Die SSB hat eine große Bussflotte und erheblichen Investitionsbedarf. Foto: Lichtgut/Leif Piechowski

Ältere Fahrzeuge  verursachen zu viele Abgase – der städtische Nahverkehrsbetrieb plant,  diese vorzeitig auszusondern um die Stickoxidbelastung in Stuttgart zu senken.

Stuttgart - Die Stuttgarter Straßenbahnen AG (SSB) plant für 2017 den Kauf von elf Gelenkbussen mit der Abgasnorm Euro 6. Sie sollen ausschließlich in der Innenstadt eingesetzt werden und dort vorzeitig Busse ersetzen, die dem freiwilligen Abgasstandard EEV genügen. Sie wurden 2008 und 2009 beschafft. So soll die Stickoxidbelastung gesenkt werden.

Die SSB wird mit ihrem Fahrzeugpark für fünf bis sechs Prozent der gesamten Stickoxidemissionen im Talkessel verantwortlich gemacht. Die Busflotte hat eine hohe Laufleistung und sei daher „ein wesentliches Thema“ bei der Luftreinhaltung, heißt es im Landesverkehrsministerium. Kaufen will die SSB allerdings erst, wenn es vom Land auch Fördermittel gibt. Der Aufsichtsrat der Gesellschaft soll in seiner Sitzung an diesem Dienstag der Anschaffung, für die fünf Millionen Euro veranschlagt werden, unter diesem Vorbehalt zustimmen. In diesem Jahr wurden 22 Gelenkbusse beschafft.

Nur 30 Fahrzeuge genügen der Euro 6

Die Busflotte zählt bei der SSB 256 Fahrzeuge. 122 genügen der freiwilligen Norm EEV, 87 erreichen die Euronorm 3 (seit 2000) und haben zusätzliche einen geschlossenem Partikelfilter. Der neuesten Euronorm 6 (seit 2013) genügen bisher 30 Fahrzeuge. Bei den älteren Euro-3-Fahrzeugen gebe es kaum mehr Verbesserungsmöglichkeiten, sagt SSB-Technikvorstand Wolfgang Arnold. Wegen der hohen Belastung und der damit hohen Abgastemperatur habe man auf den nachträglichen Einbau von SCR-Kats (mit Harnstoffeinspritzung) verzichtet. Auch die Aufrüstung von EEV auf Euro 6 sei nicht sinnvoll. Die Busse fahren in der Regel zwölf Jahre lang.

Ein Bus, der die Euronorm 6 erfülle und mit drei Tonnen belastet sei, „hat absolut einen geringeren Stickoxidausstoß als ein einziger Diesel-Pkw“, sagt Arnold. Und das, obwohl er 50 bis 70 Liter auf 100 Kilometer verbraucht.

Auch für Bahnen fehlt Ged

Die Landesförderung bei Busse ist bisher auf 4,5 Fahrzeuge pro Unternehmen beschränkt. Damit müsste der städtische Betrieb den Großteil des vorgezogenen Kaufs allein finanzieren. Arnold hofft, dass das Land die Förderkriterien mit der Verabschiedung des Haushalts verändert und insgesamt mehr Geld gibt, auch für Schienenfahrzeuge. Die SSB würden dann erwägen, weitere 20 Stadtbahnen beim Hersteller Stadler in Berlin zu bestellen. Sie kosten rund 80 Millionen Euro.

Der SSB-Aufsichtsratsvorsitzende OB Fritz Kuhn (Grüne) drängt in einem Brief an Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) auf eine Zusatzförderung. Das Schreiben haben Kuhns Kollegen aus Ulm, Freiburg, Karlsruhe, Heidelberg , Mannheim und Heilbronn mitgezeichnet. Alle haben Stadt- oder Straßenbahnen, die in die Jahre gekommen sind. Der Investitionsbedarf liege bei 100 Millionen Euro pro Jahr. Ohne Förderung stehe man vor „unlösbaren finanziellen Aufgaben.“

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