Harry Fischer bringt Schülern Gedichte näher. Foto: Melanie Bürkle

Harry Fischer erstellt seit vielen Jahren mit Schulklassen Gedichtbände. Der Autodidakt erklärt Kindern die Welt der Poesie – und ist fest davon überzeugt, dass jeder ein Dichter sein kann.

Luginsland - Was ist eigentlich Poesie? „So richtig erklären lässt sich das nicht“, räumt Harry Fischer ein. „Diese Frage kann und sollte jeder für sich selbst beantworten.“ Fischer, der Berufspoet, hilft dabei: Regelmäßig besucht er Schulklassen, um Kindern und Jugendlichen Poesie nahezubringen. Nicht die Klassiker von Goethe und Schiller. Vielmehr will er zeigen, dass es auch im Kleinen das Besondere gibt – und jeder ein Dichter sein kann.

Eintauchen in Fantasiewelten

Der Gablenberger ist ein Beispiel dafür: Nach seiner Lehre als Industriekaufmann absolvierte er über den zweiten Bildungsweg die Begabtenprüfung in Freiburg und studierte einige Semester Geschichte, Literatur und Philosophie – Bücher habe er schon immer geliebt. Aufgewachsen mit neun Geschwistern seien sie für ihn zu einem Rückzugsort geworden. In den Fantasiewelten war er allein, hatte Ruhe. Dort entdeckte er seine Lust aufs „Formulieren und Fabulieren“, wie er Poesie gerne beschreibt. „Aber ich tat mich als Schüler schwer, den Inhalt zu behalten. „Ich hatte ein miserables Gedächtnis.“ Deshalb begann er, in Büchern die für ihn wichtigen Passagen zu unterstreichen und Gedanken und Gefühle aufzuschreiben. So entstanden seine ersten Gedichte.

Schon 2000 Einrichtungen besucht

Die Vorliebe für Poesie gab er an seine Kinder weiter. „Ich las ihnen oft einfache, kleine Gedichte vor, die ihnen so gut gefielen, dass sie selbst anfingen mir ihre Träume, Wünsche, Empfindungen und auch eigene Gedichte zu diktieren.“ Mit großem Stolz fügt er hinzu: „Wie ich glaube, sind daraus wundervolle Sachen entstanden.“ Die Lehrer seiner Kinder seien davon begeistert gewesen, luden ihn in den Unterricht ein. Und das zog Kreise: Fischer besucht seit gut 18 Jahren regelmäßig Schulen in ganz Deutschland – von der Förderstufe bis zum Gymnasium. Mehr als 2000 Einrichtungen werden es schon gewesen sein, schätzt er. Morgen geht er wieder in der Luginslandschule auf „poetische Reisen“, am 20. und 23. Mai ist er dann in der Grundschule Obertürkheim zu Gast.

Geborene Poeten

Jeweils zwei Doppelstunden Poesie „unterrichtet“ Harry Fischer. Darin erzählt er den Schülern etwas über die Regentropfensprache, das Atmen der Gräser und andere wundersame Dinge. Er versucht, den Kindern auf fantasievolle Art zu zeigen, „dass das Leben einem Reich voller zauberhafter Wunder gleicht, in dem es jeden Tag etwas Schönes und Einmaliges zu entdecken gibt“ und ermutigt sie, ihre Gedanken zu Papier zu bringen, egal zu welchem Thema. Und Kinder hätten jede Menge Stoff für Gedichte – vom eigenen Haustier über Natur und Beziehungen bis hin zum Computerspiel. „Alles kann Poesie sein, es geht auch darum, den Blick für die kleinen Dinge zu schärfen“, sagt Fischer. Das Schöne zum Schluss sei das gemeinsame Erstellen eines Gedichtbandes mit der ganzen Schule. „Inzwischen sind es schon 250 Büchlein.“ Gedichte sind uncool? Von wegen. Kinder, findet der 61-Jährige, seien die geborenen Poeten, die Verse und Reime über alles lieben.

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