Wenn sich die Flugbegleiter-Gewerkschaft Ufo und die Lufthansa bis Donnerstag nicht einigen, bleiben Flugzeuge am Boden. Foto: dpa

Flugreisende der Lufthansa müssen sich erneut auf Streiks mit massiven Flugausfällen einrichten. Von Freitag an legt das Kabinenpersonal die Arbeit nieder - und das gleich tagelang.

Stuttgart/Frankfurt - Die Flugbegleiter der Lufthansa werden ab kommenden Freitag, 6. November, ihre Arbeit für eine Woche bis 13. November niederlegen. Dies kündigte Nicoley Baublies, Chef der Unabhängigen Flugbegleiter-Gewerkschaft Ufo am Montag in Frankfurt an. Trotz großer Zugeständnisse durch Ufo habe sich der Lufthansa-Vorstand im schwelenden Tarifstreit nicht bewegt, sondern sogar noch verschlechtere Angebote für die Übergangs- und Altersvorsorge vorgelegt. „Der Verhandlungsprozess ist tot“. Bis Donnerstag, 17 Uhr hat Ufo der Lufthansa eine, so Baublies, „allerletzte“ Frist gesetzt, um doch noch auf Forderungen von Ufo einzugehen. Allerdings ist er eher skeptisch. Alle Initiativen von Ufo hätten nichts gebracht. „Aber das war von Lufthansa wohl auch so geplant“.

Am Wochenende hatte es einen letzten Versuch von Lufthansa gegeben, den Streik noch zu verhindern. Das Unternehmen werde jetzt prüfen, ob man mit rechtlichen Schritten gegen den Streik vorgehe. Lufthansa-Personal-Vorstand Bettina Volkens kritisiert die Streikankündigung von Ufo scharf als „nicht nachvollziehbar“. Zuletzt hatten die Lufthansa-Piloten Anfang September zum 13. Mal seit April 2014 gestreikt, bevor das Landesarbeitsgericht Frankfurt den Ausstand untersagte. Auch jetzt prüft das Unternehmen nach Angaben eines Sprechers rechtliche Schritte.

Billiglinie Eurowings nicht vom Streik betroffen

Ufo wird nach Angaben von Baublies noch vor Donnerstag darüber informieren, welche Flüge nicht bestreikt werden, damit sich Lufthansa-Kunden darauf einstellen können. Nicht betroffen vom einwöchigen Ausstand sind Flüge vom neuen Lufthansa-Billigableger Eurowings und von Germanwings, der auch den Stuttgarter Flughafen in dichter Folge anfliegt. Lufthansa-Maschinen starten beziehungsweise landen nach Angaben eines Sprechers des Stuttgarter Flughafens neun Mal täglich in der Landeshauptstadt.

Das erste Mal hatten Ufo und die von ihr vertretenden 19 000 Flugbegleiter der Lufthansa im September 2012 für mehrere Tage gestreikt. Erst nach zwei Monate dauernden Schlichtungsgesprächen unter Vorsitz der ehemaligen Wirtschaftsweisen Bert Rürup hatten sich beide Seiten geeinigt.

Kritik: Lufthansa-Rechnung zur Rente sei beschönigt

Im aktuellen Konflikt um die Vorruhestands- und Altersversorgung ist eine Schlichtung allerdings nicht möglich, weil sie bereits im Frühsommer versucht wurde, aber gescheitert ist. Für Ufo sind die Vorschläge der Lufthansa nicht im Ansatz akzeptabel. „Es geht um Altersarmut. Wir sprechen von Renten für Flugbegleiter, die noch nicht einmalig vierstellig sind.

Wir reden hier nicht über ein Luxusproblem“. Die Lufthansa dagegen rechnet vor, dass auf Basis ihres letzten Angebotes zusätzlich zur gesetzlichen Rente bei längerem Fliegen über 58 Jahre bis zum 65. Lebensjahr eine betriebliche Altersversorgung von bis zu 1670 Euro möglich sei. „Diese ­Berechnungen sind utopisch“, sagt ­Baublies. Zugrunde gelegt werde von Lufthansa eine jährliche Rendite von 5,5 Prozent. Ihm sei nicht klar, wie das erreicht werden solle.

Lufthansa steuert auf Rekordgewinn zu

Der Ufo-Chef verwies am Montag auf die zahlreichen Zugeständnisse, die man in den vergangenen Monaten gemacht habe. Dazu zählten unter anderem jährliche Erleichterungen von 70 Millionen Euro in der Altersversorgung, zwei unbezahlte Überstunden pro Monat oder die Ausweitung der touristischen Angebote bei Lufthansa, obwohl die Flugbegleiter dort 20 Prozent weniger verdienen. „Wir haben alles Mögliche angeboten, unsere Veränderungsbereitschaft war und ist da“. Baublies betonte auch, dass beide Seiten bei Vergütungsfragen schon sehr nah beieinander gewesen seien. „Aber jetzt ist das Vertrauen verloren gegangen“.

Baublies erinnerte auch daran, dass die Lufthansa in diesem Jahr auf ein ­Rekordergebnis zusteuere. Zwischen Januar und September hat die Lufthansa ein Gewinn von 1,75 Milliarden Euro eingeflogen, nach 500 Millionen ein Jahr zuvor. Für das gesamte Jahr peilt Vorstandschef Carsten Spohr jetzt bis zu knapp zwei Milliarden Euro an.

Lufthansa-Chef Spohr: Zukunftsperspektive muss gesichert werden

Baublies räumt zwar ein, dass das Rekordergebnis auch auf den niedrigen Kerosinpreis zurückzuführen ist. Es gäbe längst aber auch strukturelle Effekte und damit Auswirkungen des Umbaus der Lufthansa.

Spohr fordert weitere Einsparungen und will hart bleiben. Es gehe bei den Tarifauseinandersetzungen mit Piloten und Flugbegleitern nicht darum, den Untergang der Lufthansa zu verhindern, sondern Wachstum und Perspektiven zu sichern.

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