Besitzer von neueren Dieselfahrzeugen sehen sich der Gefahr ausgesetzt, dass sie diese in Stuttgart nicht mehr nutzen könnten. Foto: Lichtgut/Max Kovalenko

Die Kfz-Innung warnt vor der erweiterten Plakettenpflicht, die selbst neue Euro-6c-Diesel aus Stuttgart ausschließen könnte. Die Realwerte auf der Straße sind weit vom Prüfstand entfernt.

Stuttgart - Selbst Besitzer neuester Dieselmodelle der Schadstoffstufe Euro 6c könnten bei der Einführung der von der Landesregierung vehement geforderten Blauen Plakette von einem Fahrverbot betroffen sein. Davor warnt die Kraftfahrzeug-Innung Region Stuttgart.

Rechtliche Gegenmaßnamen der Regierung gegen ein vom Verwaltungsgericht Stuttgart ab Januar 2018 absehbar verhängtes Fahrverbot sollten nicht darüber hinwegtäuschen, dass die von 2020 an geplante Blaue Palette „ein Fahrverbot erster Klasse bedeutet“, sagt Innungsgeschäftsführer Christian Reher.

In Stuttgart 77 100 Diesel betroffen

Bisherige Überlegungen für eine Blaue Plakette sehen vor, dass nur noch Euro-6-Diesel und Benziner ab der Einstufung Euro 3 in der Umweltzone fahren dürften. Damit würden rund 26 000 alte Benziner aus dem Verkehr gezogen, außerdem 77 100 Diesel bis einschließlich Euro 5.

Jedoch ist unklar, ob nicht auch Euro-6c-Diesel betroffen wären. Bundesumweltministerin Barbara Hendricks (SPD) hatte nach dem ersten Dieselgipfel eine Studie des Umweltbundesamtes vorgestellt, die das nahe legt. Dort wird ausgeführt, dass Neufahrzeuge eine deutliche Schadstoffminderung in den Städten bewirken könnten. Die Wirkung sei wesentlich stärker, wenn nur noch Euro-6d-TEMP-Fahrzeuge rollen würden. Es könnten „weitere Sofortmaßnamen erforderlich werden“, dann „wären also auch Neuanschaffungen mit dem Euro-6a/b/c in Einfahrverbote einzubeziehen“, heißt es in dem Papier. Euro 6d-TEMP gilt seit dem 1. September 2017 für neue Typzulassungen bei Dieselautos und ab dem 1. September 2019 für alle neu in den Verkehr kommenden Diesel. Die Stickoxid-Grenzwerte liegen bei der neuen Emissionsklasse höher (168 statt 80 Milligramm pro Kilometer), sie müssen aber im einem Test eingehalten werden, der dem realen Straßenverkehr näher kommt als der bisherige Prüfstandtest.

Realwerte weit vom Prüfstand entfernt

Das Umweltbundesamt kommt zu seiner Einschätzung, weil bei Messungen von Euro-6a/b/c-Autos in einem realitätsnahen Stadtzyklus zum Beispiel bei einem Renault Scenic (1,6dCi 130) 1187 Milligramm, bei einem VW Passat 2.0 BlueTDI 471 und bei einer Mercedes A-Klasse 220 CDI 626 Milligramm Stickstoffdioxid pro Kilometer ermittelt wurden – also bis zu 15 mal mehr als der Prüfstands-Grenzwert.

Die Innung appelliert an die Regierung, die Verunsicherung der Verbraucher zu beenden, gegen ein Fahrverbots-Urteil in Berufung zu gehen und die Blaue Plakette aus dem Luftreinhalteplan zu streichen.

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