlossen.“ Aber er hängt das nicht an die große Glocke. Er findet, seine Rolle ist nicht die des glühenden Befürworters.

 

Bei einer Veranstaltung in der Kongresshalle in Böblingen im März hätten sich einige Kritiker, oder eher Gegner, „sehr aggressiv, belehrend und beleidigend“ zu Wort gemeldet, erzählt er. „Die Vertreterin der Bürgerinitiative, die sich positiv positioniert hat, wurde ausgebuht.“ Statt zurückzuschießen, habe er an einen respektvollem Umgang erinnert, sagt Lukas Rosengrün. Der Saal habe applaudiert. „Ich finde es ganz wichtig, als Bürgermeister Haltung zu zeigen.“

Bürgermeister war in der Energiebranche

Seit Mai 2020 ist Lukas Rosengrün in Ehningen im Amt; er ist Sozialdemokrat, trägt aber auch das nicht zur Schau. In seinem blau gestrichenen Büro sagt er, was er bereits nach der Wahl gesagt hatte: „Ich bin der Bürgermeister von allen Ehningern.“ Auch deshalb kämpft der 40-Jährige bei der Windkraftfrage bewusst nicht in der ersten Reihe. Wie rau der Wind dort bläst, weiß er trotzdem.

Zwischen den Gemeinden Böblingen, Holzgerlingen und Ehningen könnten sich künftig bis zu sechs Windräder drehen. Foto: Archiv/Stefanie Schlecht

Es war ein Quereinstieg in die Kommunalpolitik. Rosengrün war als Projektleiter für Windenergie bei der EnBW Ostwürttemberg Donau Ries AG tätig; zuletzt war er Projektsprecher beim Übertragungsnetzbetreiber Transnet BW. Es ging um eine Höchstspannungsleitung, die 36 Kommunen betraf. „Das war eine gute Schule, man kriegt es hart ab.“

Lukas Rosengrün erzählt, dass ihm dabei seine Stärke bewusst geworden ist: dass es ihm nichts ausmacht, der Punchingball zu sein, die Boxbirne. Konfrontation in Kooperation zu verwandeln, sei die Kunst. „Der Umgang mit widerstreitenden Interessen liegt mir“, sagt er.

Schwierig sei es für ihn mit den „Hardcore-Gegnern, die mir meine Sachkenntnis absprechen“, sagt Rosengrün. „Ich habe das mehr als zehn Semester studiert und war beruflich langjährig in der Energiewirtschaft tätig.“ Er hat in Hohenheim, Stuttgart und Koblenz-Landau studiert; er hat zwei Masterabschlüsse: einen in Nachwachsende Rohstoffe und Bioenergie mit Vertiefung Windenergie sowie einen berufsbegleitenden Master in Energiemanagement.

64 Prozent in Weil der Stadt für Windkraft

Bis zu sechs Windräder könnten zwischen den drei Gemeinden Ehningen, Böblingen und Holzgerlingen gebaut werden; entschieden wird darüber voraussichtlich im zweiten Quartal 2025. Dass die Pläne seine Gemeinde spalten, glaubt er nicht. Bei einem Bürgerentscheid in Weil der Stadt im Juni hätten sich dort knapp 64 Prozent für einen Windpark ausgesprochen. „Ich glaube, dass das ein realistisches Meinungsbild ist“, sagt der Bürgermeister. Auch in Ehningen. Der Radius der Kritiker ist offenbar nicht nur lokal. Selbst einer seiner Amtsleiter habe einen Werbeflyer der kritisch eingestellten Bürgerinitiative Pro Natur Ehningen im Briefkasten gehabt, sagt Rosengrün, er wohne in Holzbronn im Landkreis Calw .

Die Gemeinderäte würden derzeit inhaltlich auf die Entscheidung vorbereitet. „Sie sind in das Thema sehr tief eingestiegen“, sagt Rosengrün. Unterstützung gibt es vom Unternehmen endura kommunal sowie dem Forum Energiedialog Baden-Württemberg, ins Leben gerufen vom Umweltministerium Baden-Württemberg. Ziel sei, den Leuten neutrale Informationen zu geben, damit sie zu einer eigenen Meinung über den Windpark kommen können.