Luftverschmutzung in Stuttgart Kommt der Feinstaubalarm zum Saisonbeginn? – Die wichtigsten Fragen und Antworten

Von Lena Hummel 

Leuchttafeln könnten bald schon wieder auf Feinstaubalarm hinweisen. Am 15. Oktober beginnt die Feinstaub-Saison in Stuttgart. Foto: dpa
Leuchttafeln könnten bald schon wieder auf Feinstaubalarm hinweisen. Am 15. Oktober beginnt die Feinstaub-Saison in Stuttgart. Foto: dpa

Wenn am Montag die neue Feinstaub-Periode beginnt, könnte in der Stadt auch gleich Feinstaubalarm ausgerufen werden. Aber welche Rolle spielt eigentlich das Wetter? Gibt es vergünstigte Fahrkarten? Und welche Angebote machen Car2go und Stadtmobil? Die Antworten auf die wichtigsten Fragen.

Stuttgart - Der Verkehrsverbund Stuttgart (VVS) bietet vergünstigte Tagestickets an, bei Car2go entfällt die Registrierungsgebühr und Stadtmobil Stuttgart belohnt Neukunden mit einem Bonus. Als Gegenleistung sollen Stuttgarter ihr Auto stehen lassen. Denn am 15. Oktober beginnt in Stuttgart die vierte Feinstaubalarm-Periode. Bis 15. April hat die Stadt dann die Möglichkeit, Feinstaubalarm auszurufen.

Was hat das Wetter mit Feinstaub zu tun?

Ausgerufen wird der Alarm, wenn der Deutsche Wetterdienst (DWD) an mindestens zwei aufeinanderfolgenden Tagen ein stark eingeschränktes Austauschvermögen der Atmosphäre prognostiziert. Die Wahrscheinlichkeit dafür ist im Herbst und Winter höher als in den Sommermonaten. Als Grund hierfür nennt Marco Puckert, Mitarbeiter des DWD, die fehlende Thermik: „Im Sommer erhitzt die Sonne die Luft, warme Luft steigt auf und mit ihr die Schadstoffe.“

Laut Uwe Schickedanz, Meteorologe des DWD, sind auch längere Nächte und fehlende Wolken für den schlechten Luftaustausch verantwortlich, denn dadurch kühle die Luft unten stärker ab als oben. Die kalte Luft – und mit ihr die Schadstoffe – könnten dann nicht nach oben aufsteigen. „Wir sprechen hier von einer Inversionswetterlage“, so der Meteorologe. Wehe zusätzlich kein Wind, der die Schadstoffe wegblase, würden die Feinstaubwerte in Stuttgart ansteigen, so die Wetterexperten.

Wie ist die aktuelle Lage?

2018 könnte ein bemerkenswertes Jahr in Sachen Feinstaubwerte werden: „2018 haben wir erstmals die Chance, die Feinstaubgrenzwerte in Stuttgart an allen Messstationen einzuhalten“, erklärte Oberbürgermeister Fritz Kuhn (Grüne) in einer Pressemitteilung. 2018 seien an der Messstation am Neckartor bisher nur 16 Überschreitungstage gemessen worden. „Im vergangenen Jahr war der Wert zum selben Zeitpunkt mehr als doppelt so hoch“, so Kuhn weiter. Der Grenzwert besagt, dass 50 Mikrogramm Feinstaub pro Kubikmeter Luft im Tagesmittel höchstens an 35 Tagen pro Jahr überschritten werden dürfen.

Wann kommt der erste Feinstaubalarm?

Laut Uwe Schickedanz ist noch offen, ob es gleich zu Beginn der neuen Feinstaub-Saison Feinstaubalarm geben wird. „Aktuell haben wir für den 15. Oktober leichte Niederschlagssignale. Regnet es am Montag und Dienstag, wird der Feinstaub ausgewaschen“, so der Meteorologe. Die Konsequenz: kein Feinstaubalarm. Bleibe es allerdings trocken, sei Feinstaubalarm aufgrund der aktuellen Inversionswetterlage und des schwachen Winds wahrscheinlich.

Wann erfahre ich, ob Feinstaubalarm gilt?

