Die Sunset Lounge lockte Tausende in die Weinberge. Doch der Erfolg brachte Auflagen. Jetzt verändert eine Entscheidung die Lage.
Dunkle Wolken über den Weinbergen, darunter der weite Blick ins Remstal: Auf der Aussichtsplattform der Luitenbächer Höhe präsentieren Landrat Richard Sigel und Michael Scharmann, der Oberbürgermeister von Weinstadt (Rems-Murr-Kreis), ein Dokument, das für Wengerter und Veranstalter eine große Bedeutung hat. Das Landratsamt hat das Gebiet rund um die Plattform aus dem Landschaftsschutzgebiet herausgenommen. Damit ist der Weg frei für weitere Planungen rund um Veranstaltungen wie die Sunset Lounge.
Wie das Landratsamt mitteilt, sei damit ein „wichtiger Meilenstein“ erreicht worden, um die rechtlichen Voraussetzungen für einen Bebauungsplan zu schaffen. Die Stadt Weinstadt arbeitet bereits an einem entsprechenden Verfahren.
Vom Aussichtspunkt zum Publikumsmagneten
Die Luitenbächer Höhe oberhalb von Weinstadt-Großheppach gehört längst zu den bekanntesten Aussichtspunkten im unteren Remstal. Wanderer, Radfahrer und Ausflügler kommen wegen des Panoramablicks über die Weinberge. Seit der Remstal Gartenschau 2019 entwickelte sich die Plattform aber auch zu einer Eventlocation.
Vor allem die „105 GRAD OEX – Sunset Lounge im Weinberg“ zog Tausende Besucher an. Lounge-Musik, regionale Weine und Sonnenuntergänge zwischen den Reben machten die Veranstaltungsreihe weit über das Remstal hinaus bekannt. Nach Angaben der Stadt kamen bislang rund 45.000 Gäste.
Anwohnerbeschwerde stoppt Sunset Lounge im Landschaftsschutzgebiet
Doch genau dieser Erfolg brachte Probleme mit sich. Denn die Plattform liegt mitten im Landschaftsschutzgebiet. Als sie 2017 gebaut wurde, war eine gewerbliche Nutzung offenbar nicht vorgesehen. Erst mit dem starken Besucherandrang stellte sich die Frage, ob regelmäßige Veranstaltungen dort überhaupt zulässig sind.
Auslöser der Debatte war nach Angaben aus dem Umfeld der Stadt die Beschwerde eines Anwohners. Danach überprüften die Behörden die Genehmigungslage. Die Folge waren strengere Auflagen und ein deutlich reduzierter Veranstaltungsbetrieb.
Weinbau im Remstal: Neue Vermarktungsideen dringend nötig
Für die beteiligten Wengerter stand dabei mehr auf dem Spiel als einzelne Sommerabende mit Weinausschank. Viele Weinbaubetriebe sehen Veranstaltungen mitten in den Weinbergen inzwischen als wichtigen Teil ihrer Vermarktung.
Landrat Richard Sigel verweist in der Pressemitteilung auf den wirtschaftlichen Druck im Weinbau. „Der Weinbau im Remstal ist aktuell stark unter Druck, daher sind neue Ideen der Vermarktung erforderlich“, erklärt er. Veranstaltungen direkt im Weinberg könnten Verständnis für die Arbeit der Winzer schaffen und zugleich das Bewusstsein für die Kulturlandschaft stärken.
Auch Weinstadts Oberbürgermeister Michael Scharmann spricht von einem „ganz besonderen Ort“ mit einzigartigem Panorama des unteren Remstals. Besucher könnten dort die Weine genau an dem Ort erleben, an dem sie entstehen. Die langfristige Sicherung der Veranstaltungsfläche sei deshalb „ein großer Gewinn für Weinstadt und die gesamte Region“.
Konflikt um Sunset Lounge: Naturschutz versus Eventkultur
Die Entscheidung des Landratsamts beendet den Konflikt allerdings nicht vollständig. Die Herausnahme aus dem Landschaftsschutzgebiet schafft zunächst nur die Grundlage für weitere Genehmigungen. Ein Bebauungsplan muss noch folgen.
Zugleich zeigt der Streit ein Grundproblem vieler Weinbauregionen: Die Landschaft soll geschützt werden, gleichzeitig lebt sie zunehmend vom Tourismus und von Veranstaltungen. Gerade im Remstal verschwimmen diese Grenzen immer stärker.
Befürworter argumentieren, dass Formate wie die Sunset Lounge helfen, Weinbau und Kulturlandschaft wirtschaftlich zu erhalten. Kritiker fürchten dagegen mehr Verkehr, Lärm und Eventbetrieb mitten in den Reben.
Sunset Lounge: Hoffnung auf mehr Veranstaltungen wächst
Die Stadt hatte deshalb bereits versucht, den Betrieb einzuschränken – etwa durch begrenzte Veranstaltungszeiten und zurückhaltende Musik. Das Landratsamt betont nun, dass auch in sensiblen Bereichen einzelne Vorhaben möglich seien, wenn sie „naturverträglich geplant werden“.
Für viele Besucher dürfte dennoch vor allem eine Botschaft zählen: Die Chancen stehen gut, dass die Sunset Lounge auf der Luitenbächer Höhe auch künftig wieder häufiger stattfinden kann.