Ob sich der großflächige Einsatz von Moosflechten zur Senkung der Feinstaubwerte in der Luft eignet, wird erst die endgültige Auswertung des Versuchs zum Jahresende zeigen. Foto: dpa

Die Mooswand an der Cannstatter Straße ist umstritten. Die CDU hält das Experiment für überflüssig, weil der Versuch nicht direkt an der Luftmessstation Neckartor stattfindet. Doch erste Ergebnisse sind durchaus ermutigend.

Stuttgart - Wirkt die Mooswand an der Cannstatter Straße tatsächlich nicht nur im Labor gegen Luftschadstoffe, sondern auch in der Praxis? Dazu hat es am Dienstag erste Informationen im Technischen Ausschuss des Gemeinderats gegeben. Vorläufiges Fazit: Im Bereich der rund 100 Meter langen bemoosten Wand an der Bundesstraße 14 ist die Feinstaubkonzentration 20 Prozent niedriger als vor Versuchsbeginn. Das haben erste Messungen zwischen dem 6. Februar und dem 28. März 2017 ergeben.

Ob die Moose auch das Stickstoffdioxid (NO2), das zum großen Teil aus Autoabgasen stammt, filtern können, ist dagegen offen. Nach Angaben des Versuchsleiters Ulrich Vogt vom Institut für Feuerungs- und Kraftwerkstechnik lagen die gemessenen NO2-Konzentrationen dort mit bis zu 81 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft zwischen 22. Januar und 16. März in etwa genauso hoch wie an der Messstation Neckartor, die an der selben Straße steht.

CDU behagt der Standort der Mooswand weit weg vom Neckartor nicht

Vogt war auf Antrag der CDU-Ratsfraktion vor den Ausschuss zitiert worden. Die Union bezweifelt die Wirksamkeit der Mooswand im Kampf gegen die Luftschadstoffe und stellt insbesondere den Standort der Wand etwa 750 Meter entfernt vom Neckartor in Frage. Vogt räumte ein, ein Senken der Schadstoffkonzentration am Neckartor durch die Mooswand sei nicht messbar. Es sei bei dem Versuch aber auch nicht darum gegangen. Erst die Auswertungen des Freilandversuchs Ende 2017 könnten zeigen, ob sich das Moos als Schadstofffilter bewährt habe und ein großflächiger Einsatz auch am Neckartor überhaupt sinnvoll sei.

Die Stadtverwaltung verwies zudem darauf, dass es direkt am Neckartor aus Platzgründen nicht möglich gewesen sei, eine Mooswand zu errichten. Während die allermeisten Fraktionen sich dafür aussprachen, die Resultate erst einmal abzuwarten, bezweifelte der AfD-Stadtrat Eberhard Brett die Seriosität des Experiments und sprach von „sogenannten wissenschaftlichen Auswertungen“.

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