Die Stadt Stuttgart gibt Feinstaubalarm mit einem Tag Vorlauf bekannt, sodass sich Autofahrer rechtzeitig Mobilitätsalternativen suchen können. Feinstaubalarm gilt dann am Alarmtag ab 0 Uhr, Komfort-Kamine dürfen bereits ab 18 Uhr am Vortag nicht mehr betrieben werden. Würde der DWD gleich zum Auftakt der neuen Feinstaub-Saison schlechten Luftaustausch melden, könnte die Stadt aufgrund der Vorlaufzeit bereits am Samstag, 13. Oktober, Feinstaubalarm ausrufen. Der Alarm mit der Aufforderung, freiwillig auf das Auto zu verzichten, würde dann ab Montag, 15. Oktober, 0 Uhr gelten.

Für Komfort-Kamine würde es zu Beginn der Feinstaubsaison eine Ausnahmeregelung geben: Das Betriebsverbot würde erstmals am Montag, 15. Oktober um 18 Uhr in Kraft treten – und damit erst 18 Stunden nach dem Alarmfall für Autofahrer. Normalerweise sind die Kaminbesitzer schon vier Stunden früher als die Autofahrer aufgefordert, ihren Beitrag zu besserer Luft zu leisten. Laut Jana Steinbeck, Pressesprecherin der Stadt Stuttgart, müsse die Öffentlichkeit zunächst über die vom Land Baden-Württemberg erlassene Verordnung zum Betriebsverbot informiert werden. Das geschehe erst am Montag.

Gibt es Alarm-Pausen?

In den Weihnachtsferien wird die Stadt Stuttgart wegen des erfahrungsgemäß geringeren Verkehrsaufkommens keinen Feinstaubalarm ausrufen. Gibt es zuvor einen Alarm, endet dieser am Freitag, 21. Dezember, um 24 Uhr und könnte erstmals wieder am Samstag, 5. Januar 2019, ausgelöst werden. Der erste mögliche Alarmtag im Jahr 2019 wäre dann der Montag, 7. Januar.

Gibt es im Verkehrsverbund wieder vergünstigte Fahrkarten?

Wie in der vergangenen Feinstaub-Saison bietet der VVS wieder vergünstigte Einzeltagestickets an. Die sogenannten Umwelttagestickets sind im gesamten VVS-Gebiet gültig und in drei Preisstufen erhältlich. Fahrgäste, die bis zu zwei Zonen fahren, zahlen 5,20 statt 7 Euro. Drei bis vier Zonen kosten 8,60 statt 11,20 Euro, und ab fünf Zonen kostet das Ticket 13,20 statt 15,50 Euro. Fahrgäste, die ein Handy- oder Online-Ticket kaufen, zahlen nochmals 20 Cent weniger.

„Der Ticketpreis errechnet sich aus der Hin- und Rückfahrt des Einzeltickets der günstigeren Zone“, erklärt Ulrike Weißinger, Pressesprecherin des VVS. Am Beispiel einer Zone bedeutet das: Normalerweise zahlen Fahrgäste für eine Fahrt 2,50 Euro. Für die Rückfahrt werden wieder 2,50 Euro fällig. „Bei der dritten Fahrt lohnt sich das Tagesticket also schon“, so Weißinger. Die Umwelttagestickets gibt es nicht nur an Tagen mit Feinstaubalarm, sondern während der gesamten Feinstaub-Saison. Alle Einzeltagestickets werden in dieser Zeit automatisch als günstigeres Umwelttagesticket ausgegeben. Für Fahrgäste bedeutet das, dass das Umweltticket an Fahrkartenautomaten und in der App nicht separat aufgeführt ist.

Wie bewältigt der Verkehrsverbund das zusätzliche Verkehrsaufkommen?

Pünktlich zu Beginn der neuen Feinstaubperiode am 15. Oktober wird die neue Schnellbuslinie X1 ihren Betrieb aufnehmen. Der Expressbus fährt alle fünf Minuten von Montag bis Freitag zwischen 6 und 20.30 Uhr und verbindet Bad Cannstatt und die Innenstadt. Die neue Stadtbahnlinie U16, die ab 9. Dezember zwischen Giebel und Fellbach fahren wird, soll das Verkehrsaufkommen auf den stark nachgefragten Streckenabschnitten der U1 und U13 entlasten.

Wie die Stadt Stuttgart mitteilte, geht gleichzeitig eine zweite Schnellbuslinie an den Start. Die Buslinie X2 verbindet Leonberg und die Stuttgarter Innenstadt und fährt montags bis freitags alle 30 Minuten zwischen 6 und 20.30 Uhr.

Gibt es weitere Vergünstigungen?

Der Carsharing-Anbieter Car2go bietet wieder Vergünstigungen an Alarmtagen an. Wie Pressesprecherin Madeleine Schulze auf Anfrage mitteilt, kosten die Smart-Fahrzeuge während des Feinstaubalarms 25 statt 29 Cent pro Minute. Der Rabatt gilt im gesamten Geschäftsgebiet für Stuttgart und Region (Esslingen, Sindelfingen, Böblingen und Gerlingen). Bei Feinstaubalarm ist der reduzierte Minutenpreis automatisch hinterlegt.

Neukunden können sich während der gesamten Feinstaubperiode kostenlos bei Car2go anmelden; unter Eingabe des Codes „J18_STG_Feinstaubalarm“ bei der Online-Registrierung erhalten sie ein Guthaben in Höhe von fünf Euro. Der Carsharing-Anbieter Stadtmobil Stuttgart bietet erstmals Vergünstigungen während der Feinstaub-Periode an: Neukunden erhalten bei Vertragsabschluss an Tagen mit Feinstaubalarm einen Bonus in Höhe von 25 Euro als Fahrtguthaben. Wer sein Auto in der aktuellen Feinstaub-Periode aus seinem Haushalt abmeldet, erhält als Neukunde weitere 25 Euro Fahrtguthaben.

Darf ich den Kamin anheizen?

Wie in den Vorjahren ist es bei Feinstaubalarm nicht erlaubt, sogenannte Komfort-Kamine in Betrieb zu nehmen. Dabei handelt es sich um Kamine, die nicht der Grundversorgung, sondern lediglich als zusätzliche Wärmequelle dienen. Das Betriebsverbot ist in der vom Land erlassenen Luftqualitätsverordnung-Kleinfeuerungsanlagen geregelt.

Laut Jana Steinbeck, Pressesprecherin der Stadt, kontrolliert das Amt für Umweltschutz stichprobenartig, ob das Verbot eingehalten wird. Bei Bürgern, die erstmals gegen die Verordnung verstoßen, wird ein Auge zugedrückt: „Die Kollegen informieren erst mal, dass es ein Verbot gibt“, so Steinbeck. Sei das Betriebsverbot allerdings wiederholt nicht eingehalten worden, müssten die Ordnungssünder mit einem Bußgeld rechnen.

Wird am Neckartor wieder sauber gemacht?

Die „Straßenreinigung Feinstaub“ wird in der neuen Feinstaubsaison fortgesetzt, damit die fahrenden Autos weniger Staubpartikel von der Straße aufwirbeln. Das haben die Stadträte in den zuständigen Gemeinderatsbeschlüssen in dieser Woche mit großer Mehrheit beschlossen. Bis zum Ende der Feinstaub-Saison werden die Fahrspuren und Gehwege rund um das Neckartor dann wieder von Sonntag bis Freitag zwischen 22 und 5 Uhr gereinigt. Beginn ist in der Nacht vom 15. zum 16. Oktober. Die Koordination der Straßenreinigung übernimmt erneut Dekra. Der genaue Starttermin ist noch offen.

Wann kommen Fahrverbote?

Ab 1. Januar 2019 sieht der Luftreinhalteplan Fahrverbote für Dieselfahrzeuge in der gesamten Umweltzone Stuttgart vor, von einigen Ausnahmen abgesehen. Betroffen vom Fahrverbot sind zunächst nicht in Stuttgart zugelassene Diesel der Schadstoffnorm Euro 4 oder schlechter. Für Besitzer solcher Diesel in Stuttgart soll das Fahrverbot vom 1. April 2019 an gelten. Dieselfahrzeuge der Euro-5-Norm sind vom Verbot ausgenommen.

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